WASHINGTON, DC - NOVEMBER 05: U.S. President Donald Trump leaves after speaking in the briefing room at the White House on November 5, 2020 in Washington, DC. Votes are still being counted two days after the presidential election as incumbent Trump is in a close race against challenger Democratic presidential nominee Joe Biden, which remains too close to call. (Photo by Chip Somodevilla/Getty Images)

Die Zeichen stehen schlecht für eine zweite Amtszeit von Donald Trump. Bild: Getty Images North America / Chip Somodevilla

Republikaner: "Für mich besteht kein Zweifel, dass Donald Trump die Wahl anerkennen wird"

Der Geschäftsführer der Republicans Overseas, George Weinberg, ist sicher, dass Donald Trump freiwillig das Weiße Haus verlässt. Er kann dem bisherigen Wahlergebnis auch einiges Positives abgewinnen.

Nach dem aktuellen Stand der Auszählungen bei der US-Präsidentschaftswahl liegt der demokratische Kandidat Joe Biden nun in allen entscheidenden Staaten vorne. Auch in Pennsylvania hat Biden Amtsinhaber Donald Trump überholen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der amtierende US-Präsident eine zweite Amtszeit antreten wird, ist auf ein Minimum gesunken.

Die große Frage ist dann allerdings: Wird Donald Trump die Wahl anerkennen und zurücktreten, wenn seine Niederlage feststeht? Die Statements und Tweets des Präsidenten seit Schließung der Wahllokale lassen das nicht vermuten.

George Weinberg ist seit 2014 Mitglied bei den Republicans Overseas, der Auslandsorganisation der US-Republikaner. Er gehört zum Beirat der Dachorganisation und ist Geschäftsführer der Republicans Overseas Germany. Im Interview mit watson erklärt er, warum er Donald Trumps Verhalten nicht für ungewöhnlich hält – und dem Wahlergebnis auch etwas Gutes abgewinnen kann.

Über Donald Trumps Anerkennung der Wahl:

"Für mich besteht kein Zweifel daran, dass er das tun wird."

watson: Mr. Weinberg, die Wahl nähert sich dem Ende. Die Hochrechnungen lassen immer weniger Möglichkeiten zu, dass Donald Trump noch gewinnt. Wie blicken Sie auf die Wahl?

George Weinberg:
Wie sich die Ergebnisse nun entwickeln, kann mich als Republikaner natürlich nicht freuen, aber es gibt einige sehr positive Aspekte an dieser Wahl. Dass Donald Trump mehr als zehn Prozent Vorsprung aus den Umfragen aufholen konnte, ist auch ein Erfolg der Republikaner und des US-Präsidenten. Außerdem haben 140 Millionen US-Amerikaner sich für Politik begeistern können und gewählt. Größere Zwischenfälle und Unregelmäßigkeiten bei der Wahl sind auch Gott sei Dank bislang ausgeblieben.

Der US-Präsident sieht das allerdings anders, er erklärt Briefwahlstimmen für ungültig, weil er Wahlfälschung unterstellt. Außerdem will er neu auszählen lassen. Ist das noch demokratisch?

Zunächst einmal steht es mir nicht zu, das Verhalten des US-Präsidenten zu kritisieren. Und abgesehen davon steht es ihm frei, genauso wie jedem anderen Kandidaten bei einer demokratischen Wahl, rechtliche Schritte zu prüfen. Wenn es sich aber bewahrheiten sollte, dass er die Wahl verloren hat, muss er das natürlich akzeptieren.

Was passiert, wenn Donald Trump die Wahl nicht anerkennt?

Für mich besteht kein Zweifel daran, dass er das tun wird.

"Ohne die Corona-Pandemie hätte er sicherlich die Wahl gewonnen."

