Politik
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Merkel und AKK – Kongeniale Kooperation oder knallharte Konkurrenz?

Kein gemeinsamer Auftritt, keine gemeinsamen Fotos, keine gemeinsame Stellungnahme. Zuviel Kuschelkurs wollen CDU, CSU und SPD nicht zeigen, als die schwarz-roten Spitzen nach der ersten Sitzung des Koalitionsausschusses in diesem Jahr gegen Mitternacht getrennte Wege gehen. Seit Tagen bemühen sich beide Seiten mehr um Profilierung und Abgrenzung als um offen zelebriertes Teamplay. Da wäre zuviel demonstrative Eintracht kontraproduktiv als Zeichen in die eigenen Reihen. Außerdem: Viel Konkretes ist nicht herausgekommen an diesem Abend, das räumen sie auch in der Koalition ein.

Aber es gibt in den Tagen danach ohnehin ein anderes Thema im politischen Berlin.

Erstmals hat die Koalitionsspitze in neuer Besetzung getagt, sechs Stunden lang. Die im Dezember als Wunschnachfolgerin von Kanzlerin Angela Merkel zur CDU-Chefin gewählte Annegret Kramp-Karrenbauer hat ihren ersten Auftritt in der mächtigen Runde. Und auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ist erstmals dabei. Seit Mitte Januar ist er Nachfolger von Horst Seehofer als CSU-Chef. Wie die Premiere wohl gelaufen ist?

"Was hat Merkel noch zu melden?", fragt beispielsweise die "Bild"-Zeitung – die Kanzlerin soll die Schlagzeile belustigt in die Runde gezeigt haben, wird später berichtet.

Als AKK, wie Kramp-Karrenbauer genannt wird, am Donnerstagmorgen im Fernsehsender "Welt" nach Zeitungsmeldungen gefragt wird, denen zufolge sie nun das große Sagen habe und die Kanzlerin nur noch Zaungast sei, pariert die Vorsitzende entspannt lächelnd: "Das war überhaupt nicht so." Zum einen sei man ja im Kanzleramt eingeladen gewesen. Und außerdem:

"Wir hatten uns verständigt, dass die Bundeskanzlerin die Gesprächsleitung weiter in der Hand hat."

Bemerkenswert ist dieser Satz vor allem, weil er überhaupt gefallen ist.

Nicht selbstverständlich lag die Führung der Beratungen also bei der Kanzlerin – um das klarzustellen, war extra eine Verständigung nötig. Aha. Also doch ein Machtkampf zwischen Merkel und ihrer Kronprinzessin? "Sie sehen sich nicht in Konkurrenz zu Frau Merkel?", will die Interviewerin deshalb wissen. "Nein", sagt AKK und lächelt.

Doch so ganz dürfte das nicht stimmen. Zwar heißt es in der Union von vielen Seiten, die beiden mächtigen Frauen der CDU würden sich viel intensiver abstimmen, als dies nach außen klar werde. Auch jene Schritte, die Kramp-Karrenbauer tue, um sich von Merkel abzugrenzen, seien zumindest im Grundsatz abgesprochen, wird gemutmaßt. Doch ob das stimmt, dürften wohl nur wenige wissen.

In der Migrationspolitik zeigen beide zumindest unterschiedliche Schwerpunkte.

Zum Abschluss des von Kramp-Karrenbauer initiierten CDU-"Werkstattgesprächs" zur Flüchtlingspolitik Merkels soll die neue Vorsitzende zugestimmt haben, das Wort "Zurückweisungen" an den deutschen Grenzen in das vierseitige Ergebnispapier aufzunehmen – es kommt gleich zwei Mal vor. Am Montagabend schloss AKK dann im ARD-Interview sogar die Schließung der deutschen Grenzen als "Ultima Ratio" nicht aus, als letztes Mittel bei einer neuen Flüchtlingskrise.

Am Mittwoch lässt die Kanzlerin auf offener Bühne Distanz erkennen – ungewöhnlich für sie. Gerade was Zurückweisungen an den Grenzen angehe, sei in den vergangenen Monaten sehr viel diskutiert worden, sagt Merkel nach einem Treffen mit Luxemburgs Ministerpräsident Xavier Bettel. "Und da hat sich an meiner Meinung nichts geändert." Man habe bei der Steuerung und Ordnung der Migration sehr viel erreicht, betont die Kanzlerin und sagt: "Für mich ist das immer ein europäischer Ansatz."

Gerade an diesen Fragen – Zurückweisung und Europa – hat sich im Sommer 2018 der Streit zwischen der Kanzlerin und Innenminister Seehofer über die Migrationspolitik weiter vertieft. Fast wären die Unionsehe und die ohnehin wackelige schwarz-rote Regierung geplatzt. Und nun stellt sich Kramp-Karrenbauer genau bei diesen Symbolthemen auf die Seite der kleinen Schwesterpartei aus Bayern?

