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Ermittler in London finden am Tatort Spuren des Nervengifts Nowitschok. Bild: Getty Images Europe

9 prominente Morde, hinter denen Russland stecken soll

In London brechen ein Mann und seine Tochter auf einer Parkbank zusammen. Wenige Tage später ist klar, es handelt sich um einen Gift-Anschlag auf einen russischen Ex-Agenten. Jetzt hat Großbritannien Russland ein Ultimatum zur Aufklärung gestellt. Die jüngere Geschichte allerdings zeigt längst: Gift-Morde mit Spuren nach Moskau häufen sich.

13.03.18, 13:11 18.03.18, 18:29
Max Biederbeck
Max Biederbeck

Sergej Skripal dürfte die Gefahr erahnt haben. "Verräter ist ein gefährlicher Beruf", hatte Russlands Präsident Wladimir Putin gesagt, einst selbst ein Agent des Geheimdiensts KGB. Skripal war ein Verräter, zumindest nach Putins Verständnis. Ein Moskauer Gericht verurteilte den ehemaligen russischen Spion Skripal bereits 2006, er hatte als Doppelagent für die Briten gearbeitet. Nach einem Agenten-Austausch kam Skripal 2010 frei und durfte nach England ausreisen. Die Geschichte zeigte aber schon damals: Der russische Staat vergisst nicht.

Die britische Premierministerin Theresa May fordert Aufklärung von Russlands Präsident Wladimir Putin. Bild: dpa

Anfang März ging Skripal mit seiner Tochter spazieren, als beide auf einer Parkbank zusammenbrachen. Auch ein zu Hilfe eilender Polizist musste sofort ins Krankenhaus gebracht werden. Noch in der gleichen Woche sprach die Londoner Polizei von einem Anschlag mit Nervengift. Das toxische Mittel wurde identifiziert als Nowitschok, ein Gift, das in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts in sowjetischen Labors entwickelt worden war. Die phosphorganische Verbindung hemmt das Enzym Acetylcholinesterase, das bei der Reizleitung an den Nervendenden eine wichtige Rolle spielt. Die Folge: Dauerhafte Muskelverkrampfungen am ganzen Körper. er Zustand von Skripal, Tochter und dem Polizisten sei kritisch aber stabil, heißt es mittlerweile. Der Angriff war gravierend: 21 weitere weitere Passanten mussten in Behandlung.

Die britischen Ermittler glauben an zwei mögliche Motive für den Anschlag. Zum einen könnten russische Agenten dahinterstecken, zum anderen könnte Russland die Kontrolle über seine Nervengift-Arsenale verloren haben. In jedem Fall spricht die Staatsanwaltschaft von „versuchtem Mord“. Noch bis Dienstag läuft ein Ultimatum der britischen Premierministerin Theresa May. Russland soll der Organisation für das Verbot chemischer Waffen erklären, wie es zu der Attacke auf den 66-jährigen kam.

Skripal fällt in eine Reihe prominenter Anschläge auf „Abtrünnige“ des Kremlin. Die Umstände der Attentate sind immer dubios, immer streitet die Regierung Vladimir Putins jegliche Beteiligung ab. Dennoch: Die Verwendung von außergewöhnlichen Giften und Methoden deutet daraufhin, dass Geheimdienste hinter den Angriffen stecken. Die Verbindung der Opfer nach Moskau zeigt auf Russland. 9 Geschichten politischer (versuchter) Morde.

Alexander Litwinenko

Alexander Litvinenko wikimedia/cc

Mit nur 44 Jahren muss Alexander Litwinenko sterben. Der ehemalige Offizier des sowjetischen Geheimdiensts KGB ist das wohl prominenteste Beispiel eines vermutlich von Russland gesteuerten Auftragsmords. Unbekannte hatten radioaktives Polonium-210 in seinen Tee gemischt. Nur zwei Jahre zuvor hatte Litwinenko selbst der New York Times noch in einem Interview erklärt: „In unserem Dienst war man der Ansicht, dass Gift auch nur eine Waffe ist, wie eine Pistole.“ Der ehemalige Agent und prominente Kreml-Kritiker starb schmerzhaft an der Vergiftung.

