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"Geh runner! Geh runner!": Als bei Eintracht Frankfurt die Fäuste flogen

Es war der 14. November 1988, als bei Eintracht Frankfurt die Hölle losbricht – der denkwürdige Abend ging in die Klubgeschichte ein.

26.02.18, 23:19 15.03.18, 17:43

Es ist genau 23:36 Uhr als Ordner Manfred Wegner bei der legendären Jahreshauptversammlung der Frankfurter Eintracht auf die Bühne steigt, um einen sichtlich erregten Fan, der seine Redezeit überschritten hatte, vom Pult zu bitten. "Geh runner! Geh runner" fordert der als "Rocky vom Niederrad" weit über die Stadtgrenzen bekannte Profi-Boxer den sichtlich erregten Fan auf. Doch statt den Worten des Ordners und legendären Boxers Folge zu leisten, holt dieser abrupt mit seiner Rechten aus und trifft Wegner am Kopf, der k.o. zu Boden geht.

886 Mitglieder, 2000 leere Flaschen Bier und ein Präsident, den keiner wollte: Klaus Gramlich, der sich selbst einmal als "Porsche seiner Branche" bezeichnete, hatte auf der Jahreshauptversammlung nicht wirklich viel zu Lachen. Schließlich war der Eintracht-Präsident der Hauptgrund für die aufgeheizte Stimmung im Frankfurter Palmengarten.

Präsident als Selbstdarsteller verschrien

Der oberste Repräsentanten der Eintracht hatte den Ruf ein Selbstdarsteller zu sein. Tatsächlich ließ sich Gramlich schon mal jungen Schönheiten auf der Tribüne fotografieren oder flanierte über das Kopfsteinpflaster der Frankfurter Freßgass mit Eisen unter den Stiefeln, was ihn im Volksmund den Spitznamen "Klack-klack" einbrachte.

Bild: imago sportfotodienst

Gramlich fühlte sich als Alleinherrscher in der Bankenmetropole und ließ dies jeden in seinem Umfeld spüren. "Mein größter Fehler war in diesem Verein die Demokratie einzuführen", soll er wenige Tage vor der Jahreshauptversammlung in einem Frankfurter Nachtklub von sich gesagt haben. Nun erhielt er dafür die Quittung.

"Mehr VIP-Räume als Indien Kasten hat"

Dr. Josef Wolf, ein Autowaschstraßen-Unternehmer, profitierte von der allgemeinen Missstimmung gegen Gramlich am meisten. Wortgewandt bezeichnete er den Präsidenten als "Schicki-Micki-Gramlich" und warf ihm vor mit der Eintracht "Monopoly gespielt" zu haben.

Zudem habe er im Waldstadion "mehr VIP-Räume eingerichtet als Indien Kasten hat." Das kam bei den nicht mehr ganz nüchternen Eintracht-Fans natürlich gut an. Sie wählten Wolf prompt zu ihrem neuen Präsidenten.

Kein "einträchtiger Führungswechsel"

"Von einträchtigem Führungswechsel konnte (...) bei der Eintracht nicht die Rede sein", kommentierte "Tagesschau"-Sprecherin Sabine Christiansen am Folgetag die Ereignisse auf der Jahreshauptversammlung und spielte damit natürlich hauptsächlich auf die Ohrfeige an, die anschließend in einem Beitrag ausgestrahlt wurde.

Noch heute ist die legendäre Szene den Eintracht-Kennern bestens bekannt. Sie gilt als Spiegelbild der chaotischen Eintracht-Verhältnisse in diesen Jahren.

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