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Studie zu Antisemitismus – Jeder 2. Jude in Deutschland dachte schon ans Auswandern

Ein Großteil der jüdischen Bevölkerung in der Europäischen Union hat laut einer Studie das Gefühl, dass der Antisemitismus in den vergangenen fünf Jahren deutlich zugenommen hat.

Welche Gruppen fallen besonders durch Antisemitismus auf?

Auffällig ist – wie schon andere Studien gezeigt haben – dass Antisemitismus keine Einstellung allein des rechten Rands ist. Zu den häufigen Täter-Gruppen zählten Menschen mit extrem muslimischen Einstellungen (30 Prozent), gefolgt von Menschen aus der eher linken Szene (21 Prozent), Arbeits- oder Schulkollegen (16 Prozent), Menschen aus dem Bekanntenkreis (15 Prozent) und Personen mit eher rechtsextremen Ansichten (13 Prozent).

Wie konkret sind Angst und Gefahr?

40 Prozent der mehr als 16.000 Befragten machen sich laut Studie Sorgen, dass sie in den nächsten Monaten Opfer eines gewalttätigen Angriffs aufgrund ihrer Religion werden könnten. Tatsächlich passiert ist das in den vergangenen zwölf Monaten laut der Studie zwei Prozent der Befragten.

Fast jeder Dritte wurde aber Opfer einer Belästigung oder Beleidigung. Aus der Erhebung geht hervor, dass die Schauplätze für Antisemitismus vor allem das Internet und die  sozialen Medien sind.

Zu den gerade im Internet verbreiteten antisemitischen Vorurteilen zählen laut der FRA-Studie Aussagen wie "Israelis benehmen sich wie Nazis gegenüber den Palästinensern", "Juden haben zu viel Macht" und "Juden nutzen die Opferrolle im Holocaust für ihre eigenen Zwecke aus".

In der Studie heißt es:

"Die Ergebnisse zeigen, dass Antisemitismus in der Öffentlichkeit präsent ist, dabei werden negative Klischees wiederholt und eingeprägt."

Warum werden so wenige antisemitsche Straftaten aufgeklärt?

Der Grund ist: Sie kommen oft gar nicht erst zur Anzeige. Viele Juden melden Schikanierungen laut Studie gar nicht der Polizei. 80 Prozent derer, die solche Erlebnisse hatten, seien weder zur Polizei noch zu sonstigen Organisationen gegangen, schrieb die Agentur für Grundrechte. Grund dafür sei oft der fehlende Glaube, dass sich durch eine Anzeige etwas ändern würde. Viele fanden die Bedrohung oder Belästigung laut Organisation auch nicht ernsthaft genug, um sie zu melden.

Diese Erkenntnisse ähneln stark denen aus einer kürzlich veröffentlichten Studie der Agentur über Schwarze in Europa. Auch in dieser Gruppe melden demnach die wenigsten Opfer von Diskriminierungen die Vorfälle – unter anderem, weil sie der Polizei nicht vertrauen oder Angst vor ihr haben.

Insgesamt legt die Studie über die jüdische Bevölkerung nahe, dass für viele der Antisemitismus schon so verbreitet sei, dass einzelne Vorkommnisse unbedeutend seien. "Aber jeder antisemitische Vorfall ist in seinem Kern eine Attacke auf die Würde eines Menschen und kann nicht als lästig abgetan werden", mahnen die Autoren.

(pbl/dpa)

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