Umwelt
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Bild: www.imago-images.de / facebook / watson-montage

Abrechnung mit dem Plastik-Irrsinn: Der offene Brief dieses Getränkemarkts geht viral

Ein offener Brief eines Getränkemarkts sorgt in Stuttgart für Aufsehen. Denn in dem Laden hatten sich über zwölf Wochen einiges an Plastikmüll und Wut angesammelt.

Auf Facebook schrieb Geschäftsführer Hans-Peter Kastner am Montag diesen offenen Brief, sowohl an seine Kunden als auch Nicht-Kunden. Tausende Reaktionen sammelte der Beitrag in den ersten Stunden nach der Veröffentlichung, auch die "Stuttgarter Zeitung" berichtete darüber.

Der Hintergrund der Geschichte: Über zwölf Wochen sammelten die Mitarbeiter des Getränkemarkts Einweg-Plastikflaschen, berichtet Kastner auf Facebook. Das "erschreckende Ergebnis" seien 10.400 Einweg-Flaschen und -Dosen gewesen.

Und das in Zeiten, wo die Republik über Umweltschutz spricht, wo Zehntausende Schülerinnen und Schüler dafür auf die Straße gehen, wo fast wöchentlich Bilder der treibenden Plastikmüll-Inseln in den Ozeanen erscheinen.

"Wir fragen uns warum?", schreibt Kastner zu dem Müllberg im Hof seines Getränkemarkts:

"Umweltschutz? Unterstützung der Nahversorgung? Nachhaltiges Denken? Nein, es geht um Bequemlichkeit, Geiz ist Geil und nach mir die Sintflut."

quelle: facebook

Die Probleme mit dem Einweg-Flaschen

Für Kastner gibt es zwei Probleme mit dem Einweg-Plastik, die ihn aufregen und die ihn den Facebook-Beitrag schrieben ließen.

Seine Kritik:

"Man drückt uns den Müll auf das Auge, weil es einfacher ist, uns diesen Müll zu bringen als ihn mühevoll am Automaten im Kaufland oder Lidl zu entsorgen. Da müsste man ja in der Schlange stehen und warten oder noch schlimmer, man würde sich die Finger schmutzig machen – denn meistens bekommen wir die Flaschen in Behältern oder Tüten die mit Resten voll sind und wir dann aus dieser Brühe die Flaschen rauszählen müssen."

Werden alle Einweg-Flaschen recycelt?

Experten sprechen auch vom "Pfandschlupf". Damit werden alle jene Einwegflaschen und -dosen bezeichnet, die von Kunden nach dem Verzehr nicht zurückgebracht werden.

Laut dem Naturschutzbund Deutschland trifft das auf vier Prozent aller abgefüllten Einwegflaschen und -dosen zu. Die Hersteller und Abfüller würden dadurch circa 180 Millionen Euro einnehmen, weil sie das Pfand nicht zurückzahlen müssen.

Plastikmüll in Deutschland kann verbrannt werden, oder auch exportiert. Wo der Müll landet, ist unterschiedlich. Laut dem deutschen Recht darf Müll nur ins Ausland geschafft werden, wenn er dort recycelt und verwertet wird.

So oder so: Umweltverbände kritisieren das System der Einweg-Flaschen seit Jahren. Denn das große Problem dabei ist: Neue Einweg-Plastikflaschen bestehen längst nicht nur aus recycelten Flaschen. Laut dem Naturschutzbund Deutschland bestehen neue PET-Flaschen aus mehr als 70 Prozent Neumaterial. Und das wiederum wird aus Erdöl oder Erdgas hergestellt.

Der Kreislauf der PET-Einwegflasche – er leckt gewaltig:

Bild

Bild: nabu

Seit 2003 sind PET-Einwegflaschen pfandpflichtig. Aber die Menge an diesen Flaschen nimmt immer weiter zu, während die umweltverträglicheren PET-Mehrwegverpackungen innerhalb von zehn Jahren über 20 Prozent Marktanteil verloren haben, wie der Nabu weiter berichtet.

Der Verbrauch von Einweg-Plastikflaschen ist noch immer enorm in Deutschland: Pro Jahr werden 16,4 Milliarden davon verbraucht. Das sind 470.000 Tonnen Müll. Oder eine Reihe von Plastikflaschen, die 14 Mal von der Erde bis zum Mond reichen würde, wie der Nabu beschreibt.

Kastner jedenfalls appelliert an seine Kunden: "Wir bieten Ihnen eine Auswahl an unzähligen Produkten in Mehrwerggebinden, Mehrwegflaschen oder 'Zweiweg'-PET Flaschen an, die von den Herstellern zur Herstellung von neuer Flaschen wieder verwertet werden."

Und: "Helfen Sie mit die Umwelt zu verbessern. Reduzieren Sie unnötigen Plastikmüll."

(ll)

Sag mir nicht, dass ich nicht nachhaltig genug lebe

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