Deutschland
Bild

Chemnitz am Sonntag. Andreas Seidel/dpa

++ Staatsanwalt beantragt Haftbefehle nach tödlichem Messerangriff in Chemnitz ++

In Chemnitz sind nach einem tödlichen Streit am Sonntag Hunderte Menschen durch die Innenstadt gezogen.

Die Bundesregierung verurteilte die "Hetzjagden" in Sachsen scharf.

Steffen Seibert sagte in Berlin: "Solche Zusammenrottungen, Hetzjagden auf Menschen anderen Aussehens, anderer Herkunft, oder der Versuch, Hass auf den Straßen zu verbreiten, das nehmen wir nicht hin."

Im Netz kursierten Gerüchte von einem zweiten Toten: 

Am Montagvormittag dementierte die Polizei Sachsen dementsprechende Gerüchte.

Worum ging es in dem tödlichen Streit in der Nacht zu Sonntag?

An dem Streit sind laut Polizei nach ersten Ermittlungen maximal zehn Personen mehrerer Nationalitäten beteiligt gewesen. Das 35-jährige Opfer starb im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Zwei weitere verletzte Männer im Alter von 33 und 38 Jahren wurden ebenfalls ins Krankenhaus gebracht.

Mehrere Medien berichteten zunächst, dass eine Belästigung der Auslöser für die Auseinandersetzung gewesen sei. Die "Bild" schrieb etwa, das Opfer des Messerangriffs habe Frauen helfen wollen, bevor er tödlich verletzt wurde. Die Polizei Sachsen stellte jedoch klar, dass es für diese Behauptung bislang keine Anhaltspunkte gebe.

Die Polizei rief auf Twitter dazu auf, sich nicht an Spekulationen zu beteiligen:

Die Polizei hat zwei 22 und 23 Jahre alte Männer vorläufig festgenommen, die sich vom Tatort entfernt hätten. Zu deren Nationalität wollten die Beamten zunächst keine Aussage machen, da noch geprüft werde, ob und wie diese in die Auseinandersetzung involviert gewesen seien. Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln wegen Totschlags.

Wie kam es zu den Versammlungen?

Laut der Polizei hatte es am Sonntag mehrere Aufrufe im Internet gegeben, sich in der Innenstadt einzufinden. Auch die Chemnitzer AfD hatte für eine "Spontandemo gegen Gewalt" auf ihrer Facebook-Seite mobilisiert. Den Angaben nach hatten sich daraufhin zunächst gegen 15 Uhr rund 100 Menschen versammelt. Diese Zusammenkunft sei störungsfrei verlaufen. Diese Versammlung ging auf einen Aufruf der Alternative für Deutschland (AfD) zurück.

Dem folgte eine weitere Versammlung um 16.30 Uhr. Zu dieser Versammlung hatte laut Medienberichten die rechte Ultragruppe "Kaotic Chemnitz" aufgerufen. Bei der zweiten Versammlung nahmen laut Polizei rund 800 Personen teil.

Wie verhielten sich die Demonstranten?

"Die Personengruppe reagierte nicht auf die Ansprache durch die Polizei und zeigte keine Kooperationsbereitschaft", teilten die Beamten mit. Die Gruppierung habe sich plötzlich in Bewegung gesetzt. Die Polizei sei zunächst nur mit geringen Kräften vor Ort gewesen, hieß es weiter. Weitere Einsatzkräfte kamen zu diesem Zeitpunkt aus Dresden und Leipzig.

Bild

Das Volksfest in Chemnitz wurde abgebrochen. Bild: dpa-Zentralbild

Bild

Ein Video, das während der Krawalle aufgenommen sein worden soll, zeigt Jagdszenen. Darin ist zu sehen, wie eine Personengruppe mit dem Ausruf "Kanacken" auf zwei Männer zustürmt und sie auf eine befahrene Straße treibt. Bild: screenshot: twitter

Wie geht es an diesem Montag weiter?

Die gesamte Nacht über waren verstärkt Einsatzkräfte im Stadtgebiet unterwegs. "Es war ruhig. Es gab keine besonderen Ereignisse in der Nacht", sagte ein Sprecher der Polizei.

Die rechtsextreme Gruppe "Pro Chemnitz" rief dazu auf, sich am Abend erneut zu versammeln. Ein Aufruf zu der rechtsextremen Versammlung wurde in den Sozialen Medien über Nacht mehrere tausend Mal geteilt.

Antifaschisten haben unterdessen eine Gegendemonstration angekündigt und mobilisierten auch aus den sächsischen Großstädten Dresden und Leipzig. 

Auch die Band Kraftklub will an einer Gegendemo teilnehmen:

Was sagt die Politik zu der Lage in Chemnitz?

"Wenn ich sehe, was sich in den Stunden am Sonntag hier entwickelt hat, dann bin ich entsetzt", sagte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) dem MDR. "Dass es möglich ist, dass sich Leute verabreden, ansammeln und damit ein Stadtfest zum Abbruch bringen, durch die Stadt rennen und Menschen bedrohen – das ist schlimm."

