Nach Luther-Tomaten kommt nun das Marx-Ampelmännchen

20.03.2018, 15:1920.03.2018, 17:35

Aufatmen. Durchatmen. Die Sache mit Luther ist vorbei. Dachten viele. Wie hat Deutschland den Reformator 2017 gefeiert! Das Jubiläumsjahr überraschte mit. 

  • Luther-Tomaten (besonders bissfest)
  • Luther als Playmobil-Figur (die sich besser verkauft als Darth Vader, ironischerweise die dunkle Seite der Macht)
  • Luther-Socken (für besonders Standhafte)

Nur Luther-Kondome mit der Aufschrift "Hier stehe ich, ich kann nicht anders" waren der Evangelischen Kirche in Deutschland dann doch zu viel.

Auf Luther folgt Marx. Deutschland feiert dieses Jahr den 200. Geburtstag des Philosophen. Allen voran seine Heimatstadt Trier. Dort hilft Marx seit Montag sogar über die Straße. Als Ampelmännchen. 

Nur ein kleiner Fehler hat sich eingeschlichen. Ausgerechnet bei Rot muss der Begründer des historischen Materialismus und der unaufhaltsam dynamischen Geschichte stehen. Warten auf den Kommunismus, witzeln schon manche. Doch das ist billig. 

Einfach hat es Deutschland mit Marx mit Blick auf den real existierenden Sozialismus ohnehin nicht. Karl-Marx-Stadt benannte sich umgehend wieder in Chemnitz zurück. Nur im Marx-Jahr rückte die Stadt den Philosophen heimlich ins Logo der Junioren-Basketball EM.

Berlin diskutierte sehr lange die Frage, ob Marx und Engels in der Innenstadt noch recht am Platz seien. Auch die Humboldt-Universität kämpfte nach der Wende mit der Marx-Büste in ihrem Eingangsbereich. Marx durfte bleiben. Mit erklärender Fußnote, so ist das in Deutschland.

In Trier gibt es immerhin ein Marx-Haus. Das wird überwiegend von Gästen aus China besucht. Sehr zu Freuden der umliegenden Händler. Die verkaufen reichlich -  keine Marx-Bibeln, sondern Schokolade. Das beschauliche Trier liegt schön. Aber reichlich entlegen. Kaum jemand verirrt sich freiwillig dahin. Nun will die Stadt vom Marx-Jahr auch touristisch profitieren.

Schwierig wird's nur, wo sich die Geschichte nicht infantilisieren und zu Geld machen lässt. China zum Beispiel will Karl Marx gern mit einer Statue ehren und vermachte sie dessen Heimatstadt Trier. Die aber haderte lange. Nur zögerlich stimmte der Stadtrat zu. 

Entschiedener wurde ein anderer Antrag abgewiesen. Die Hochschule in Trier sollte in Karl-Marx-Universität umbenannt werden. Das war der Stadt dann aber doch zu viel. 

Und dass das offizielle Marx-Jahr in Trier ausgerechnet von Frank-Walter Steinmeier eröffnet wird, einem der Architekten der Agenda-Reform ist eine kleine Ironie der Geschichte.

Ein ganz findiger in der Weinregion Trier hat die Sache mit Hegel, Marx und dem Histomat jetzt auf einen sehr einfachen Grund zurückgeführt. "Wie der Wein Karl Marx zum Kommunisten machte", lautet der Titel eines neu erschienen Buchs. Dazu noch einen Moselaner Marx-Wein. Klingt alles reichlich geschichtsbesoffen. Aber schließlich besaß die Familie Marx mal etliche Hektar rund um Trier.

"Bisher haben Philosophen die Welt nur gedeutet, es kommt aber darauf an, sie zu verändern", sagte Marx. Die Sache mit der Veränderung haben nun die Tourismus-Manager übernommen.

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