Die Saarlouiser Innenstadt am Samstag 30.01.2021. Durch den Lockdown in der Corona-Pandemie bleiben die Gesch

Wie hier in Saarlouis sind die Restaurants in ganz Deutschland weiterhin geschlossen. Bild: www.imago-images.de / BeckerBredel

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"Es gibt kein Licht am Ende des Tunnels": Stimmung der Gastronomen am Tiefpunkt

Am Dienstag vergangener Woche traf sich Wirtschaftsminister Peter Altmaier mit Verbänden zu einem Wirtschaftsgipfel. Zu den nächsten Beratungen von Bund und Ländern Anfang März wollen sie Empfehlungen für eine Öffnungsstrategie erarbeiten, kündigte Altmaier nach dem Treffen an. Es sei von Verbänden "nachvollziehbar" beklagt worden, dass die Ungewissheit mit das schwierigste sei in der derzeitigen Lage.

Der Lockdown mit der Schließung der Gastronomie und vieler Einzelhandelsgeschäfte war zuletzt noch einmal bis zum 7. März verlängert worden. Die Stimmung in den Gastronomie-Betrieben ist längst auf dem Tiefpunkt.

"Es gibt kein Licht am Ende des Tunnels"

Maren Meyer von der Deutschen Barkeeper-Union sagt gegenüber watson: "Die Stimmung ist mittlerweile nicht sehr gut bis eher deprimierend. Das liegt zum größten Teil an der fehlenden Perspektive. Es gibt kein Licht am Ende des Tunnels und, was viel schlimmer ist, gar keine konkreten Vorschläge und Konzepte für die Barbranche."

Ein ähnliches Bild zeichnet die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands Systemgastronomie, Andrea Belegante. "Die Stimmung ist extrem angespannt. Viele unserer Mitglieder sind wütend, weil sie seit Monaten auf die lautstark versprochene finanzielle Unterstützung warten. Viele sind frustriert, weil es in den letzten Coronabeschlüssen wieder keine Öffnungsstrategie für die Gastronomie gegeben hat. Das zehrt an den Nerven und Reserven", sagt sie im Gespräch mit watson.

Fehlende Novemberhilfen

Meyer sagt, dass einige Bars immer noch nicht ihre Novemberhilfen bekommen hätten. Und auch Belegante berichtet, dass sie vermehrt Rückmeldung bekommen habe, dass vielerorts die November- und Dezemberhilfen noch nicht angekommen sind. "Das Institut der Deutschen Wirtschaft hat Zahlen veröffentlicht, nach denen nur 15 Prozent der Überbrückungshilfe I und II sowie der Novemberhilfe im letzten Jahr bereits ausgezahlt worden sind, nämlich 3,7 von 24,6 Milliarden Euro", sagt sie.

"Noch keine Novemberhilfe erhalten! Wir machen ab 01.03.2021 Ihre Haare": Das steht auf dem Schild, das Daniel Rüdiger in sein Fenster gehängt hat. Er besitzt seit acht Jahren das Restaurant Rüdiger's in Berlin-Schöneberg und seit zwei Jahren die "Schöneberger Weltlaterne", die zuvor seiner Mutter gehörte.

"Ich versuche, es mit Humor zu sehen, das macht alles etwas einfacher und die Leute haben wieder ein Lächeln im Gesicht. Natürlich mache ich keine Haare, aber es wäre schon schön, wenn erstmal die angekündigten Hilfen kommen, bevor die ersten Betriebe, wie eben Friseure, wieder aufmachen", erklärt Rüdiger gegenüber watson.

Und weiter: "Ich habe November- und Dezemberhilfe beantragt, die Abschläge kamen auch sehr schnell und haben mir geholfen, aber es wäre schön, wenn der Rest auch sehr bald kommen würde. Von einer guten Freundin, die ein Café in der Nähe besitzt, weiß ich, dass sie noch dringend auf das Geld wartet, weil schon drei Mieten ihres Ladens offen sind und sie privat kein Geld mehr hat."

"Ich kenne keinen Kollegen, der seine November- und Dezember-Hilfe bereits voll ausgezahlt bekommen hat."

Verena Mau

Verena Mau führt das Hotel und den Hofgarten Rosendomizil in Berlin-Malchow, auch sie hat finanzielle Hilfe beantragt. Ein Abschlag der November-Hilfe kam Ende Dezember, die restliche Hilfe sei auch bei ihr noch offen, erzählt sie. "Ich kenne keinen Kollegen, der seine November- und Dezember-Hilfe bereits voll ausgezahlt bekommen hat", sagt sie gegenüber watson.

 A Cathedral in the Desert : The Nurnberg Airport all empty , during the Hard Lockdown of the Covid 19 Coronavirus Pandemie in Nurnberg Nuremberg , Bayern , Deutschland . February 07 , 2021.

Der Lockdown mit Schließungen der Gastronomie wurde zuletzt bis zum 7. März verlängert. Bild: imago images / IPA Photo

Wirtschaftsverbände fordern Korrekturen bei Corona-Hilfen

Auch die Wirtschaftsverbände forderten im Anschluss an den Corona-Wirtschaftsgipfel mit Minister Altmaier weitere Korrekturen bei den Corona-Hilfen. Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) möchte vor allem Nachbesserungen bei den Überbrückungshilfen III, die in der vergangenen Woche gestartet waren.

"Es ist auch wichtig, dass die Erstattung der effektiven Personalkosten berücksichtigt wird, und nicht nur eine zwanzigprozentige Pauschale", sagte Dehoga-Präsident Guido Zöllick. Zudem sei es unverzichtbar, dass die erstattungsfähigen Fixkosten auf 100 Prozent heraufgesetzt werden.

Hilfen reichen nicht

"Man ist froh über das, was kommt, aber reichen tut das nicht. Man muss selbst immer dazulegen. Um einen inneren Frieden zu kriegen, muss man sagen: besser das als nichts", sagt Verena Mau.

"Man wird erst in ein paar Monaten sehen, wer es letztendlich schafft."

Maren Meyer

Meyer von der Deutschen Barkeeper-Union ist sich nicht sicher, ob die Hilfen, wie sie aktuell geplant sind, wirklich ausreichen, um den Bars finanziell durch die Krise zu helfen. "Wenn die Hilfen ankommen würden, würde es bestimmt einigen besser gehen und sie könnten wieder etwas durchatmen. Aber man wird erst in ein paar Monaten sehen, wer es letztendlich schaffen wird", sagt sie.

Und weiter: "Es ist sehr traurig, wie mit diesen Branchen, also Bars, Gastronomie, Catering, Veranstaltungen, Messen, Kultur, Solo-Selbständige umgegangen wird. Viele haben sogar schon ihre Altersvorsorge aufgelöst, um über die Runden zu kommen."

Auch Hotel-Betreiberin Mau ist wütend. "Mittlerweile haben wir überhaupt kein Verständnis mehr für die Situation. Für uns ist das gerade ein Schlag ins Gesicht", sagt sie und spricht damit wohl vielen Selbstständigen aus dem Herzen. "Die ganz klare Forderung ist: Aufhören mit dieser Willkür-Politik und alles wieder öffnen."

(mit Material von dpa)

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