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"Viele mussten neu anfangen" – Merkel wirbt für Verständnis für Unmut vieler Ostdeutscher

29.09.18, 09:59

Vor dem Tag der Deutschen Einheit hat Bundeskanzlerin Angela Merkel hat für mehr Verständnis für den Unmut vieler Ostdeutscher geworben. Insgesamt sei die Wiedervereinigung eine Erfolgsgeschichte, sagte die CDU-Chefin der "Augsburger Allgemeinen" (Samstagausgabe) laut Vorabbericht. "Aber es ist schon auch so: Vieles, was Anfang der neunziger Jahre passiert ist, kommt jetzt bei den Menschen nochmal auf den Tisch", betonte die Kanzlerin. 

"Viele Menschen haben ihre Arbeit verloren, mussten neu anfangen. Das Gesundheitssystem, das Rentensystem – alles wurde anders."

Die Einheit habe zu harten Umbrüchen geführt, viele Ostdeutsche hätten nie wieder in ihrem Beruf arbeiten können. "Das ist niemals eine Rechtfertigung für Hass und Gewalt", betonte die Kanzlerin. "Aber es ist eine Erklärung für eine andere Lebensbiografie."

Zudem habe die Herausforderung der Migration "zu einer neuen Spaltung geführt", räumte Merkel ein. Dies dürfe aber nicht zu einer Vergiftung der Auseinandersetzungen führen: "Diese völlige Enthemmung in der Sprache ist etwas, das wir nicht tolerieren dürfen in Deutschland", betonte Merkel.

"Ich habe diesen Hass auch im Wahlkampf zu spüren bekommen."

Auf die Frage, ob Merkel beim CDU-Parteitag ihren Posten als Parteivorsitzende abgeben werde, sagte sie: "Ich habe gesagt, ich stehe für diese Legislaturperiode zur Verfügung und ich habe meine Meinung, dass Parteivorsitz und Kanzlerschaft zusammengehören, nicht geändert."

Christian Democratic Union Chairwoman and German Chancellor Angela Merkel arrives for a faction meeting of her ruling Christian Union parties at the Reichstag building in Berlin, Tuesday, Sept. 25, 2018. (AP Photo/Markus Schreiber)

Bild: AP

Eine mögliche Minderheitsregierung schloss Merkel aus. "Nein, was meinen Sie, was dann los wäre. Es wäre noch viel, viel unruhiger."

Mit Blick auf die AfD sagte Merkel: "Wir sollten alles tun, damit die AfD so klein wie möglich wird. Das heißt für mich: Die Probleme, die die Menschen umtreiben, ernst zu nehmen und zu lösen. Aber auch da müssen wir einen klaren Schlussstrich ziehen, dort, wo Hass ist, wo generelle Verdächtigungen sind, wo Minderheiten ausgegrenzt werden. Da muss man sich absolut abgrenzen."

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