Deutschland
Bjoern Hoecke, Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thueringer Landtag, PK zu Auswirkungen der Landtagswahlen in Thueringen auf die Bundespolitik, DEU, Berlin, 28.10.2019

Bild: imago images/Jens Schicke/watson-montage

"Höcke oder ich": So gewann ein CDU-Mann den Wahlkreis gegen Björn Höcke

Es wird eine Menge erzählt über Björn Höcke. Der Rechtsaußen, den AfD-Chef Alexander Gauland in der Mitte der Partei verortet, lebt von allerhand Mythen und Erzählungen um seine Person. Um Höcke, den Volksverführer, den charismatische Rhetoriker, hat sich ein regelrechter Kult in neurechten Kreisen formiert.

Doch Höckes vermeintliche Strahlkraft erlosch im thüringischen Eichsfeld. Dort verfing der Mythos nicht. Dort wollte Höcke eigentlich das Direktmandat holen, aber er scheiterte.

Denn Höcke landete in seinem Wahlkreis Eichsfeld I hinter dem CDU-Kandidaten Thadäus Rudolf König. Der holte dort fast 50 Prozent der Stimmen, Höcke errang lediglich 21,4 Prozent und lag damit noch unter dem landesweiten Ergebnis der AfD.

Thadäus, wer?

Dabei war Höcke doch eigentlich angetreten, die CDU-Hochburg Eichsfeld "Sturmreif" zu schießen, wie er es formulierte. Doch der Schuss ging nach hinten los.

Und das gegen einen Mann, den kaum einer kennt: Thadäus Rudolf König. Der 37-Jährige gab kaum Interviews in überregionalen Zeitungen, inszenierte keine "Familienfeste" und fiel auch nicht durch martialische Rhetorik auf. Während Höcke durchs Thüringer Land reiste, sich volksnah gab, aber Frontalunterricht veranstaltete und dabei Geschichten vom Untergang des Abendlandes erzählte, war König tatsächlich bei den Leuten.

"Ich bin in die Dörfer gegangen, war auch auf kleinsten Veranstaltungen, habe viel mit den Menschen geredet und ihnen zugehört", erklärt König gegenüber watson. "Ich setze mich ein für euch", hat er ihnen gesagt.

Höcke referiert auf Bühnen über Bürgernähe, will Geschichte schreiben, König ist im Eichsfeld präsent: Seit 15 Jahren ist er kommunal engagiert, organisiert die Kirmes, ist im Sportverein aktiv oder sitzt im Kreistag. "Ich kenne die Eichsfelder", sagt er. Er weiß auch, dass es die AfD traditionell schwer hat, in der katholischen Enklave Fuß zu fassen.

Seine Strategie vor der Wahl: Lokale Sachthemen aufgreifen und im Landtag thematisieren – vom Heidkopftunnel über Windparks bis zur die Sanierung von Landesstraßen.

König setzt auf Höckefront

Als bekannt wurde, dass Björn Höcke gegen ihn im Wahlkreis Eichsfeld I kandidieren wird, hat König bewusst gesagt: "Höcke oder ich." König setzt auf eine Front gegen Höcke und dessen Gesellschaftsbild.

Er setzt darauf, dass die Eichsfelder sich für ihn als Mann der Mitte und nicht für den Rechtsaußen entscheiden – und hat Erfolg.

"Die Bevölkerung im Eichsfeld hat ganz klar 'Nein' zu Björn Höcke gesagt", erzählt König.

Und habe damit auch ein Zeichen gesetzt: "Wir wollten damit auch ganz bewusst das Signal in die Bundespolitik senden, dass Björn Höcke hier nicht gewollt ist. Das ist uns gelungen. Und ich glaube, damit hat die AfD nicht gerechnet."

Unterstützung kam auch von der NPD

Da half Björn Höcke auch die Unterstützung von ganz rechts nichts. Denn der NPD-Funktionär Thorsten Heise, den das Bundesamt für Verfassungsschutz einen "exponierten Vertreter der neonationalsozialistischen Strömung in der NPD" nennt, hatte auf eine Kandidatur gegen Höcke im Eichsfeld verzichtet und einen Tag vor der Landtagswahl dazu aufgerufen, die Erststimme der AfD zu geben.

Das könne er verantworten, sagte Heise in seinem Facebookaufruf, weil "die AfD hier in Thüringen soweit in Ordnung ist."

"Erststimme AfD"

Bild

Bild: screenshot facebook

Aber auch diese Allianz half Höcke im Eichsfeld wenig. Jeder zweite Eichsfelder wählte statt Höcke König.

Der hat das vollbracht, was der CDU-Thüringen nicht gelang: Er hat nicht nur die AfD geschlagen, sondern mit Höcke auch ihren Spitzenmann selbst.

Und eine Empfehlung für den Umgang der Politik mit der AfD hat König auch: "Entscheidend für einen Politiker ist es, nicht nur in der Politik, sondern auch in der Gesellschaft verankert zu sein", sagt er. Politik müsse nahbar und ansprechbar sein für die Menschen vor Ort. Das Klima habe sich mit der AfD verändert. "Aber es hilft nichts, wir müssen den harten Weg gehen und das Vertrauen zurückgewinnen."

(ts)

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