International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Protesters attend a rally against the Georgian authorities' anti-drug policy following the recent police raids at several local nightclubs near the building of parliament in Tbilisi, Georgia May 12, 2018. REUTERS/David Mdzinarishvili

Bild: X01222

Tausende Raver tanzten durch Georgiens Hauptstadt – das hat ernste Gründe

Bässe wummerten durch Tiflis. Fackeln schickten bunte Rauchschwaden in die Luft. Die Straßen vor dem Parlament waren vollgestopft mit tanzenden Menschen. Kein Festival, sondern Protest.

Eindrücke von der Demo:

Der Guardian hat mitgefilmt:

abspielen

Video: YouTube/Guardian News

Tausende haben sich am Wochenende in Georgiens Hauptstadt zusammengefunden, um für die Freiheit ihrer Clubszene und die Legalisierung von Drogen zu kämpfen. Kurz vorher hatte die georgische Polizei Razzien in zwei Clubs durchgeführt, dem "Café Gallery" und dem "Bassiani" – letzteres gilt als das Berghain Georgiens (Deutschlandfunk Kultur). Wie das Portal Resident Advisor schrieb, wurden die Betreiber des "Bassiani" festgenommen – außerdem acht mutmaßliche Drogenhändler, wie der Leiter der Kriminalpolizei im Innenministerium, Mamuka Chelidze, auf einer Pressekonferenz sagte.

Protesters attend a rally against the Georgian authorities' anti-drug policy following the recent police raids at several local nightclubs in Tbilisi, Georgia, May 12, 2018. REUTERS/David Mdzinarishvili

Bild: X01222

Den Razzien wiederum waren fünf tragische Fälle vorausgegangen, in denen Menschen an einer bislang unbekannten Droge gestorben waren (Guardian). Das "Bassiani" bedauerte die Vorfälle, wies aber die Verantwortung zurück.

Das postete das Bassiani auf Facebook:

Immer wieder sterben Menschen durch unbekannte Substanzen in Drogen:

Das Vorgehen der Polizei und der Regierung kritisiert die Clubszene als außergewöhnlich hart:

In diesem Kampf zwischen Behörden, der Clubszene sowie rechten Gruppen, die in den Protest-Ravern lediglich "Drogen-Propagandisten" und "Sodomiten" sehen (Guardian), geht es nicht einfach nur ums Feiern und Drogen nehmen. Es geht um Freiheit.

Riot police block a street during a rally against the Georgian authorities' anti-drug policy following the recent police raids at several local nightclubs in Tbilisi, Georgia May 13, 2018. REUTERS/David Mdzinarishvili

Bild: X01222

Die Razzien richteten sich gegen Zufluchtsorte der LGBT-Community

Die Clubs, die die Polizei durchsucht hat, stehen für Toleranz und progressive Werte in dem sonst eher konservativen Land.

Protesters dance during a rally against the Georgian authorities' anti-drug policy following the recent police raids at several local nightclubs in Tbilisi, Georgia, May 12, 2018. REUTERS/David Mdzinarishvili

Bild: X01222

Techno steht für Freiheit

"Die Razzien waren keine Operation gegen Drogendealer – sie waren eine Operation gegen die Freiheit."

Zviad Gelbakhiani, Co-Betreiber des "Bassiani" guardian

Seit 2010 ist Techno zu einer Massenbewegung geworden in Georgien. Der Autor Matthew Collin bezeichnet im Guardian die Musik als Soundtrack für tausende Europa-orientierte Georgier, die sich nach einer liberaleren Gesellschaft sehnen.

Viele DJs solidarisierten sich mit den Demonstranten, darunter auch die russische Techno-Produzentin Nina Kraviz:

"Techno war das Medium, mit dem unsere Generation einen Weg gefunden hat, sich frei auszudrücken", sagt "Bassiani"-Mitbetreiber Zviad Gelbakhiani. "Es ist eine Bewegung für progressive westliche Werte." Gelbakhiani glaubt, dass in dieser Feindseligkeit gegen die Clubkultur eigentlich eine Abneigung gegen westliche Werte stecke.

"Sie lassen uns nicht in den Clubs tanzen, also kommen wir raus auf die Straßen."

Zviad Gelbakhiani, Co-Betreiber des "Bassiani" guardian

Das "Bassiani" ist ebenfalls eng verbunden mit den "White Noise"-Aktivisten, die sich dafür einsetzen, dass Georgiens Drogengesetze gelockert werden. So wurden aus den Protesten für eine freie Clubkultur auch schnell Demonstrationen für eine freiere Drogenpolitik.

