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"Was sich richtig anfühlt, wird richtig sein", sagt Paulita Pappel. Bild: Lukas Papierak/Getty Images/Montage Watson

31 Tage - 31 Frauen

"Was sich richtig anfühlt, wird richtig sein" – Paulita Pappel dreht feministische Pornos

31 Tage, 31 Frauen. Im Monat März stellen wir anlässlich des "Women's History Month" bei watson jeden Tag eine bemerkenswerte Frau vor. Tag 31: Die Porno-Filmmacherin, Darstellerin und Produzentin Paulita Pappel.

Sex ist überall. Und zugleich ist Sex nirgends. Wir leben zwar in Zeiten, die wir selbst gern für sexuell aufgeklärt halten. Aber nur, weil es in jedem Drogeriemarkt mittlerweile auch Dildos zu kaufen gibt, heißt das noch lange nicht, dass wir sexuell wirklich befreit sind. Das gilt vor allem auch für weibliche Sexualität. Eine Sexualität, die jahrhundertelang unterdrückt wurde und die sich auch in der Jetzt-Zeit noch einem Generalverdacht ausgesetzt sieht: Weibliche Sexualität ist passiv; nicht fordernd. Paulita Pappel wehrt sich gegen diese Sicht. Und sie will sie ändern.

Was macht sie?

Pornos. Die in Berlin lebende Spanierin ist Porno-Filmmacherin, -Darstellerin und -Produzentin. Auf der Plattform "Lustery" stellt Pappel "Homemade Porn" vor. Paare, die sich selber beim Sex filmen und – so die Hoffnung – dadurch auch ein Stück weit den Blick der Zuschauerin ändern. Denn die meisten der Filme werden aus weiblicher Perspektive gefilmt. Ein Blick, der im sogenannten "Mainstream-Porno" kaum vorkommt, aber wichtig ist, da er ein anderes Begehren und eine andere Sicht auf Körper zum Ausdruck bringt.

Pappel hat außerdem für die Reihe "XConfessions" der feministischen Pornoproduzentin Erika Lust bei zwei Filmen Regie geführt, "Female Ejaculation" und "Birthday Surprise". Außerdem ist sie Kuratorin des Berliner PornFilmFestivals.

Was macht sie besonders?

Pappel stellt sich den gängigen Vorurteilen gegenüber Porno und Sexualität entgegen: "Was ich am liebsten von Anfang an gewusst hätte ist, wie empowernd und wunderbar Porno sich für mich persönlich anfühlen kann." Die meisten würden Pornografie als erniedrigend für Frauen sehen, doch hinter diesem Blickwinkel oder Klischee stecke oft genug auch einfach die Annahme, dass Sexualität eben nicht die Entscheidung von Individuen sei und Frauen grundsätzlich kein autonomes Begehren hätten. Pappel sieht das ganz anders. Für sie ist Porno daher auch ein Vehikel der Emanzipation. Ein politischer Moment. Eine Möglichkeit der Selbstermächtigung und -befreiung für Frauen. Denn Porno-Filme, so Pappel, können neue Geschichten und Bilder entwerfen, mit denen wir alle unsere sexuellen Horizonte erweitern können. Weil wir durch sie unseren Blick ändern können. Auch auf uns selbst.

Was würde sie ihrem jüngeren Ich raten?

"Folge deinem Instinkt, und mach das, wofür dein Herz brennt. Hab' keine Angst vor dem Urteil anderer, auch nicht von deiner Familie. Was sich richtig anfühlt, wird richtig sein. Lass dir nicht sagen, wer du bist, sondern finde es selber raus. Identität und Sexualität sind Lebensprozesse, genieße die Reise."

Mehr Frauen, die du kennen solltest:

31 Frauen-Porträts bei watson.de

Anlässlich des "Women's History Month" stellen wir euch 31 bemerkenswerte Frauen vor – Frauen, die in den unterschiedlichsten Bereichen Außerordentliches leisten.

Hier könnt ihr, sobald sie alle erschienen sind, alle Folgen nachlesen:

1. Kristina Hänel
2. Sasha Marianna Salzmann
3. Mahret Ifeoma Kupka
4. Nura
5. Gina Lückenkämper
6. Ria Schröder
7. Christiane Nüsslein-Vollhard
8. Kübra Gümüşay
9. Steffi Jones
10. Laura Gehlhaar
11. Malu Dreyer
12. Suzie Grime
13. Aya Jaff
14. Raphaela Vogel
15. Barbara Stollberg-Rilinger
16. Mithu Sanyal
17. Katrin Suder
18. Ebow
19. Julia Görges
20. Doro Bär
21. Sibel Schick
22. Luisa Neubauer
23. Katharina Schulze
24. Kerstin Grether
25. Lilly Bladszun
26. Fine Bauer
27. Nino Haratischwili
28. Anne Wernicke
29. Ingrid Wenzel
30. Christin N.
31. Paulita Pappel

100 Jahre Frauenwahlrecht

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"Glaube an Dich und Deine Ziele" – Das ist Malu Dreyer

31 Tage, 31 Frauen. Im Monat März werden wir anlässlich des "Women's History Month" bei watson jeden Tag eine bemerkenswerte Frau vorstellen. Tag 11: Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz Malu Dreyer.

Bevor Malu Dreyer schlafen geht, packt sie ihre Sorgen in ein Marmeladenglas. Das löst zwar keine Probleme, aber es hilft ihr, mit Nöten und Sorgen umzugehen. Weil sie die Dinge gerne ablegt, wie sie es einmal formulierte, statt die ganze Nacht darüber zu grübeln.

Zum Grübeln bringt die Vize-Vorsitzende der SPD und Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz heute vor allem politische Gegner und Genossen gleichermaßen. CDU-Frau Julia Klöckner beispielsweise, die ihr Glück mittlerweile in Berlin …

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