Politik

Zuschauer stellt Höcke NPD-Frage – bei seiner Antwort schmunzelt er

In der Berichterstattung über den Landtagswahlkampf in Thüringen hat sich der MDR am Freitag einen ziemlich unangenehmen Schuh angezogen: Ein Interview mit Björn Höcke, Spitzenkandidat und Landesvorsitzender der thüringischen AfD.

Der Schuh sitzt nicht nur unbequem, weil es vorab Kritik in den sozialen Netzwerken an dem Interview hagelte. Sondern auch, weil die Ausbeute für den MDR maximal niedrig war.

Denn Höcke lieferte genau das Interview, dass Journalisten mit so ziemlich allen AfD-Politikern und AfD-Politikerinnen führen, seit sich die Partei von einer eurokritischen zu einer Rechtsaußenpartei entwickelt hat: Auf gestellte Fragen folgten selten konkrete Antworten, sondern Allgemeinplätze.

Opfer-Singsang statt konkreter Antworten

Die gängige Leier vom Staatsversagen, Medienbashing und fehlender Meinungsfreiheit wird dann angestimmt, es wird zuverlässig gegen Migranten gepoltert oder der Bundeskanzlerin Angela Merkel beziehungsweise den "Altparteien" für irgendwas die Schuld gegeben.

Dass die Klage fehlender Meinungsfreiheit vor allem bei einem Interview in einem öffentlich-rechtlichen Sender irgendwie absurd ist, schließlich formulieren die Gefragten ja dort sehr öffentlich ihre Meinung, wird schulterzuckend hingenommen, es dient ja schließlich der eigenen Agenda.

Insofern darf man MDR-Journalist Lars Sänger gratulieren, hat er sich beim Interview am Freitag doch redlich bemüht, Höcke wenigstens eine konkrete Antwort abzutrotzen. Um so die Entscheidung seines Senders, einem Politiker mit zum Teil mehr als fragwürdigem Positionen Raum zu geben, wenigstens ein Stückweit zu rechtfertigen.

Als Sänger etwa wissen wollte, wie Höcke und seine AfD diejenigen Asylsuchenden, die einen Aufenthaltstitel bekommen werden, besser in die thüringische Gesellschaft integrieren wollen und für eine Antwort dreimal nachhakte.

Da bekam er schließlich als Antwort zu hören: "Ich möchte diese Menschen nicht integrieren."

Die spannendste Frage aber kam zum Schluss

Schließlich las Sänger die Fragen der Zuschauer vor. Eine, die laut Moderator stellvertretend für 150 bis 200 ähnliche Zuschauerfragen stand, war dabei besonders interessant. Sie kam von einem gewissen "Georg Elser": "Sind Sie der NPD-Autor Landof Ladig?"

Moment mal, Landolf Ladig?

Das Pseudonym Landolf Ladig verfolgt Höcke bereits seit ein paar Jahren. Er wird verdächtigt, unter diesem Namen mehrfach in einer NPD-Zeitung geschrieben zu haben und dabei den Nationalsozialismus verherrlicht haben soll. Höcke bestreitet alle diese Vorwürfe und droht, diejenigen vor Gericht zu zerren, die ihn mit Landolf Ladig in Verbindung brächten.

In der Hoffnung, es käme wirklich zu einem Prozess, wagten sich in der Vergangenheit immer mal wieder Mutige vor und behaupteten dies öffentlich. Würde Höcke Anzeige gegen sie erstatten, dann müsste er vor Gericht eidesstattlich versichern, nicht Ladig zu sein. Passiert ist das bisher nicht.

Dass Höcke und Ladig dieselbe Person sind, davon geht unter anderem der Verfassungsschutz aus, wie der "Tagesspiegel" berichtete. Die These sei "nahezu unbestreitbar", heißt es bei der Behörde. Auch aus Höckes eigenen Partei kommen diese Vorwürfe immer wieder. Die AfD selbst hatte 2017 ein Gutachten verfassen lassen, dass die Autorenschaft Höckes beweisen sollte, um einen Ausschlussantrag gegen ihn durchzubringen.

Höcke dürfte die Frage erwartet haben. Als Antwort bekamen "Elser", Sänger und seine Zuschauer zu hören, die Antworten solle er sich bei der Antifa Jena holen. Dort soll der Geburtsort von Landolf Ladig sein, wie der AfD-Rechtsaußen aus "zuverlässiger Quelle" erfahren haben will. Bei dieser Antwort grinste Höcke sein Gegenüber süffisant an, als wolle er sagen: "Wir alle kennen die Antwort doch, also was soll die Frage?"

(pcl)

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