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Forscher sind einem Umweltverbrechen auf der Spur – und das geht auch dich an

16.05.18, 19:00

Saskia Gerhard
Saskia Gerhard

Werden in Ostasien Stoffe hergestellt, die seit Jahren streng verboten sind, weil sie alles Leben auf der Welt bedrohen könnten?

Eine neue Studie deutet daraufhin. Forscher aus den USA haben verdächtige Messwerte eines Ozonkillers in der Atmosphäre gefunden. Das berichten sie in der Fachzeitschrift "Nature". Es geht um Trichlorfluormethan.

Was ins Bild passt: Vor wenigen Monaten schlugen Forscher aus Zürich Alarm, weil die Ozonschicht so dünn sein soll wie nie (Süddeutsche).

Das Ozonloch (blau) in 2009 Bild: Nasa

Obwohl es seit 2010 strikt verboten ist, den Stoff herzustellen, sinkt sein Anteil an der Atmosphäre seit 2012 langsamer als zu erwarten wäre. Die Gruppe um Stephen Montzka von der National Oceanic and Atmospheric Administration in Boulder (Colorado, USA) vermutet ein Umweltverbrechen: Irgendwo auf der Welt müsse es eine neue, illegale Quelle von Trichlorfluormethan geben.

"Die Studie zeigt, dass Umweltvorschriften nicht selbstverständlich sind, geschützt werden müssen und dass eine Überwachung erforderlich ist, um die Einhaltung sicherzustellen.»

Michaela Hegglin von der University of Reading "Nature"

Wie die Forscher darauf kommen:

Sie berechneten mit verschiedenen Atmosphärenmodellen und auf der Basis echter Messwerte, wie sich Trichlorfluormethan ausbreiten müsste, wenn sich die ganze Welt an das Produktionsverbot halten würde.

Die hohen Werte konnten sie einfach nicht erklären. Die Forscher um Montzka gehen deshalb davon aus, dass der Stoff entgegen internationaler Klimaschutzvereinbarungen wieder hergestellt wird. Und zwar schätzungsweise mit 13.000 Tonnen pro Jahr. Sie lokalisierten mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Quelle in Ostasien.

Aber was ist Trichlorfluormethan? Warum betrifft uns das? Wir beantworten 5 Fragen zu dem mutmaßlichen Umweltskandal.

Trichlorflu... was?

Trichlorfluormethan gehört zu einer Gruppe von Stoffen, die Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) genannt werden. FCKW kamen früher als Kältemittel zum Einsatz, beispielsweise in Kühlschränken. Sie wurden auch als Treibmittel in Spraydosen gegeben.

Na und?

Du denkst dir vielleicht:

Bild: giphy.com

In den 1970ern erkannten Wissenschaftler, dass FCKW die Ozonschicht schädigen können. 1985 fiel erstmals das Ozonloch über der Antarktis auf. 

Außerdem sind FCKW sehr wirksame Treibhausgase. Sie tragen 14.000 Mal als Kohlenstoffdioxid stärker dazu bei, dass sich das Klima aufheizt (Umweltbundesamt).

Und Kohlenstoffdioxid allein ist schon ein Problem:

Video: watson/Saskia Gerhard, Lia Haubner

1987 einigte sich die Staatengemeinschaft mit dem Montrealer Protokoll darauf, dass der Einsatz von FCKW drastisch reduziert werden muss. Seit 2010 ist es ganz verboten, diese Stoffe zu produzieren.

Was geht mich das an?

Geht das Ozon verloren, sind alle Lebewesen auf der Erde schutzlos aggressiven Strahlen aus dem Weltraum (etwa von der Sonne) ausgeliefert.

Die Ozonschicht

... ist eine Art Sonnenschutz für unseren Planeten. Ohne Ozon würden gefährliche UV-Strahlen ungefiltert auf der Erde landen und Menschen, Tiere und Pflanzen krank machen. 
Die Ozonschicht umhüllt den Planeten in der höheren Atmosphäre, das heißt in einer Höhe zwischen 15 und 30 Kilometern (Welt der Physik). Wenn man den höchsten Turm der Welt, den Burj Khalifa in Dubai, 18 bis 36 Mal aufeinander stapelte, könnte man an der unteren Grenze der Ozonschicht kratzen. 

Hat sich die Menge jemals reduziert?

Zunächst ist die Konzentration der FCKW in der Atmosphäre Stück für Stück gesunken. Es dauert zum Teil Jahrzehnte bis sich die Chemikalien abbauen, deshalb ist ihr Anteil nicht sofort auf Null gesunken. Kleine Mengen geraten noch immer in die Umwelt, wenn zum Beispiel alte Kühlschränke verschrottet oder Häuser abgerissen werden, in denen FCKW verbaut sind.

Vorsicht beim Kühlschrank-Verschrotten!

Bild: giphy.com

Manche Experten verkündeten vor kurzem bereits, die FCKW-Menge sei weltweit fast auf null (Deutschlandfunk). Doch nach der aktuellen Studie aus den USA ist die Trichlorfluormethan-Menge seit 2012 nicht mehr wie erwartet zurückgegangen. Stattdessen entwickelte sie sich verdächtig ähnlich zur Menge zweier anderer FCKW: Chlordifluormethan und Dichlormethan. Die Forscher vermuten, dass alle drei Stoffe aus derselben Quelle freigesetzt werden.

Wir müssen unsere Erde schützen. Wir können derzeit nirgendwo sonst leben. Außerdem ist sie wunderschön:

Was droht den Verantwortlichen?

Die Forscher konnten nur ungefähr abschätzen, wo die Quelle liegt. Wer auch immer Trichlorfluormethan herstellt, muss nun erst einmal gefunden werden.

(mit Material von dpa)

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