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Maybrit Illner lud am Donnerstagabend zu einem Talk über Donald Trump. screenshot zdf

"Maybrit Illner": Claus Kleber sorgt für einen Lacher in der Runde

Die Wahl in den USA gilt bereits als entschieden, doch auf das Land wartet wohl eine der bizarrsten Machtübergaben der Geschichte. Während Joe Biden in den meisten Bundesstaaten als der nächste Präsident gilt, zweifelt Donald Trump die Ergebnisse weiterhin an und klagt gegen die Wahlergebnisse – bisher ohne Erfolg. Maybrit Illner lud am Donnerstagabend zu einer Talkrunde zum Thema "Abgang ohne Anstand – wie gefährlich wird Trump noch?". Statt einer hitzigen Debatte und einer Antwort auf diese negativ gestellte Frage, erwartete die TV-Zuschauer diesmal eine ganz andere Diskussion.

Das waren die Gäste bei „Maybrit Illner“ am 19. November 2020:

"Ein Land, zwei Lager", hieß es im ersten Einspieler der Sendung über die Lage in den Vereinigten Staaten. Im ZDF-Studio von "Maybrit Illner" dagegen, so schien es, haben die Gäste an diesem Abend ein gemeinsames Lager aufgeschlagen. Nicht, wie es die Themenfrage Maybrit Illners hätte erahnen lassen, standen Horror-Szenarien zur Gefahr eines Präsidenten im Raum, der einfach nicht gehen will. Stattdessen waren sich die Gäste bei "Maybrit Illner" an diesem Abend derart einig, dass Sie Donald Trump mit bunten Metaphern belegten und am Ende sogar munter Witze rissen.

Wer nun glaubt, Thomas Gottschalk, der Moderator und Entertainer in der Runde, sei der größte Witze-Erzähler gewesen, der irrt.

Claus Kleber: Trump habe gelebt "wie die Made im Speck"

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Claus Kleber bringt seine Thesen an diesem Abend metaphorisch auf den Punkt. screenshot zdf

Während zu Beginn der Sendung noch von großen Herausforderungen sowie der Sorge um die Spaltung in den USA die Rede war, stellte Claus Kleber zum politischen Handeln Donald Trumps bald fest:

"Es hat ihm sehr genützt, so ein Rüpel zu sein."

Eine Politik Barack Obamas, die auf ständigem Konsens und rein auf Verstehen ausgerichtet war, sei bei einem großen Teil der Gesellschaft in den USA nicht gut angekommen.

Claus Kleber erklärte bildhaft: "Da kam jetzt einer, der einfach mal mitten in die Grütze gehauen hat." Dieser Regierungsstil sei so ansprechend gewesen, dass die Menschen schlicht übersehen hätten, "dass der Mann wie eine Made im Speck" gelebt habe.

Trump habe alle Vorteile ausgenutzt, weil er seine Gläubiger regelmäßig erpresst und betrogen habe. "Das war alles ok, weil er sich auf dem Rückflug von einer Wahlveranstaltung einen Cheeseburger hat bringen lassen", war sich Claus Kleber sicher.

Um das gespaltene Land wieder zu einen, sei laut Kleber nun eine Strategie des Zuhörens nötig. Der Moderator erklärte: "Ehrlich gesagt glaube ich, dass dafür dieser schläfrig wirkende, ältere Herr Joe Biden – vor dem es wirklich unmöglich ist, Angst zu haben – dafür gar nicht so falsch ist."

Thomas Gottschalk nennt Trump einen "Gladiatoren-Kämpfer"

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Thomas Gottschalk hat seit vielen Jahren seinen zweiten Wohnsitz in den USA. screenshot zdf

Auf die Frage Maybrit Illners, ob Joe Biden ein Präsident sein könne, den die Deutschen ebenso lieben könnten wie Trumps Vorgänger, bemerkte Thomas Gottschalk: "Unsere Liebe zu Barack Obama hat ja leider nichts gebracht." Schließlich habe die Politik Obamas erst Trump als Präsidenten hervorgebracht. In den vergangenen vier Jahren hätten sich eine "Verweigerung des Zuhörens" und eine "bockige Reaktion auf Vernunft" in den USA etabliert.

Trump habe nach der Logik eines Reality Stars gehandelt: "Wie im Dschungelcamp" habe dieser nur ein Interesse gehabt: Wer ruft für mich an. "Man ruft für die an, die am verrücktesten unterwegs sind", meinte Thomas Gottschalk. Ein solches Verhalten erinnere den Moderator an Gladiatoren-Kämpfer.

An späterer Stelle in der Sendung beschrieb Thomas Gottschalk die Auswirkungen der Trump-Politik in der Gesellschaft für Joe Biden noch einmal salopp – und etwas ordinär:

"Da ist ein Gefühl von Trotz und Bockigkeit. Und ich glaube, das hängt Joe Biden schon wie Hundekacke an den Füßen."

Ganz so einfach könne man die Politik Donald Trumps laut Daniela Schwarzer, Direktorin Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V., nicht betrachten. Trump habe nicht nur Reality-TV betrieben, er habe auch geliefert. Daniela Schwarzer betonte: "Obwohl Trump die politische Kultur des Landes maßgeblich fast zerstört hat, obwohl er die Demokratie untergräbt, obwohl er ganz große Gruppen in der Bevölkerung diskriminiert hat – trotzdem hat er vielen Leuten was gebracht."

Journalistin Souad Mekhennet glaubt an die Vernunft Donald Trumps

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Souad Mekhennet ist Journalistin bei der "Washington Post". screenshot zdf

Doch wie wird der Abgang Donald Trumps nun aussehen? Wird Trump seinen "Abgang ohne Anstand" weiter verfolgen wie es der Titel der "Maybrit Illner"-Sendung verkündete?

Dazu gab es unterschiedliche Meinungen in der Schlussrunde. "Washington Post"-Journalistin Souad Mekhennet setzt auf die Vernunft des engsten Kreises um Donald Trump und erklärte, sie rechne damit, "dass es am Ende genug Leute gibt um Donald Trump, die ihm sagen werden: Du willst nicht erinnert werden, als der Präsident, der aus dem Bunker getragen wurde."

Thomas Gottschalk vermutete: "Er wird noch ein paar Tweets losdonnern und wir bei seinen Fans immer in Erinnerung bleiben als der, den man um die Früchte seiner Arbeit betrogen hat." Denkende Menschen jedoch würden laut Gottschalk sagen – und dazu zählte sich der Moderator selbst: "Gut, dass er weg ist."

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Claus Kleber konnte sich einen letzten Scherz über Donald Trump offenbar nicht verkneifen. screenshot zdf

Claus Kleber konnte sich nach vielen lustigen, bildhaften Kommentaren an diesem Abend auch einen letzten Witz nicht verkneifen, den er sich von George Bush Senior abgeschaut hat: "Der alte Bush hat mal witziger Weise gesagt: Wenn sie dich aus der Stadt jagen, dann schnapp dir ne Fahne, schau dass du vorne dran bleibst – und dann sieht’s aus wie ne Parade."

Mit diesem Schlusskommentar beantwortete Claus Kleber die ernsthafte Frage des Abends mit einer lachenden Talkrunde um Maybrit Illner und – sollte Trump seinen Abgang so oder so ähnlich inszenieren – vielleicht auch mit trauriger Ironie.

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