International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Türkei schmeißt Israel-Botschafter aus dem Land – Erdogan spricht von "Genozid"

15.05.18, 14:10 15.05.18, 17:57

Nach den tödlichen Konfrontationen von Palästinensern und israelischen Soldaten an der Gaza-Grenze haben am Dienstag Tausende Menschen im Gazastreifen Abschied von ihren Toten genommen. Gleichzeitig übt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan heftige Kritik an Israel. Das ist die Situation am Dienstag.

Beerdigungen und kleinere Proteste im Gaza-Streifen:

"Diese Juden (Israelis) sind Kriminelle", sagte Faddel Scheich Chalil der Deutschen Presse-Agentur. Seine Tochter Wissal war bei den Protesten getötet worden. "Die haben meine 15-jährige Tochter erschossen, die ihnen nichts getan hat." Scharfschützen hätten das Mädchen unter Feuer genommen. Sie sei nur zu den Zeltlagern an der Grenze gegangen. "Und während sie zugeschaut hat, wurde sie getötet."

Demonstranten tragen am Montag im Gazastreifen einen Verletzten weg. Bild: X01833

Bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen am Grenzzaun zu Gaza hatten israelische Soldaten am Vortag nach palästinensischen Angaben 60 Menschen getötet. Mehr als 2700 seien verletzt worden, teilte das Gesundheitsministerium in Gaza weiter mit.

Die Proteste im Gazastreifen richteten sich gegen die Eröffnung der US-Botschaft am Montag in Jerusalem sowie eine mehr als zehnjährige Blockade des Küstenstreifens durch Israel und Ägypten. Die Palästinenser erinnern zudem an die Flucht und die Vertreibung Hunderttausender im Zuge der israelischen Staatsgründung vor 70 Jahren.

Mindestens zehn der Getöten sollen Hamas-Mitglieder sein

Israel wirft der im Gazastreifen herrschenden Hamas vor, Zivilisten im Konflikt auf zynische Weise als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Die Armee hat immer wieder betont, dass viele der Toten militante Palästinenser waren. Nach Angaben des palästinensischen Innenministeriums in Gaza waren zehn der 60 Toten Hamas-Mitglieder.

Nach Angaben von Augenzeugen waren die Särge von rund 25 der am Montag getöteten Palästinenser in die Fahnen der radikalislamischen Hamas gewickelt. Dies heißt allerdings zunächst nur, dass die Hamas für die Kosten der Beerdigung aufgekommen ist.

Israelische Soldaten (Vordergrund) und palästinensische Demonstranten (Hintergrund) an der Grenze zwischen Gaza und Israel. Bild: AMIR COHEN/Reuters

Erdogan übt schwere Kritik an Israel

Der türkische Präsident hatte die Proteste am Gaza-Grenzzaun, bei denen israelische Soldaten am Vortag nach palästinensischen Angaben 60 Menschen töteten und mehr als 2700 verletzten, als "Genozid" bezeichnet. "Das was Israel macht, ist ein Genozid. Egal von welcher Seite er kommt, von Amerika oder von Israel, ich verfluche dieses humanitäre Drama, diesen Genozid", sagte Erdogan nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Montagabend.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies diese Kritik entschieden zurück. "Erdogan ist einer der größten Unterstützer der Hamas, daher gibt es keinen Zweifel, dass er sich gut auskennt mit Terror und Massakern", sagte Netanjahu am Dienstag. "Ich rate ihm, uns keine Moral zu predigen."

Israelischer Botschafter muss Türkei verlassen

Am Dienstag dann spitzte sich der diplomatische Streit zwischen Israel und der Türkei zu.

Die türkische Regierung hat den israelischen Botschafter Eitan Naeh türkischen Medienberichten zufolge zur Ausreise aufgefordert. Das Außenministerium habe dem Diplomaten übermittelt, dass es "angemessen ist, wenn er für einige Zeit in sein Land zurückkehrt", meldeten die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu und weitere Medien am Dienstag. Damit scheint es sich nicht um eine förmliche Ausweisung zu handeln. Der Botschafter war wegen der Zusammenstöße mit Dutzenden getöteten Palästinensern ins Außenministerium in Ankara einbestellt worden.

(ts/fh/dpa)

Das könnte dich auch interessieren:

15 Tiere, die am Wochenende viel aktiver sind als du

"Ich hasse Menschen auf Konzerten"

Politiker oder Influencer – wer hat diese Bilder gepostet?

18 Gründe, warum wir die 2000er vermissen

Die Donut-Theorie sagt uns, wie wir gut leben können, ohne die Erde zu zerstören

Wein doch: "Sprachnachrichten sind gestohlene Lebenszeit!"

Poo with a view – 15 Klos mit Aussicht

5 Frauen, die in Deutschland muslimischen Feminismus prägen

Dieser Käfer braucht Alkohol, um seine Kinder großzuziehen

"Quizz die Gesa" – Bist du schlauer als unsere Chefredakteurin? 

So fallt ihr beim Sneaker-Kauf im Internet nicht auf Betrüger herein

Dieses Model könnte Heidi Klum arbeitslos machen

Alle Artikel anzeigen
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Süddeutsche Zeitung wirft Karikaturist Hanitzsch nach Antisemitismus-Skandal raus

Nach einer Debatte um eine als antisemitisch kritisierte Karikatur hat sich die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) von ihrem Zeichner Dieter Hanitzsch getrennt. "Grund hierfür sind unüberbrückbare Differenzen zwischen Herrn Hanitzsch und der Chefredaktion darüber, was antisemitische Klischees in einer Karikatur sind", teilte die SZ-Chefredaktion am Donnerstag mit. "Dies hat sich nicht nur in der veröffentlichten Karikatur selbst, sondern auch in Gesprächen mit Herrn Hanitzsch gezeigt."

Hanitzsch hatte in …

Artikel lesen