Das dürfte Merkel nicht gefallen haben, glaubt man auch in der CDU.

Bei den Christsozialen haben die Worte Kramp-Karrenbauers dafür umso mehr Wohlgefallen ausgelöst. Ganz zentral sei das "Werkstattgespräch" dafür gewesen, dass die schwarzen Schwestern nach dem Krach der vergangenen Jahre wieder zusammenwachsen könnten, heißt es da. AKK habe die konservative Seele gestreichelt. Sie mache die Sache sehr gut, kenne in Diskussionen jedes Detail, man stimme sich eng ab.

Bei soviel Harmonie ist man in der CSU sogar gegenüber Merkel etwas nachsichtig – anders, als das in den vergangenen Jahren oft war. Bei Hähnchen und Pommes sei bei der nächtlichen Sitzung im Kanzleramt klar gewesen, dass sie die Sitzung geleitet habe. Auch gegenüber der SPD sei die Kanzlerin deutlich geworden – anders, als man das von früher kenne.

Wie lange die neue Einigkeit anhält, ist offen. Schon nach der Europawahl Ende Mai oder nach den schwierigen Wahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen im Spätsommer und Herbst könnte die Geduld aus München mit AKK und der Kanzlerin schon wieder vorbei sein.

(hd/dpa)

Das könnte dich auch interessieren:

Rezo fordert bei Böhmermann Entschuldigung von lügenden Kritikern

Link zum Artikel

Illner geht ihren Gästen mit Personal-Fragen auf die Nerven – "unsägliche Debatte"

Link zum Artikel

"Mit Neonazis mache ich mich nicht gemein" – so begründet ein Ex-AfD-Mann seinen Ausstieg

Link zum Artikel

Vera Int-Veen verurteilt Hartz-IV-Empfänger – dann erkennt sie ihren Fehler

Link zum Artikel

Ein Schrei nach Liebe: Freiwild covern Ärzte und Hosen

Link zum Artikel

"Dachte, dass das für immer ist" – Lena Meyer-Landrut spricht unter Tränen über Trennung

Link zum Artikel

So will Edeka den Drogerien Konkurrenz machen

Link zum Artikel

Rammstein: 7 (fast) unbekannte Fakten über die Band

Link zum Artikel

"Er hat die Ente gefressen": Eisbär frisst Tier vor den Augen der Zoo-Besucher

Link zum Artikel

Rammstein-Sänger soll Mann geschlagen haben – was das mutmaßliche Opfer zu dem Fall sagt

Link zum Artikel

Wegen Cathy-Hummels-Streit: Bundesregierung will Influencer-Gesetz

Link zum Artikel

Posen vorm Reaktor – Influencer machen geschmacklose Instagram-Posts in Tschernobyl

Link zum Artikel

Fotos von Helene Fischers Privat-Konzert aufgetaucht – sie zwingen sie zu handeln

Link zum Artikel

Mein Vater hat eine bipolare Störung – so war meine Kindheit

Link zum Artikel

Rock im Park: Über 130 Menschen erleiden allergische Reaktion

Link zum Artikel

Heidi veröffentlicht Chat mit Tom: Romantisch? Ganz im Gegenteil!

Link zum Artikel

Shitstorm mal anders: Zu wenige Toiletten bei Rock im Park

Link zum Artikel

Von Anime bis True Crime – diese 14 Filme und Serien kommen ab heute auf Netflix

Link zum Artikel

Sturmböen, Hagel und Starkregen: Ab Pfingstmontag geht es bergab mit dem Wetter

Link zum Artikel

Lesbisches Paar in London blutig geschlagen – weil sie sich nicht küssen wollten

Link zum Artikel

Helene Fischer macht's schon wieder – darum sind ihre Worte nur noch Heuchelei

Link zum Artikel

Kelly Family in Berlin: Warum immer noch der Hype? Eine Annäherung in 5 Akten

Link zum Artikel

Trump setzte Kopfgeld auf unschuldige Schwarze aus – jetzt melden sie sich zu Wort

Link zum Artikel

Wie beim WM-Finale 2014! Das steckt hinter der Final-Flitzerin von Madrid

Link zum Artikel

Helene Fischer und die 1-Mio-Euro-Party: Millionär bucht Star für besonderen Abend

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Annegret Kramp-Karrenbauer macht sich über Drittes Geschlecht lustig

Das Stockacher Narrengericht geht auf einer 700 Jahre alte Tradition zurück und ist der Höhepunkt der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Dort lädt ein Narrengericht von 20 Narrenrichtern eine beklagte Person aus der Bundes- oder Landespolitik ein. Diese muss sich dann dem spöttischen Gericht stellen und verteidigt sich auch auf eben jene Art und Weise.

Dieses Mal war CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer dran, die sich zunächst über das rein männliche Narrengericht lustig machte. Doch …

Artikel lesen
Link zum Artikel