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Im Herbst gründen sich die "Juden in der AfD" – diese Fragen würde ich gerne stellen

Von Offenbach aus will die AfD ein Signal in die Republik senden: Schaut her, wir haben nichts gegen Juden. Die vielen Fälle von Antisemitismus in der AfD? Einzelfälle.

Dort wollen AfD-Mitglieder im Herbst den Verein "Juden in der AfD" gründen. "JAFD" ist das provisorische Kürzel. Der endgültige Name soll auf der Gründungsversammlung am 7. Oktober beschlossen werden. 

Dort sollen sich die rund 20 Gründungsmitglieder eine Satzung geben und Vorstände wählen. Beatrix von Storch wird dann kommen, Erika Steinbach ein Grußwort im Namen der Parteistiftung sprechen und Ex-Journalist und Autor Michael Klonovsky eine Rede halten.

Einer der Initiatoren von "Juden in der AfD" ist Dimitri Schulz. Er ist 31, Maschinenbauingenieur, sagt, er sei bibeltreu und als Deutscher in der ehemaligen Sowjetunion geboren und in Baden-Württemberg aufgewachsen.

Seit 2014 ist er Mitglied in der AfD, außerdem Gründungsmitglied der Jungen Alternative (JA) Wiesbaden und der Gruppierung "Russlanddeutsche in der AfD". Bei der Landtagswahl Ende Oktober will er als Direktkandidat der AfD in den hessischen Landtag einziehen.

Ich wollte mit Schulz über seine Beweggründe reden. Doch er will sich bis zur Gründung im Oktober nicht inhaltlich zu "Juden in der AfD" äußern. Generell wollen die Initiatoren keine Interviews geben, bevor nicht offiziell ein Vorstand gewählt sei.

Das ist schade. Denn ich habe sehr viele Fragen.

Ich hätte Dimitri Schulz gerne gefragt, ob er sich als Feigenblatt sieht. So hatte es Elio Adler vom Berliner Verein "WerteInitiative" formuliert. Er warf der Partei vor, Juden als "Feigenblatt für plumpen AfD-Rassismus" zu benutzen. Ähnlich sieht es Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Die Haltung der AfD sei mit christlichen und jüdischen Werten nicht vereinbar, sagte er dem Evangelischen Pressedienst. 

Ich hätte Dimitri Schulz gerne gefragt, was er den Kritikern, die vor allem aus den jüdischen Gemeinden kommen, geantwortet hätte.

Ich hätte ihn gerne gefragt, wie das geht, Juden in der AfD willkommen zu heißen und gleichzeitig Teil einer Partei zu sein, die, wie in Chemnitz geschehen, gemeinsam mit Neonazis demonstriert. Wie es ist, Teil einer Jungendorganisation der AfD zu sein, deren Vorsitzender zusammen mit der rechtsextremen "Identitären Bewegung" bei einer Demonstration in Kandel marschiert und der alle drei Strophen des Deutschlandliedes singt. Ich hätte ihn gerne gefragt, wie er es findet, dass in internen Chats der Jungen Alternative von Israel als "Terrorstaat" die Rede ist.

Ich hätte ihn gerne gefragt, ob er die AfD-Erzählung teilt, dass erst die Flüchtlinge den Deutschen den Antisemitismus gebracht hätten. Würde ihn fragen, woran es liegen könnte, dass mehr als 90 Prozent der antisemitischen Übergriffe von Rechten ausgehen. Und was man dagegen tun kann, wenn, wie gerade in Dortmund geschehen, Rechtsextreme durch die Straßen laufen und "Wer Deutschland liebt, ist Antisemit" brüllen.

Ja, ich hätte ihn gerne gefragt, wie er das sieht.

Dass der AfD-Bundestagsabgeordneter Petr Bystron beispielsweise eine Karikatur von einer jüdischen Mitbürgerin auf Facebook und Twitter teilt, die mit antisemitischen Stereotypen spielt.

Dass der Abgeordnete der baden-württembergischen AfD, Wolfgang Gedeon, Ex-Maoist und Antizionist, in seiner Schrift "Grundlagen einer neuen Politik" Nazideutschland zum Opfer eines US-amerikanischen Expansionsstrebens macht und die antisemitischen "Protokolle der Weisen von Zion" für echt erklärt.

Mich würde interessieren, wie er zum AfD-Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland steht, der die Zeit des Nationalsozialismus‘ "Vogelschiss" der Geschichte nennt und glaubt,"dass Auschwitz, auch als Symbol, viel in uns zerstört hat".

Ich würde mir gerne Björn Höckes Geschichtsrelativismus erklären lassen. Wieso das Holocaustmahnmal in der deutschen Hauptstadt ein "Denkmal der Schande" sei.

Ich hätte ihn gerne gefragt, wie viele solcher Einzelfälle es braucht, damit daraus ein Ganzes wird.

Ich möchte wissen, wie der Mitinitiator von "Juden in der AfD" es findet, wenn die Gaulands und Höckes wieder und wieder die Geschichte vom sogenannten "Bevölkerungsaustausch" erzählen. Und dabei suggerieren, es gebe eine Art Masterplan, "echte" Deutsche durch Muslime zu ersetzen. Mich würde interessieren, für wie wahrscheinlich er es hält, dass solche Erzählungen und "Umvolkungsfantasien" aufgrund ihrer verschwörungstheoretischen Ausgangslogik nicht am Ende wieder bei einer kleinen bestimmten Gruppe landen.

Auch hätte ich ihn gerne zu seinem Wahlkampfauftakt in Hessen befragt.

"Als Deutscher aus der ehemaligen Sowjetunion waren meine Eltern nicht hier während der Umerziehung des deutschen Volkes", hatte er doziert. Schulz meint dabei nicht etwa die Zeit des Nationalsozialismus. Er meint die Generation der 68er.

Ich hätte ihn gerne gefragt, was genau er damit sagen will, wenn er von einem "linksgrünen Schuldkult" spricht. Ich würde gerne wissen, ob auch er eine andere Erinnerungskultur möchte. Ob auch er findet, dass das Thema Holocaust zu präsent in deutschen Lehrbüchern sei.

Ich würde gerne wissen, wie das ist, einer Partei anzugehören, in der jeder zweite Anhänger laut einer Allensbach-Studie findet, dass Juden auf der Welt zu viel Einfluss hätten. Und nahezu jeder Fünfte nicht gerne neben Juden wohnen würde.

Ich hätte ihn gerne gefragt, was das ist, wenn nicht lupenreiner Antisemitismus.

Mich würde interessieren, wie er das aushält, dass in AfD- oder AfD-nahen Foren gegen alles mutmaßlich Globale gewütet wird. Gerne festgemacht an USA und Israel. Wie er es aushält, wenn eine Kapitalismus- und Globalisierungskritik geübt wird, die sich an der jüdischen Bankiersfamilie Rothschild, George Soros oder der Unternehmerfamilie Rockefeller abarbeitet. Und warum in diesen Foren so leidenschaftlich Schächt-und Beschneidungsverbote diskutiert werden.

Ich hätte ihn gerne gefragt, wie er das findet. Auch dass immer wieder Spruchbilder kursieren, in denen sich AfD-Sympathisanten mit verfolgten Juden vergleichen. Wie er es findet, wenn Parallelen zwischen den Boykottaufrufen in der Nazizeit gegen jüdische Geschäfte und einem aktuell "staatlich verordneten Antifaschismus" in Deutschland konstruiert werden.

All das hätte ich ihn gerne gefragt.

Nicht, um ihn anzuklagen, sondern weil ich es verstehen will. Verstehen, wie das gehen soll, AfD und Judentum.

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