Legalisierungsbefürworter argumentieren, bessere Aufklärung und offener Umgang könnten solche Fälle verhindern:

Protesters attend a rally against the Georgian authorities' anti-drug policy following the recent police raids at several local nightclubs near the building of parliament in Tbilisi, Georgia May 12, 2018. REUTERS/David Mdzinarishvili

Bild: X01222

Der Kampf gilt nicht nur dem Staat

Die Raver stießen am Wochenende auch auf Gegendemonstranten aus dem konservativen sowie rechten Lager (New York Times). In den Zusammenstößen zeigte sich die tiefe Spaltung der georgischen Gesellschaft.

REFILE - CORRECTING CAPTION Counter-protesters salute while taking part in a rally against the Georgian authorities' anti-drug policy following the recent police raids at several local nightclubs in Tbilisi, Georgia May 13, 2018. REUTERS/David Mdzinarishvili

Rechte Gegendemonstranten Bild: X01222

Auf der einen Seite: Eine offene, junge Generation, die sich an westlichen Werten orientiert.

Auf der anderen Seite: Eine immer noch sowjetisch geprägte Gesellschaft, die stark beeinflusst ist durch die Kirche.

Eine Journalistin sagte dem Deutschlandfunk Kultur, am Wochenende sei auch eine Gruppe von Ultrakonservativen und Rechtsextremen auf die Straße gegangen. Diese Gruppe sei zwar nicht typisch für die traditionellen Kreise der Gesellschaft, sehe aber die westlich orientierten jungen Leute mit großer Skepsis. "Es gibt viele Gerüchte, ob sie Verbindungen haben zur Regierung. Ganz sicher haben sie Verbindungen zur Kirche."

Erst 2013 hatte es unter der Führung von Priestern heftige Ausschreitungen auf einer friedlichen LGBT-Versammlung gegeben mit etlichen Verletzten. LGBT-Aktivisten mussten zu ihrer eigenen Sicherheit aus der Stadt eskortiert werden.

Demonstrators are evacuated by police after the rally against the Georgian authorities' anti-drug policy following the recent police raids at several local nightclubs in Tbilisi, Georgia, May 14, 2018. REUTERS/David Mdzinarishvili

Demonstranten werden in Bussen weggefahren. Bild: X01222

An diesem Wochenende zeichneten sich ähnliche Szenen ab in Tiflis. Demonstranten beschrieben, dass sie abseits des Raves gejagt und bedroht wurden. Auch hier kamen irgendwann Busse zum Einsatz, um die verfeindeten Gruppen zu trennen und Demonstranten sicher fortzubringen. Die Demos sind inzwischen vorbei. Ein Ende des Konfliktes ist nicht in Sicht.

(mit AFP)

Dich interessiert Politik? Hier haben wir mehr für dich:

Warum dieser Bundestagsabgeordnete aus der SPD austritt

Link zum Artikel

Ein Tag mit Boris Palmer, dem schwarzen Schaf der Grünen

Link zum Artikel

Frankreich gibt Raubkunst an Afrika zurück – das schlummert in deutschen Museen

Link zum Artikel

Nikab-Verbot der Uni-Kiel: Jetzt will eine Studentin klagen

Link zum Artikel

FDP-Influencer Lindner hat jetzt einen Podcast – und der könnte... gut werden

Link zum Artikel

Rückkehr-Aktionswochen beim BAMF: Freiwillig steht drauf, Rechtsverzicht steckt drin

Link zum Artikel

Errätst du, wo Politiker noch mehr verdienen als in Deutschland?

Link zum Artikel

§219a ist durch. 4 Fakten zum "neuen" Werbeverbot für Abtreibungen

Link zum Artikel

"Wenn der Staat beim Sterben hilft" - Jens Spahn steht zu seinem "Nein" bei Sterbehilfe

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Warum Frauen an der Gitarre unterschätzt werden – Spoiler: Es hat mit Männern zu tun

Link zum Artikel

"Halt die Fresse, du erbärmliche Frau": Flugzeug-Crew droht 22-Jähriger mit Rausschmiss

Link zum Artikel

Zyklon "Idai": Zahl der Toten in Simbabwe auf 70 gestiegen

Link zum Artikel

Klimaschützerin Luise Neubauer: Anführerin einer wachsenden Bewegung

Link zum Artikel

19 Bilder, die dir zeigen: Es ist nicht alles, wie es scheint

Link zum Artikel

Tesla enthüllt das Model Y – so sieht es aus, und so viel kostet es

Link zum Artikel

Umstrittene Netflix-Doku zum Fall "Maddie" sorgt für Aufregung

Link zum Artikel

"Schulschwänzen nicht heilig sprechen" – Lindner schießt wieder gegen #FridaysForFuture

Link zum Artikel

Wie peinlich kann ein Sex-Date sein? Ja, lest mal dieses Jodlers Reim!

