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236 Prozent Aufschlag bei Butterkeksen: So teuer sind Tankstellen wirklich

Markus Abrahamczyk

Dass Shops und Tankstellen an der Autobahn besonders teuer sind, weiß jeder Autofahrer. Neu ist aber, wie stark sich die Preise im Vergleich zu anderen Tankstellen inzwischen unterscheiden.

Tanken an der Autobahn: Allein im Vergleich zum Jahr 2017 hat sich der Preisanstieg im Schnitt um etwa die Hälfte erhöht.

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Statista

Wem gehören die Tankstellen und Raststätten?

Wie kommen solche Unterschiede zustande? Vielleicht, weil fast alle Tankstellen und Raststätten an deutschen Autobahnen einem einzigen Unternehmen gehören: der Tank & Rast.

Damit Aral oder Shell dort Sprit verkaufen dürfen, müssen sie kräftig an Tank & Rast bezahlen: insgesamt 100 Millionen Euro allein im Jahr 2016. Diese 100 Millionen holen sich die Spritkonzerne natürlich zurück – und zwar von uns Autofahrern.

Dreiste Abzocke der Autofahrer? Man könnte es so sehen. Nicht aber die Tank & Rast. Schriftlich teilt das Unternehmen gegenüber Plusminus mit: "Tank & Rast hat auf die Kraftstoffpreise keinen Einfluss."

Was gehört noch zum Geschäftsmodell der Tankstellen?

Im Shop der Raststätten geht das Geldscheffeln weiter . Besonders teuer ist hier, was wir am dringendsten brauchen: zum Beispiel Mineralwasser. Für eine 1.5-Liter-Flasche zahlt man an der Raststätte stolze 2.59 Euro. Im Supermarkt gibt es sie bereits für 19 Cent. Das ergibt einen Raststätten-Zuschlag von 1'263 Prozent, zeigte ein Test des Magazins "Auto Bild".

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t-online

Auch hier fließt viel Geld in die Kassen der Tank & Rast, der ja auch beinahe alle Raststätten gehören. Allerdings werden sie verpachtet. Und die Preise für Magnum oder Bifi legen die Pächter fest, sagt das Unternehmen. Was es dabei nicht erwähnt: Tank & Rast kassiert von den Pächtern seiner Raststätten und Shops 230 Millionen Euro pro Jahr. Geld, das die Pächter irgendwie wieder einnehmen müssen.

Warum ist die Preisgestaltung so undurchsichtig?

Noch einmal zurück zur Tanke: Neu ist nicht nur die Höhe des Autobahn-Aufschlags. Sondern auch die Preisgestaltung der Autobahntankstellen. Denn sie reagieren überhaupt nicht mehr auf die Preise der Konkurrenz.

Typische Tankstellen ändern täglich mehrmals ihre Preise. Noch vor einem Jahr war das auch an Autobahntankstellen üblich – natürlich auf einem höheren Preislevel. Heute halten sie ihre Preise den ganzen Tag über konstant. Dadurch klafft die Preisschere – je nach Tageszeit – um bis zu 20 Cent pro Liter Superbenzin auseinander.

Drei ADAC-Tipps zum günstigeren TankenLieber abends tanken: Sehr teuer ist Sprit 6-9 Uhr, 12-15 Uhr und 17-19 Uhr. Günstiger ist er 15-17 Uhr und besonders 19-22 Uhr.Von der Autobahn abfahren: Selbst Tankstellen der gleichen Marke verlangen an den Autobahnen deutlich mehr als im Umland.Preise auf dem Handy vergleichen: Verschiedene Apps zeigen rund um die Uhr die günstigsten Preise. Sie beziehen ihre Daten von der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe.

Ist dieser Zustand ein Fall fürs Bundeskartellamt?

"Dementsprechend haben wir schon eine monopolartige Situation", sagt Sascha Wilhelm von der Goethe-Universität Frankfurt, der die Daten ausgewertet hat.

Eine monopolartige Situation: In solchen Fällen müsste das Bundeskartellamt einschreiten. Die Wettbewerbshüter sehen allerdings keinen Handlungsbedarf. Auf Nachfrage des WDR sagen die Kartellwächter: Es gebe doch beispielsweise Spritspar-Apps, die günstige Tankstellen anzeigen. Wegen diese Transparenz sei der Wettbewerb nach wie vor gewährleistet.

Dieser Artikel erschien zuerst auf t-online.de

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