Bild: Alexander Schumitz/Trier Tourismus

Wie Karl Marx mit Null-Euro-Scheinen Furore macht

22.03.2018, 07:3731.05.2018, 14:28
lars Wienand

Die Stadt Trier schlägt großes Kapital aus einem Null-Euro-Schein mit dem Konterfei von Karl Marx, der zum Geld ein sehr distanziertes Verhältnis hatte. Viele wissen nicht, dass es die Null-Euro-Scheine in Deutschland schon seit 2016 gibt.

Kommunist Karl Marx und ein Null-Euro-Schein – ein Foto davon rief am Dienstag die US-Faktenchecker-Seite "Snopes.com" auf den Plan. In den USA hatte sich das kuriose Foto verbreitet und Fragen aufgeworfen. 

Kann das echt sein?

In Trier ist zumindest das Klingeln in der Kasse echt, bestätigt Norbert Käthler, Geschäftsführer der Trier Tourismus und Marketing GmbH: "Wir haben schon über 2000 Scheine verkauft, auch nach Russland, Taiwan und in die USA." Das Null-Euro-Geld wird knapp.

Die Trierer rechnen bereits mit Geldknappheit und wollen die Druckerpresse noch einmal anwerfen lassen. "Wir werden sicher eine zweite Auflage umsetzen." 5000 waren gedruckt zum 200. Geburtstag des Philosophen. Die Verwunderung in den USA hat Käthler schon erreicht.

"Erhofft hatten wir uns das, weil es ja ein Paradoxon ist, mit einem echt aussehenden Geldschein mit Karl-Marx-Porträt Geld zu verdienen."
norbert Käthler 

Die Scheine kommen aus der französischen Wertpapierdruckerei Oberthur Technologies, sind auf Sicherheitspapier gedruckt und haben die meisten gängigen Sicherheitsmerkmale, die auch die Euro-Noten der Europäischen Zentralbank tragen:

  • Wasserzeichen
  • Kupferstreifen
  • Simultouch
  • Hologramm
  • Durchsichtsregister
  • Gelddruckerei Sicherheitshintergrund
  • bei UV-Licht fluoreszierend Tinte und eine individuelle Seriennummer

Probleme mit der EZB gibt es nicht, solange der Schein den Auflagen der EZB-Reproduktionsvorschriften nachkommt, wie eine EZB-Sprecherin erklärt. "Die Produktion des Souvenir-Scheins ist nicht reguliert oder von der EZB genehmigt." Für die Bestätigung der Unbedenklichkeit war offenbar die französische Nationalbank zuständig, weil die Scheine in einer französischen Banknoten-Druckerei produziert werden.

Sie sind die Idee eines findigen Franzosen.

Geschäftsmann Richard Faille ließ 2015 in Frankreich die ersten Souvenirscheine mit Sehenswürdigkeiten drucken. Eine Seite kann personalisiert werden. Der Zoo Duisburg bestellte dann 2016 bei der Firma die ersten Null-Euro-Scheine in Deutschland.

Seither haben einige Städte, aber auch das Miniatur-Wunderland in Hamburg, der Europapark in Rust oder das Neanderthal-Museum Nuller herausgegeben, und es gibt bereits einen Markt von Sammlern. Marx war ohne viel Trubel auch schon auf einem Schein: Das DDR-Museum ließ Scheine mit seinem Konterfei drucken – ein Euro-Schein im Zeichen von Hammer und Sichel, die auch darauf prangten. Dort kostete er zwei Euro.

In Trier kostet das Scheingeld von Marx drei Euro.

Über die Produktionskosten schweigen die Touristiker und der Hersteller. Als der Förderverein "Berliner Schloss" aber Scheine zum Preis von zwei Euro anbot, floss davon nach Angaben des Vereins ein Euro für den Wiederaufbau. Durchaus üblich sind bei derartigen touristischen Artikeln auch Margen von 70 Prozent.

Ob Marx derartige Geschäfte gefallen hätten, mag der Trierer Tourismus-Chef Käthler nicht sagen. "Aber die Null-Euro-Idee geht zumindest in die von Karl Marx vertretene Richtung." Von Marx ist das Zitat überliefert: "Das Geld wird abgeschafft. Ich kenne schon einen, der nichts mehr hat": sich selbst.

Dafür hat er in Trier auch das Sagen: Seit dieser Woche gibt Karl Marx als Rot- und Grünlicht vor, wann an einer Fußgänger-Ampel gegangen werden darf.

Dieser Artikel ist zuerst auf t-online.de erschienen. 

Das könnte dich auch interessieren:

Alle Storys anzeigen
Themen
"Am meisten stört mich, dass nichts so richtig planbar ist": Sechs junge Menschen erzählen bei watson von ihrem Leben während Corona

Mit der Omikron-Welle kommen auch auf Deutschland immer mehr Einschränkungen zu. Dabei hat jede Altersgruppe mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen, doch besonders junge Menschen sind frustriert und in ihren Möglichkeiten stark eingeschränkt. Neue Leute kennenlernen, auf Partys gehen, spontan in den Urlaub fahren, Auslandssemester machen, im Hörsaal sitzen oder auch nur den Abiball feiern: Viele Erfahrungen können junge Menschen während der Pandemie nicht machen, oder nur mit sehr viel Planung und Vorsicht.

Zur Story