Link zum Artikel

Optische Täuschung: Künstlerin verschwindet dank Make-up in ihrer Umgebung

Link zum Artikel

Greta Thunberg in Schweden "Frau des Jahres"

Link zum Artikel

Katarina Barley: "Rabenmutter gibt's nur auf Deutsch"

Link zum Artikel

"Frauen der Mauer" von strengreligiösen Juden in Jerusalem bespuckt und beschimpft

Link zum Artikel

Wir waren mit Deutschlands bester Skaterin unterwegs. Sie ist 11 Jahre alt.

Link zum Artikel

9 Stars, denen völlig egal war, was Männer und Frauen tragen "sollten"

Link zum Artikel

In diesen Ländern haben die Frauen das Sagen (es sind immer noch zu wenige)

Link zum Artikel

Einen Tampon einzuführen erregt uns nicht und 32 weitere Wahrheiten über Frauen

Link zum Artikel

Der Tod des Patriarchats! Daenerys auf den Thron #TeamDaenerys

Link zum Artikel

"Pink Tax" für Frauen: Gleiches Produkt, gleicher Inhalt, aber teurer

Link zum Artikel

Ich habe mich mit Mama & Oma über Emanzipation unterhalten – es lief anders, als erwartet

Link zum Artikel

watson wird zur Frau! Ja, du hast richtig gelesen

Link zum Artikel

Virgin Atlantic hebt Make-up-Vorgaben auf – aber wieso gibt es die überhaupt noch?

Link zum Artikel

Sie hat alle überlebt, alleine dafür gebührt ihr der Thron #TeamSansa

Link zum Artikel

Chinesische "Harry Potter"-Fans reisten nach Sydney – sie dachten, dass dort Hogwarts sei

Link zum Artikel

#VansChallenge – Warum jetzt überall Sneaker durch die Luft fliegen

Link zum Artikel

Trumps Twitter-Feed ist verrückt? Dann schau dir mal den von Brasiliens Präsidenten an

Link zum Artikel

Die beliebtesten Länder-Slogans – erkennt ihr den Spruch eures Bundeslandes?

Link zum Artikel

Trump nennt den Apple-CEO "Tim Apple" – und die Reaktionen sind großartig

Link zum Artikel

Der Hundewurf von Straubing – und was die AfD daraus macht

Link zum Artikel

Diese Russin ist ein Insta-Star – weil sie ihr Wald-Leben inszeniert wie eine Stadt-Ikone

Link zum Artikel

So romantisch wie Fußnägelschneiden – Erster Heiratsantrag bei Jauch via Telefonjoker

Link zum Artikel

Wenn die Sonne stirbt, ist das wie ein leiser Pups

Link zum Artikel

Zitterpartie Brexit – Geht Mays Strategie schief? Und 5 weitere Fragen

Link zum Artikel

Die Oscars werden zum Queengasmus – unser Protokoll der Nacht

Link zum Artikel

Forscher stehen vor Rätsel: Was macht ein toter Wal im Dschungel?

Link zum Artikel

Darf er das? Chelsea-Torwart verweigert Auswechslung – sein Trainer tobt

Link zum Artikel

Es ist so warm in Deutschland, dass auch schon die Mücken unterwegs sind

Link zum Artikel

Grimassen und getretene Kleider – 13 Dinge, die du in der Oscar-Nacht verpasst hast

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Containerschiff sinkt vor Atlantikküste – es droht eine Umweltkatastrophe

Nach dem Untergang des Containerschiffs "Grande America" in der Biskaya kämpft Frankreich gegen eine bedrohliche Ölverschmutzung. Es habe sich ein rund zehn Kilometer langer und etwa ein Kilometer breiter Ölteppich gebildet, teilte die zuständige Meerespräfektur am Mittwochabend in Brest mit.

Ein Spezialschiff zur Bekämpfung von Meeresverschmutzung werde am Donnerstagmorgen an Ort und Stelle erwartet. Auch die Europäische Agentur für die See-Sicherheit wurde im Kampf …

Artikel lesen
Link zum Artikel