Bild

Annegret Kramp-Karrenbauer versucht sich in ihrer Instagram-Story an Jugendsprache. Bild: screenshot instagram

AKK: Instagram-Video mit Jugendsprache sorgt für Spott – und überraschendes Lob

Die CDU gilt nicht unbedingt als die Partei, die bei jungen Wählern am beliebtesten ist. In Zahlen: Bei der Europawahl 2019 machten gerade mal 13 Prozent der unter 30-Jährigen ihr Kreuz bei den Unionsparteien.

Vor diesem Hintergrund ist klar, dass die CDU sich noch mehr um junge Menschen bemühen muss. Auch wenn Generalsekretär Paul Ziemiak im Interview in der Sendung "Frühstart" bei ntv verkündet, die Zustimmung zu den Unionsparteien sei bei jungen Menschen deutlich höher als noch vor einem Jahr.

Als Versuch, die Beliebtheit unter Jungwählern weiter auszubauen, darf wohl auch die aktuelle Instagram-Story von Noch-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer gewertet werden.

Altbacken oder fresher denn je?

"Guten Tag", begrüßt die Vorsitzende die Zuschauer.

"Manche finden die CDU ja etwas altbacken. Aber wir sind doch ziemlich junggeblieben."

Um genau das zu unterstreichen, ist das Video untertitelt – und zwar in einer ziemlich aufdringlichen Jugendsprache.

"Yo Leute", heißt es da simultan. "Ihr denkt, die CDU ist Old School. Aber wir sind fresher denn je." Und so geht es weiter. "Swipe up zum nicen Geburtstagsfilm", heißt es am Schluss.

"Gönn dir!"

Bild

Die CDU ist nicht altbacken, sondern "fresher denn je" – verkündet Annegret Kramp-Karrenbauer in ihrer Instagram-Story. Bild: screenshot instagram

Selbstironie oder Cringe?

Das Video, das auf einen Film zum 75. Jubiläum der Partei hinweisen soll, wird in den sozialen Netzwerken bereits kontrovers diskutiert.

"Eine Grundregel in der politischen Kommunikation: Wanze Dich nie mit sogenannter "Jugendsprache" an #diesejungenleute ran", meint Politikberater Martin Fuchs auf Twitter. "Auch nicht in Insta-Stories. Nie!"

AKKs persönlicher Referent Boris Binkowska antwortet ihm jedoch, ebenfalls mit demonstrativ jugendlicher Anrede: "Yo Martin, die 'Jugendsprache' ist im Untertitel bewusst überzogen und steht im Kontrast zum Gesagten (Ton an!)." Er werte das eher als Selbstironie.

Damit sind die Eckpunkte gegeben, dazwischen finden sich viele verschiedene Meinungen.

Der Politikwissenschaftler Constantin Wurthmann glaubt nicht, dass die Selbstironie von jedem erkannt wird, vor allem nicht von denen, die damit eigentlich angesprochen werden sollen: den Erstwählern.

Journalist Morten Wenzek scheint auch nicht so recht überzeugt zu sein. Er spielt in seinem Tweet dazu auf ein bekanntes Meme an, das den Schauspieler Steve Buscemi in der Serie "30 Rock" in jugendlichen Klamotten zeigt, mit Baseballcape verkehrt rum und Skateboard. Er begegnet Teenagern auf dem Schulflur und wirft ein lässiges "How do you do fellow kids?" in die Runde.

Hier könnt ihr euch die Szene anschauen

abspielen

Video: YouTube/poptart

Lob von einer jungen SPDlerin

Applaus bekommt das Video dagegen etwas überraschend vom politischen Gegner, namentlich von SPD-Influencerin Lily Blaudszun. Sie findet es – offenbar gänzlich unironisch – "gelungen, so neue Wege zu gehen."

Egal, ob peinlicher Cringe oder gelungene Selbstironie: Eins hat AKK auf jeden Fall geschafft: Die Leute reden über sie – und das Video.

In einer früheren Version haben wir den Namen des Schauspielers nicht erwähnt. Das haben wir ergänzt.

(om)

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Exklusiv

Sahra Wagenknecht: "Klimaschutz darf kein Elitenthema bleiben. Fridays for Future fand an Gymnasien und Hochschulen statt, aber kaum an Real- und Berufsschulen"

Die Linken-Politikerin spricht im watson-Interview über das Erbe der Ära Merkel, ihren Blick auf Fridays for Future – und darüber, warum diskriminierte Minderheiten aus ihrer Sicht wenig von Diversity und Frauenquoten haben.

Im November 2019 lag Sahra Wagenknecht vor Angela Merkel. Ein paar Wochen, bevor die Welt zum ersten Mal von einem neuartigen Coronavirus hörte, war sie zumindest laut einer Umfrage des Instituts Insa Deutschlands beliebteste Politikerin, vor der Bundeskanzlerin. Wagenknecht ist seit fast drei Jahrzehnten auf der politischen Bühne: erst als Vertreterin der "Kommunistischen Plattform" in der PDS, einer Vorgängerpartei der Linken, später als Vizechefin der Linkspartei und als Fraktionschefin …

Artikel lesen
Link zum Artikel