Sind Sie sicher? Der Präsident bezeichnet die Briefwahl als unrechtmäßig, unterstellt den Demokraten die Wahl stehlen zu wollen und heizt damit weiter den Konflikt an…

Donald Trump war nie ein besonders guter Diplomat: Die Worte, die er benutzt, sind vielleicht nicht immer die richtigen, aber das hat ihn nicht davon abgehalten, eine gute Politik zu machen. Er ist eben ein Macher und kein "Diplomat" in dem sonst üblichen Sinne. Sie dürfen auch nicht seine Erfolge außer Acht lassen – innenpolitisch und auch außenpolitisch hat er eine Menge bewegt. Die Demokraten haben die Pandemie und die Debatte um Rassismus genutzt, um sich auf den Präsidenten einzuschießen. Ohne die Corona-Pandemie hätte er sicherlich die Wahl gewonnen

Wenn Joe Biden nun wirklich die Wahl gewinnen sollte, wonach es derzeit stark aussieht, wie geht es dann weiter für die Republikaner?

Wir haben die Mehrheit im Senat verteidigen können und insgesamt gute Ergebnisse bei der Kongresswahl erreicht. Das bedeutet, sollte Biden Präsident werden, werden wir im Kongress für eine starke Opposition sorgen und dafür, dass die Gewaltenteilung, das System von Checks and Balances, weiterhin fortbesteht.

Das Rennen ist denkbar knapp, in vielen Staaten werden wenige tausend Stimmen entscheidend sein. Einige Beobachter befürchten, dass die Wahl auch das Land spalten könnte. Sehen Sie die Gefahr ebenfalls?

Aus meiner Sicht ist das kein Problem. Wir haben nun einmal das Zweiparteiensystem und das polarisiert eben auch. Der US-amerikanischen Demokratie tut es gut, dass es zwei Parteien gibt, die sich klar voneinander unterscheiden. Es würde mir mehr Sorgen bereiten, wenn eine Partei das Land dominierte und es keine wirkliche Opposition gäbe.

4
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Heidrich Ralph 07.11.2020 12:52
    Highlight Highlight Das einzig Positive was Donald Trump hatte , war sein Corona-Test
  • Dennis Thiede 07.11.2020 12:22
    Highlight Highlight "Zunächst einmal steht es mir nicht zu, das Verhalten des US-Präsidenten zu kritisieren." (Zitat)
    Da fangen die Probleme in meinen Augen bereits an: Der Präsident sei über jegliche Kritik erhaben. Irgendwie bezweifle ich, dass Herr Weinberg das mit Präsident Biden auch so halten wird..
  • Dorian 07.11.2020 11:37
    Highlight Highlight "George Weinberg, ist sicher, dass Donald Trump freiwillig das Weiße Haus verlässt." - Och, so sicher wäre ich mir da nicht, denn dieser Mann ist schwer geistig krank. Ausserdem ist er sehr gefährlich, weil er als Wahnsinniger den höchsten Posten über hat und schalten und walten kann, (fast) wie er will. Entschuldigt bitte die harten Worte, aber anders kann man über diesen Herrn und seine bewaffneten Anhänger nicht mehr reden. Er und seine Brut bedrohen ja jetzt schon Biden-Anhänger, was wird erst werden, wenn er gehen muss? Bürgerkrieg oder schlimmer???
  • Claudis 07.11.2020 11:31
    Highlight Highlight Ein Herr George Weinberg ist genau so ein Leugner und Verdreher, wie die Partei im Bundestag, die Rechts sitzt und auf die wir gerne verzichten können. Uns reicht schon die Links sitzt, die Parolen-Partei. Wer die Zerstörung der Moral und des Anstandes in Schutz nimmt, hat nichts auf diesem Planet verloren. Dafür gibts den Mars z.B. Was sind das für "Menschen" ? Das ist nicht gut für die Zukunft. Trump hat zwar keine Kriege angezettelt, aber viele Kriege entfacht und viele Schlachtfelder eröffnet.

USA unterstützen Aussetzung von Patenten für Corona-Impfstoffe – WHO: "Historische Entscheidung"

Für den Kampf zur weltweiten Eindämmung der Pandemie unterstützt die US-Regierung die Aussetzung von Patenten für die Corona-Impfstoffe. Die USA stünden hinter dem Schutz geistigen Eigentums, die Pandemie sei aber eine globale Krise, die außerordentliche Schritte erfordere, erklärte die US-Handelsbeauftragte Katherine Tai am Mittwoch. Das Ziel sei, "so viele sichere und wirksame Impfungen so schnell wie möglich zu so vielen Menschen wie möglich zu bringen", sagte Tai.

Der Chef der …

Artikel lesen
Link zum Artikel