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imago/dpa/kollage

Ach Lars Steinke, du hast deine eigene AfD einfach nicht verstanden...

Da hat Lars Steinke wohl nicht nur Geschichte, sondern auch die AfD missverstanden. In einem Facebook-Beitrag wollte der Chef der niedersächsischen "Jungen Alternative" offenbar mal einen zackigen Ton anschlagen. Zum Jahrestag des Stauffenberg-Attentats auf Adolf Hilter schrieb Steinke auf Facebook, der Widerstandskämpfer und Offizier Stauffenberg sei ein "Verräter".

Das gescheiterte Attentat sei

"der beschämende Versuch eines Feiglings, die eigene Haut vor dem kommenden Sieger zu retten"

Lars Steinke

Kurz darauf merkte Steinke wohl, dass er sich damit auch innerhalb der AfD nicht nur Freunde macht. Er hat seinen Post wieder gelöscht. Doch ausgerechnet für ihn kommt es anders, als es nach solchen verbalen Entlgeisungen normalerweise für einen AfD-Politiker kommt.

Erklärt ein Alexander Gauland die Nazidiktatur zum "Vogelschiss in der Geschichte", passiert ihm in der AfD nichts. Bezeichnet Björn Höcke das Holocaust-Mahnmal in Berlin als "Denkmal der Schande", gibt es zwar kurz Streit, die AfD aber darf Höcke-Heimat bleiben. Lars Steinke dagegen wird sich vermutlich eine neue suchen müssen. Denn: Führende der selbsternannten Alternativen haben sich klar gegen ihr eigenes Mitglied positioniert:

Alexander Gauland:

"Steinke hat sich für die AfD disqualifiziert. Er sollte ausgeschlossen werden"

Ko-Parteichef Jörg Meuthen ergänzt: Die inakzeptablen Aussagen zeigten

"ein absurdes Geschichtsverständnis und haben in der AfD absolut nichts zu suchen"

Nicht nur der AfD-Landesvorstand Niedersachsen distanzierte sich von ihm, auch der Bundesvorstand der Jungen Alternative reagiert mit "größtem Befremden". Zu Beginn der kommenden Woche will sich dann der die Parteiführung mit dem Fall befassen. Ein Rausschmiss von Steinke ist nicht unwahrscheinlich.

Wird bei der AfD also mit zweierlei Maß gemessen?

In diesem Fall zumindest lautet die Antwort: Keineswegs. Es ist eher Steinke, der nicht verstanden hat, wie seine eigene Partei tickt. 

Was ist anders im Vergleich zu früheren Aussagen von Parteimitgliedern?

Die zielten nicht auf eine Figur ab, die die AfD unbedingt in ihrer Erzählung für einen "modernen Nationalismus" braucht: Stauffenberg.

Denn heute will niemand mehr etwas mit dem Nationalsozialismus und Hitler zu tun haben – nicht einmal die Nazis selbst. Also erklärt der zeitgenössische Rechte in der Regel, warum er nicht rechts ist, um ein „Aber“ folgen zu lassen, das in der Regel wunderbar aufreiht, warum er es schließlich doch ist.

Aber auch moderne Rechtsextreme und Rechsaußen Politiker brauchen Bezugsgrößen. Das fing schon in den 90ern an, als sich der glatzköpfige Rechtsradikale von Springerstiefeln und Bäsi trennte und sich vor allem mit linken Symbolen zu schmücken begann.

Am konsequentesten vollführte wohl die Identitäre Bewegung diesen Symbolwechsel auf ihrem Weg ins rechte Hippstertum:

Die Alternative will Stauffenbergs Mythos nutzen

Auch in der AfD will man nichts mit den alten Nazis zu tun haben. Dort orientiert man sich lieber an der konservativen Revolution, einer Bewegung also, die sich zu Zeiten der Weimarer Republik herauskristallisierte.

Für die Neue Rechte ist diese Revolution nach wie vor anziehend, sie ist die Blaupause für ihren eigenen politischen Aufstieg von rechts. Und für diese Blaupause stand auch Stauffenberg.

Sein Widerstand galt eben nicht allein Hitler. Im Gegenteil, der war damals gerade dabei, den Krieg zu verlieren. Vielen konservativen Revolutionären und Kommandeuren in der Reichswehr galt der "Führer" von Anfang an schlicht als zu weich, weil er den Gang durch die politischen Institutionen wagte. Ihr Widerstand galt vor allem der Weimarer Republik. Kurzum: einer in ihren Augen fehlerhaft laufenden Demokratie.

Die Helden der Neuen Rechten heißen deshalb Ernst Jünger, Carl Schmitt oder auch Nationalbolschewisten wie Ernst Niekisch. Sie eint eine Kritik am Liberalismus, Kapitalismus und der Moderne schlechthin. Gegen Manager und Heuschrecken. Wahlweise auch Muslime und Flüchtlinge.

Auch Stauffenberg ist, folgt man der AfD-Logik, der ideale Held. Männlich, deutsch, aufrecht, zwar kein Demokrat aber ein Kämpfer für das Volk. Und kein Nazi.

Der Historiker Dieter Langewiesche nennt diese Vereinahmung durch die Neue Rechte "geschichtspolitische Enteignung":

Wenn Steinke also gegen Stauffenbers Andenken schießt, dann muss die Führung der AfD geradezu heftig reagieren. Sie hat schlicht keine Wahl. Ihre Mythen sind in Gefahr.

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