Die Vorwürfe gegen das Hotel sind jetzt Gegenstand von Ermittlungen.
Die Vorwürfe gegen das Hotel sind jetzt Gegenstand von Ermittlungen.Bild: dpa-Zentralbild / Hendrik Schmidt

Leipziger Behörden ermitteln nach Antisemitismusvorwürfen von Gil Ofarim

06.10.2021, 16:1227.10.2021, 14:09

Nach den Antisemitismusvorwürfen des Musikers Gil Ofarim gegen ein Leipziger Hotel haben die Behörden Ermittlungen aufgenommen. "Die Staatsanwaltschaft prüft die gegen den Mitarbeiter des Hotels erhobenen Vorwürfen", teilte ein Sprecher der Anklagebehörde in der sächsischen Stadt am Mittwoch mit.

Zugleich stellte der beschuldigte Hotelangestellte Anzeige wegen Verleumdung. Der Mann habe den Vorfall "deutlich abweichend geschildert", sagte eine Sprecherin der Polizei. Der Mitarbeiter habe zudem eine zweite Anzeige wegen Bedrohung gestellt, weil er über seinen Instagram-Account entsprechende Drohnachrichten erhalten habe.

Westin-Hotel beurlaubt Mitarbeiter

Bei der Staatsanwaltschaft sei außerdem eine Anzeige eines unbeteiligten Dritten wegen Volksverhetzung gegen den Hotelmitarbeiter eingegangen. Zu einem im Video des Musikers zweiten Beschuldigten lägen keine weiteren Erkenntnisse vor. Das Leipziger Westin-Hotel beurlaubte indes zwei Mitarbeiter. Dies gilt laut einer Sprecherin der Marriott-Gruppe zunächst für die Dauer der Ermittlungen.

Ofarim hatte in seinem am Dienstag auf Instagram veröffentlichten Video berichtet, dass er am Montag in dem Hotel aufgefordert worden sei, seine Kette mit Davidstern abzunehmen. Erst wenn er den Stern abnehme, dürfe er einchecken, soll ihm gesagt worden sein.

Spontane Kundgebung

"Dass es so hohe Wellen schlägt, hätte ich nicht gedacht", sagte Ofarim am Mittwoch dem ARD-Magazin "Brisant". Ob er Anzeige gegen die Mitarbeiter des Hotels stellen werde, habe er noch nicht entschieden. Er werde es sich "durch den Kopf gehen lassen". "Ich kann es eigentlich so nicht stehen lassen", sagte Ofarim.

Nach Bekanntwerden des Vorfalls hatten sich am Dienstagabend hunderte Menschen vor dem Hotel versammelt, um ihre Solidarität mit dem Sänger zu zeigen. Das Bündnis Leipzig nimmt Platz hatte zu der Spontankundgebung aufgerufen. Die Vorwürfe sorgten auch in Politik und Gesellschaft für breite Empörung.

Mehr Aufklärung gefordert

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, zeigte sich am Mittwoch entsetzt über die Anfeindung und die Diskriminierung gegen Ofarim. Er sprach ihm in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe "meine Anteilnahme und meine Solidarität" aus. Es sei gut und wichtig, dass er diesen "inakzeptablen Vorgang" öffentlich gemacht habe. Der Fall zeige aber auch, wie viel mehr Aufklärung in Deutschland nötig sei.

Der sächsische Antisemitismusbeauftrage Thomas Feist nannte die Beurlaubung der betroffenen Mitarbeiter in der Zeitung "Die Welt" "einen ersten richtigen Schritt" und die spontane Demonstration vor dem Hotel am Dienstagabend "unheimlich wichtig und gut".

"Man ist sie leid, diese täglichen Angriffe auf Juden, ob verbal, nonverbal, tätlich oder digital", erklärte der Generalsekretär der Konferenz der Europäischen Rabbiner, Gady Gronich. Jeder Vorfall sei einer zu viel und schade letztlich auch dem Ruf Deutschlands und der Stadt Leipzig, ein internationaler weltoffener Standort und Gastgeber zu sein.

Gil Ofarim ist der Sohn des in Israel geborenen Sängers Abi Ofarim, der 2018 starb. Er ist als Schauspieler und Sänger bekannt, 2017 Jahr gewann er die RTL-Tanzshow "Let's Dance".

fas/afp

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