15.02.2021, Rheinland-Pfalz, Mainz: KOMBO15.02.2021, Rheinland-Pfalz, Mainz: KOMBO15.02.2021, Rheinland-Pfalz, Mainz: KOMBO15.02.2021, Rheinland-Pfalz, Mainz: KOMBO

Die Ludwigsstraße in Mainz am Rosenmontag im Jahr 2020 im Vergleich mit dem Jahr 2021. Bild: dpa / Andreas Arnold

"Leere im Herz" an Rosenmontag – aber Motto-Wagen in Düsseldorf

Wegen der Corona-Pandemie haben sich die Narren in diesem Jahr mit einem Rosenmontag ohne Karnevalszüge abfinden müssen. "Diese Leere – das macht auch so'n bisschen Leere im Herz, das tut einem schon sehr weh", sagte der Kölner Karnevalspräsident Christoph Kuckelkorn der Deutschen Presse-Agentur. "Es ist eine ganz schwierige Zeit."

Die Düsseldorfer Karnevalisten schickten immerhin acht ihrer berühmten Motto-Wagen auf die Straße. Pandemiebedingt rollten die überlebensgroßen Karikaturen jedoch nicht als Zug, sondern getrennt voneinander durch die Stadt. Die Route blieb streng geheim, um Menschenansammlungen zu vermeiden. "Es ist ein kleines Zeichen, dass wir noch am Leben sind", sagte Wagenbauer Jacques Tilly der Deutschen Presse-Agentur. Die Wagen seien "eine kleine Wundsalbe gegen die Phantomschmerzen" der Karnevalisten.

Die Wagen nahmen gesellschaftliche Themen kritisch aufs Korn

Unter anderem präsentierte Tilly einen "Querdenker", dem das Hirn aus dem Kopf fliegt. Eine Figur zeigte Armin Laschet als Angela Merkel. Provokant: Ein Priester, der die Eichel eines männlichen Glieds als Hut trägt. Dieses Werk bezeichnete Tilly als seinen "persönlichen Lieblingswagen", die katholische Kirche sei nun mal sein "Leib- und Magenthema". Der Trump-Wagen, auf dem der Ex-Präsident wie ein Spanferkel gegrillt wird, sei hoffentlich sein letzter zu diesem Thema.

"Das war eine gute Aktion, ich habe ein gutes Gefühl", sagte Tilly anschließend. "Alle haben ihre Handys gezückt und geklatscht – fast wie Rosenmontag." Natürlich habe es wegen Corona keinen Volksauflauf geben dürfen. "Es ging nur darum, symbolisch die Narrenfreiheit hochzuhalten."

Armin Laschet mit Narrenkappe war auch zu sehen

Auch in Köln war dieses Jahr ein Wagen von Tilly zu sehen: Die Umweltschutzorganisation Greenpeace demonstrierte damit gegen die Klimapolitik von Ministerpräsident Armin Laschet. Der Wagen zeigte den CDU-Chef mit Narrenkappe, wie er mit einem riesigen Braunkohlebagger eine Kirche im Gebiet des Tagebaus Garzweiler zwischen Köln und Aachen zum Einsturz bringt. Davon abgesehen gab es in Köln einen Rosenmontagszug im Miniaturformat: Das Stockpuppentheater Hänneschen hatte ihn in Szene gesetzt, verfolgt werden konnte er im WDR Fernsehen.

Einzelne Kölner Karnevalisten gingen den verwaisten Weg des Rosenmontagszugs ab. "Das ist vielleicht auch ein bisschen Trauerarbeit", sagte Karnevalspräsident Kuckelkorn, der von Beruf Bestatter ist. "So langsam kommt wirklich an, was hier passiert und wie groß das Ganze ist." Er habe allerdings die Hoffnung, dass der Karneval durch diese Erfahrung an Tiefe gewinne.

In Köln wurde bereits das Thema für nächstes Jahr vorgestellt

Auch in Mainz blieben die Narren am Rosenmontag zu Hause. "Es ist tatsächlich ruhig", sagte ein Polizeisprecher. "Wir haben eine Handvoll Kollegen in der Innenstadt, die haben nichts gemeldet."

Unterdessen stellte das Festkomitee Kölner Karneval bereits das Motto für die nächste Saison vor. Es heißt: "Alles hät sing Zick." (Alles hat seine Zeit.) Damit solle der Bogen geschlagen werden von der aktuellen, coronabedingt verhaltenen Saison zu einem hoffentlich wieder "wunderbar engen Miteinander bei Sitzungen, Partys und Rosenmontagszug".

(lfr/dpa)

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