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Kritik an Trump: So hart ist Merkel den US-Präsidenten noch nie angegangen

11.05.18, 13:20 11.05.18, 14:52
Max Biederbeck
Max Biederbeck

Das "Ein Stück weit" war wohl nur der Anfang. Im vergangenen Jahr verkündete Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Bierzelt jene Worte, die viele Kommentatoren schon damals als epochalen Wandel ansahen: "Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei." Kennt mittlerweile jeder. Eine direkte Ansage an Donald Trump. So klar hatte man Angela Merkel bislang selten reden gehört.

Nun, ein Jahr später, setzt die Kanzerlin aber noch einen drauf. Das Bierzelt in Trudering hat sie gegen ein Podium beim katholischen Kirchentag in Münster eingetauscht. Und tatsächlich, besagtes "Ein Stück weit" sieht harmlos aus gegen die offene Kritik, die Merkel am Freitag übte.

Sie sehe

"mit Sorge, dass der Multilateralismus in einer wirklichen Krise ist."

Und wurde noch deutlicher:

"Wenn jeder macht, worauf er Lust hat, ist das eine schlechte Nachricht für die Welt."

Beides gilt natürlich Donald Trump, der die Welt gerade mit dem Ausstieg aus dem Iran-Deal in Atem hält. Ein Vertrag, der international nicht nur begrüßt, sondern auch von allen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats 2015 unterschrieben wurde.

Dazu Merkel:

"Ich glaube, dass es nicht richtig ist, ein Abkommen, das verabredet wurde, über das man im UN-Sicherheitsrat abgestimmt hat, einstimmig es gebilligt hat, dass man ein solches Abkommen einseitig aufkündigt."

Trump aber wollte den multilateralen Atom-Deal nicht mehr:

Merkel sagte auf dem Kirchentag auch, dass sie sich weiter für die transatlantischen Partnerschaften einsetzen würde. Aber die Botschaft an den US-Präsidenten könnte kaum deutlicher sein.

Ihre Ansage kommt kurz vor einem Treffem mit Russlands Wladimir Putin, das kommende Woche stattfinden soll. Regierungssprecher Steffen Seibert teilte am Freitag mit, dass sich Merkel und Putin sehr wohl darüber einig seien, dass man den Atom-Deal beibehalten wolle.

Die öffentliche Rüge ist der nächste Schritt in einer politischen Trendwende der Bundesregierung. Das transatlantische Verhältnis wird in Zukunft nicht mehr das selbe sein. Die Bundesregierung und ihre Bündnispartner sind entschlossen, auch ohne die USA weiterzumachen. Für Trump könnte dies  das internationale politische Abseits bedeuten. Ob das den US-Präsidenten überhaupt noch interessiert, ist dann die andere Frage.

(mit dpa/afp)

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