Vladimir Kara-Murza

Vladimier Kara-Murza Bild: Getty Images North America

Der russische Oppositions-Politiker Vladimir Kara-Murza hat sogar zwei Anschläge mit Gift überlebt. Der erste geschah im Jahr 2015 auf einem Meeting. Foreign Policy zitiert Kara-Murza, der seinen hohen Blutdruck, Würgen und anschließende Ohnmacht beschreibt. Nach einer Woche Koma, bestätigten seine Ärzte: Gift war im Spiel. 2017 folgte dann der zweite Anschlag. Wegen ihm ist er noch immer in Behandlung. Kara-Murza hat als Journalist kritische Artikel über die Gefahren des Putinismus verfasst und arbeitet für die Demokratiebewegung „Open Russia“.

Alexander Perepilichny

CNN/Screenshot

Der damals 42-jährige Unternehmer Alexander Perepilichny joggte gerade durch seine Wahl-Heimat in London, als er kollabierte und augenblicklich starb. Ermittler fanden anschließend Spuren eines seltenen Pflanzengifts in seinem Magen. Perepilichny hatte zuvor Beweise über die Korruption in russischen Behörden an Schweizer Ermittler übergeben.

Anna Politkovskaya

Trauerfeier für Anna Politkovskaya getty images

Die investigative Journalistin Anna Politkovskaya hatte viele Feinde in Moskau. Am Ende ermordeten sie Unbekannte im Fahrstuhl ihrer Londoner Wohnung. Bereits 2004 hatte es aber auch einen Gift-Anschlag auf sie gegeben, als sie einen Flug nach Nordossetien bestieg. In Interviews bekräftigte sie ihre Vermutung, dass Unbekannte Gift in ihren Tee gemischt hatten.

Karinna Moskalenko

Karinna Moskalenko war die Anwältin von Anna Politkovskaya. Sie besuchte 2008 gerade einen Untersuchungsausschuss über deren Ermordung, als sie zum Opfer wurde. Als sie und ihr Mann nach Moskau zurückfliegen wollten, begannen die Kopfschmerzen und die schwere Übelkeit. Später fand Moskalenko seltsame Metallplatten unter ihren Autositzen. Vermutlich handelte es sich dabei um Quecksilber, heißt es in Berichten. Moskalenko und ihr Ehememann überlebten den Anschlag.

Viktor Yushchenko

Viktor Yuschenko in New York. Bild: Getty Images North America

2004 befand sich der prowestliche Kandidat Viktor Yushchenko gerade mitten im Wahlkampf in der Ukraine. Plötzlich verschwand er aber aus der Öffentlichkeit, als er wieder auftauchte, war sein Gesicht schlimm entstellt und bläulich gefärbt. Die Folgen einer Vergiftung mit Dioxin.

Samir Saleh Abdullah

Khattab wikipedia/cc

Es gibt wenige Attentate, zu denen Der Kreml steht. Dieses allerdings gehört dazu. Im Jahr 2002 sprach der russische Geheimdienst FSB von einer „Special Operation“. Zuvor hatte er mutmaßlich einen Brief an den tschetschenischen Rebellen Samir Saleh Abdullah, alias Khattab, geschickt. Darin befand hochtoxische Nervengift Sarin.

Georgi Markow

Der berühmte Schirm Bild: Getty Images North America

Georgi Markows Fall hat einiges von einem James-Bond-Film. 1987 stach ein Unbekannter dem bulgarischen Dissidenten in dessen Wahlheimat London mit einem Regenschirm ins Bein. In dessen Spitze befand sich das Gift Rizin aus dem Samen des Wunderbaums. Sofort kollabierte Markov und starb kurze Zeit später im Krankenhaus.

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