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Gut gelaunt im Job: Die Außendarstellung der gemeinnützigen Behindertenwerkstatt ist tadellos. Doch das mögliche Gehalt der Chefin ist hoch umstritten. Bild: screenshot: t-online

Chefin von Behindertenwerkstatt in Duisburg kassierte Mega-Gehalt – und bekam Kündigung

Ausgerechnet die Chefin der gemeinnützigen Duisburger Werkstatt für behinderte Menschen (Wfbm) sollte ein Jahresgehalt bekommen, wie es aus dem Management von Großbetrieben bekannt ist: 376.000 Euro.

Und das in der hochverschuldeten Ruhrgebiets-Stadt, die die Zahlung offiziell streng geheim hält, sorgte das im Juni für Aufsehen.

Nun hat der Aufsichtsrat der Wfbm der Gutverdienerin die Kündigung ausgesprochen. Laut "Rheinischer Post" begründete der Aufsichtsrat die Kündigung mit einem "irreparabel gestörten Vertrauensverhältnis". 

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Die Geschäftsführerin der Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderung ist fristlos entlassen worden. Screenshot WFBM

In einem Gutachten kamen Wirtschaftsprüfer des Unternehmens demnach zu dem Schluss, dass für die Geschäftsführerin maximal ein Gehalt von 180.000 Euro angemessen erschienen wäre. Das tatsächliche ausgezahlte Gehalt bezeichnete der Wfbm-Aufsichtsratsvorsitzender gegenüber der "Rheinischen Post" als "inakzeptabel".

Warum sorgte der Vorfall für ein solche Aufsehen?

Werkstätten für Behinderte sind wichtig in dieser Zeit: 700 Betriebe gibt es bundesweit, mit 2.700 Standorten. Sie beschäftigen 300.000 Menschen mit Handicap, die auf die Arbeit dort angewiesen sind, die dort ausgebildet werden und dabei auch Spaß dabei haben. Ihnen wird dafür – das ist der bundesweite Schnitt – etwa 180 Euro im Monat bezahlt.

Besonders erfolgreich ist die Duisburger Einrichtung. Mit 190 Festangestellten und mehr als 1.100 Betreuten montiert sie nicht nur für private Auftraggeber Elektro- und Metallgeräte und pflegt Grünanlagen, sondern betreibt mit "Der kleine Prinz" und "Ziegenpeter" eigene Restaurants und hat sogar ein eigenes Modelabel. Produkte werden unter Marktpreis verkauft. Die Duisburger Werkstatt gehört zu den "100 innovativsten Unternehmen im deutschen Mittelstand". Eine Erfolgsnummer. Das wird auch oft betont.

Wie kommuniziert Duisburg sonst die Gehälter seiner Angestellten?

Nur in einem halten sich die hochverschuldete Kommune, die 50 Prozent der Anteile hält, und zwei zu jeweils 25 Prozent beteiligte Behindertenverbände gerne zurück: Sie verweigern bisher jegliche Auskunft über das Jahresgehalt, das die seit 2010 amtierende Allein-Geschäftsführerin Roselyne Rogg bekommt und in welchen Sprüngen es erhöht wurde. Eine Veröffentlichung sei einfach "nicht vorgesehen", sagt Anja Kopka, Sprecherin des Oberbürgermeisters. Obwohl im Internet offen zu lesen ist, was andere vergleichbare Angestellte wie der Duisburger Zoodirektor und der Hafenchef verdienen.

Im Dezember 2017 nannte das Recherchezentrum Correctiv eine Zahl, die viele nicht glauben wollten: 350.000 Euro soll Rogg verdienen.

In einem späteren Bericht der "Rheinischen Post" stellte sich heraus, dass die Werkstattchefin sogar 376.000 Jahresgehalt bezogen hatte.

Warum war der Fall für die gemeinnützige Werkstatt so gefährlich?

Denn steuerbefreite gemeinnützige Unternehmen haben, anders als private Konzerne, strenge Regeln auch bei den Gehaltshöhen ihrer Manager. Die eigene Satzung der Duisburger Werkstatt und vor allem das bundesweit geltende Gesetz schreibt vor, "niemanden durch unverhältnismäßig hohe Vergütungen zu begünstigen".

Im schlimmsten Fall droht die "Aberkennung der Gemeinnützigkeit", wie Rainer Enzweiler sagt. Enzweiler ist der CDU-Oppositionsführer im SPD-dominierten Stadtrat. Die Aberkennung kann am Ende Arbeitsplätze kosten.

Eberhard Kanski ist Experte beim Bund der Steuerzahler:

"Das ist eine ungewöhnlich hohe Bezahlung der Geschäftsführerin, von der da die Rede ist"

Eberhard Kanski gegenüber t-online

Wie hoch sind vergleichbare Gehälter?

Die meisten der bundesweit 700 Betriebe der Behindertenhilfe halten sich an die Regeln. In Duisburgs größeren Nachbarstädten Düsseldorf und Essen erhalten die Chefs 112.000 Euro und 146.000 Euro.

Der Essener Betrieb beschäftigt mit 1.500 Behinderten zudem noch mehr als der Duisburger. Die Nachbarstädte zahlten "angemessene Gehälter", betont CDU-Mann Enzweiler.

Doch immer wieder kommt es auch zu großen Skandalen. In Berlin war das 2010 die "Maserati-Affäre". Der Chef der "Treberhilfe" hatte sich ein Gehalt von über 300.000 Euro plus schnellem Dienstwagen genehmigt. Bei einem Unternehmen des evangelischen Diakoniewerks Bethel soll ein Geschäftsführer gar 700.000 Euro kassiert haben. Und bei einem gemeinnützigen, in der Psychiatrie engagierten Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern wurde der Chef ähnlich gut bezahlt wie im Fall der Duisburger Behindertenwerkstätte: 346.000 Euro.

(pb/mit t-online.de)

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