Türkei
31.10.2020, T

In Ägäis suchen Hunde und Einsatzkräfte in den Trümmern nach möglichen Überlebenden. Bild: dpa / Darko Bandic

Schweres Erdbeben in Ägäis – Suche nach Verschütteten geht weiter

Nach dem schweren Erdbeben in der Ägäis mit mehr als 20 Toten gehen die Rettungsarbeiten in der Westtürkei weiter. In der Millionenmetropole Izmir suchten Helfer am Samstagmorgen in Trümmern nach Überlebenden. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu stieg die Zahl der Todesopfer in der Westtürkei auf 25, mehr als 800 Menschen wurden verletzt. Auch auf der griechischen Insel Samos kamen zwei Menschen ums Leben.

Am Samstagmorgen gab es nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde Afad in der Region des westtürkischen Bezirks Seferihisar ein Nachbeben der Stärke 5,0. In der Nacht hatte es schon Hunderte Nachbeben gegeben.

Katastrophe in der Westtürkei: Über 1200 Rettungsteams im Einsatz

Das erste Beben am Freitagmittag hatte nach Angaben der nationalen türkischen Katastrophenbehörde eine Stärke von 6,6. Die zuständige US-Behörde USGS gab die Stärke des Bebens mit 7 an. Es hatte fünf Häuser in Izmir einstürzen lassen, mehrere Menschen wurden verschüttet. Weitere Häuser wurden teilweise stark beschädigt.

Der türkische Fernsehsender TRT zeigte Bilder, wie Hunde nach Verschütteten suchten und Einsatzkräfte mit Taschenlampen und teilweise schwerem Gerät die Einsturzstelle nach Überlebenden absuchten. Die Zahl der Verletzten wurde im Laufe des Abends mehrfach nach oben korrigiert. Türkische Behörden riefen dazu auf, Straßen nicht zu blockieren und das Mobilfunknetz möglichst zu entlasten.

Umweltminister Murat Kurum sagte laut Anadolu, dass 1227 Such- und Rettungsteams im Einsatz seien. Kurum berichtete demnach, es habe über 140 Nachbeben geben, teilweise mit einer Stärke über 4,0. Nach Angaben des Gouverneurs der Provinz Izmir wurden bis zum Abend 70 Menschen gerettet.

Moscheen bieten Menschen, die ihr Haus verloren haben, Obdach

Sowohl auf Samos als auch an der türkischen Westküste trat bei einem Tsunami nach dem Beben das Wasser über die Ufer. Das Potsdamer Helmholtz-Zentrum stufte den Tsunami als moderat ein, eine zweite große Welle blieb entgegen vereinzelter Warnungen aus. Aufnahmen aus Samos zeigten weggespülte Autos, die anschließend quer auf der Straße zum Stehen kamen; Läden und Keller wurden überschwemmt.

Die Bewohner von Samos waren dazu aufgerufen, die Nacht im Freien – gegebenenfalls in ihren Autos – zu verbringen. Griechische Geologen waren nicht sicher, ob es sich bereits um das Hauptbeben gehandelt hatte. Auch könnten stärkere Nachbeben manche ohnehin schon beschädigte Häuser endgültig zum Einsturz bringen, warnten sie. In der Provinz Izmir boten Moscheen den Menschen Obdach, wie TRT berichtete.

Das Zentrum des Bebens habe in der Ägäis vor der türkischen Provinz Izmir, rund 16 Kilometer nördlich der griechischen Insel Samos gelegen, berichteten türkische und griechische Medien. Verschiedenen Berichten zufolge soll das Beben in der türkischen Metropole Istanbul und bis in die griechische Hauptstadt Athen zu spüren gewesen sein.

Erdogan und Mitsotakis drücken Mitgefühl aus

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis drückten sich am Abend auf Twitter gegenseitiges Mitgefühl aus. Mitsotakis schrieb: "Was auch immer unsere Uneinigkeiten sind, das sind Zeiten, in denen Menschen zusammenstehen müssen". Erdogan bedankte sich via Twitter und antwortete: "Dass zwei Nachbarn in schwierigen Zeiten Solidarität zeigen ist wichtiger als Vieles im Leben." Die Regierungen in Athen und Ankara liegen derzeit unter anderem wegen umstrittener Erdgaserkundungen der Türkei und Grenzstreitigkeiten im östlichen Mittelmeer über Kreuz.

Die Europäische Union und die Nato boten der Türkei und Griechenland Unterstützung an. "Ich bin in Gedanken bei allen, die betroffen sind", schrieb EU-Ratschef Charles Michel am Freitag auf Twitter. "Die EU hält sich bereit, Unterstützung zu leisten." Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg boten das an.

Sorgen gab es bei Hilfsorganisationen wegen der Flüchtlingslager auf Ägäisinseln wie Samos und auch Lesbos - nicht zuletzt wegen der Tsunami-Warnung direkt nach dem Erdbeben. Das auf Lesbos letzten Monat provisorisch errichtete Zeltlager für Flüchtlinge liege direkt am Wasser, warnte die deutsche Organisation Mission Lifeline in einem Tweet. Bis zum späten Freitagabend wurden allerdings keine Probleme berichtet; die Insel liegt sehr viel weiter nördlich des Erdbebengebiets.

(vdv/dpa)

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