Markus Frohnmaier, AfD-Bundestags-Abgeordneter, stellt dabei das Gewaltmonopol des Staates in Frage:

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wollte die Vorfälle in Chemnitz zunächst nicht kommentieren. "Ich möchte zunächst einen authentischen Bericht der Verantwortlichen", sagte er am Montag am Rande eines Termins im bayerischen Freilassing. Er warnte die Politik in dem Zusammenhang davor, Dinge zu schnell beurteilen zu wollen.

(gam/pb/fh/dpa/rtr)

Der Tag – was heute noch wichtig ist:

Das könnte dich auch interessieren:

Drei Fälle in kurzer Zeit: Arzt erklärt, was hinter Fehlbildungen bei Babys stecken kann

Link zum Artikel

Lena Meyer-Landrut geht erstmals aufs Oktoberfest – und leistet sich böse Stil-Entgleisung

Link zum Artikel

Amthor führt bei Lanz alle hinters Licht – jetzt will er Teile des Rezo-Videos liefern

Link zum Artikel

Wolfgang Joop über Heidi Klums Ehe: "Hat sich mit jedem Mann verändert"

Link zum Artikel

Nach ZDF-Eklat: Oliver Welke macht in "heute show" bösen Höcke-Witz – Raunen im Publikum

Link zum Artikel

Ter Stegen top, Neuer aber auch – jetzt gibt es einen Verlierer im Torwart-Zoff

Link zum Artikel

Dagmar Michalsky wurde mit 58 schwanger – bei Lanz spricht sie von "neun Monaten Horror"

Link zum Artikel

Torwart-Zoff: Hoeneß hat mit einer Sache recht – doch er wird dem FC Bayern schaden

Link zum Artikel

Lena rappt über Sex mit sich selbst bei "Gemischtes Hack"

Link zum Artikel

Diese Szenen zeigen: Nicht mal die Experten sind von der Hartz-IV-Show "Zahltag" überzeugt

Link zum Artikel

Barça-Keeper vor Linie: Wieso der VAR bei größter BVB-Chance nicht eingriff

Link zum Artikel

"Steh auf" – Rammstein-Sänger verstört Fans mit Video

Link zum Artikel

Tiere: 11 Fotos, die zeigen, wie lustig es in der Natur manchmal zugeht

Link zum Artikel

Helene Fischer verdient an "Herzbeben" – Songwriterin verrät, was sie für den Hit bekam

Link zum Artikel

Hai pirscht sich an ahnunglosen Surfer heran: Dann kommt Hilfe – von oben!

Link zum Artikel

Brief ans Jobcenter: Hört auf, meine über 60-jährige Mutter in Jobs zu drängen

Link zum Artikel

Gottschalk über Helene Fischer und Florian Silbereisen: "Hatte immer schlechtes Gefühl"

Link zum Artikel

Luke Mockridge macht Andrea Kiewel in seiner Show ein Angebot – die blockt ab

Link zum Artikel

Kontakt mit 2 Bundesliga-Stars – warum der FCB trotz allem keinen Lewandowski-Backup holte

Link zum Artikel

Luke Mockridge traf Kiwi kurz vor ZDF-Auftritt: Er täuschte beim "Fernsehgarten" alle

Link zum Artikel

Hartz-IV-Show "Zahltag": Wie die Sendung falsche Hoffnungen schürt

Link zum Artikel

Helene Fischer und Thomas Seitel: Polizei spricht von Einsatz auf ihrem Anwesen

Link zum Artikel

7 Zitate, die zeigen, wie "bürgerlich" Alexander Gauland wirklich ist

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ElrondistElrond 27.08.2018 13:51
    Highlight Highlight Ich bin mir nie sicher was ich von solchen meldungen halten soll: Die Erde dreht sich weiter und ich bin nicht in [hier passende Stadt einsetzen] oder sich ernsthafte sorgen machen das alles irgendwann eskaliert... Denkt ihr das das Thema rechte Gewalt wird irgendwann einfach an Bedeutung verlieren oder steht uns eine Katastrophe bevor?
    • Philip Buchen 27.08.2018 14:16
      Highlight Highlight Ich denke, man sollte solche Meldungen immer mit dem richtigen Augenmaß beobachten.

Die AfD macht Stimmung gegen Migranten – mit einem Schwimmbad-Video aus Israel

Die AfD-Bundestagsfraktion macht in einem Video über Gewalt in deutschen Freibädern Stimmung gegen Geflüchtete und Migranten. Doch Szenen einer Schlägerei, die laut AfD-Politikerin Beatrix von Storch am vergangenen Wochenende in Stuttgart aufgenommen wurden, stammen tatsächlich aus einem Freizeitbad in Israel. Mittlerweile hat die Fraktion ihre Posts gelöscht und durch neu geschnittene Videos ersetzt.

Seit mehreren Tagen wird in Deutschland über Gewalt in Freibädern diskutiert. Am Samstag war es in einem Düsseldorfer Freibad zu einem Streit mit mehreren Hundert Beteiligten gekommen. Die Polizei versuchte, den Streit mit Dutzenden Beamten zu schlichten. Der Verband der Schwimmmeister kritisierte anschließend eine zunehmende Aggressivität in deutschen Freibädern.

Für die AfD offenbar ein gefundenes Fressen: In den sozialen Medien nutzt die Partei die Vorfälle, um gegen Geflüchtete und …

Artikel lesen
Link zum Artikel