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Bild: imago stock&people

AfD fordert Offenlegung der Staatsangehörigkeit von Künstlern – ein Pfarrer kontert kurios

Die AfD in Baden-Württemberg fällt meist dadurch auf, dass sie sich in erster Linie mit sich selbst beschäftigt. Die Funktionäre fetzen sich auf offener Bühne – von Intrigen ist dann die Rede, von Verleumdung, Schmäh-E-Mails und veröffentlichten Kontoauszügen. Immer mittendrin: die beiden Landesvorsitzenden Bernd Gögel und Dirk Spaniel.

Und wenn sie sich nicht untereinander streiten, offenbaren sie eine mitunter absurde Herkunftsfixierung.

So forderten die AfD-Abgeordneten Rainer Barzel und Klaus Dürr jüngst in einer kleinen Anfrage die Offenlegung der Staatsangehörigkeit von Künstlern an staatlichen Theatern in BaWü.

Die Staatstheater sind mit rund 1.400 Mitarbeitern aus 50 Nationen der größte staatliche Kulturbetrieb des Bundeslands.

In dem Dokument, im Januar verfasst und Anfang Juni in den Landtag eingebracht, fragt die AfD: "Welche Staatsangehörigkeiten haben die in Baden-Württemberg an staatlichen Theatern beschäftigten Tänzerinnen und Tänzer und wo haben sie ihre Ausbildung erhalten?" Auch nach der Staatsangehörigkeit der Orchestermusiker und Opern wird gefragt.

Woran erinnert das...? Richtig.

Parteien, Gewerkschaften und auch die Kulturszene reagierten entsprechend entsetzt. Sehen sie darin nicht nur einen Angriff auf die Freiheit der Kunst, sondern auch den ziemlich durchsichtigen Versuch, die Gesellschaft in Nationalitäten zu spalten. Es ist die AfD-Variante eines Kulturkampfs von rechts.

Der FDP-Abgeordnete Nico Weinmann beispielsweise fühlte sich an dunkle Zeiten erinnert. Er halte die Anfrage für einen Affront gegen die Kulturschaffenden, sagte er den "Stuttgarter Nachrichten", und fühle sich "beklemmend erinnert an die widerwärtigen nationalsozialistischen Reinigungsprozesse in der nationalen Kulturszene."

Und Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn warnte: "Wir dürfen nicht zulassen, dass Kultur und Gesellschaft nach deutsch und nicht-deutsch unterteilt werden."

Das Stuttgarter Kunstministerium sieht sich unterdessen verpflichtet, die Anfrage zu beantworten. "Es ist das Recht der Mitglieder des Landtags, parlamentarische Anfragen und Anträge an die Regierung zu richten", sagte ein Sprecher gegenüber der dpa. Allerdings sei eine für die Anfrage eigens aufgesetzte, detaillierte Erhebung der Staatsangehörigkeit nicht vorgesehen.

Der Kommunikationschef der Staatstheater Stuttgart, Thomas Koch, verwies laut "Stuttgarter Nachrichten" auf einen immensen Aufwand, entsprechende Listen anfertigen zu müssen, da die Staatstheater niemals Buch über die Herkunft der Künstler geführt hätten.

Pfarrer kontert AfD mit DNA-Analyse

Mit einer besonderen Aktion reagierte indes ein Pfarrer der Stuttgarter Stiftskirche. Matthias Vosseler nahm die AfD-Anfrage nach einer Migranten-Zählung zum Anlass, via Facebook eine Analyse seiner DNA zu posten.

"Liebe AfD in Baden-Württemberg", schreibt er, "ihr fragt nach Migranten in den Kulturbetrieben unseres Landes, explizit auch bei uns in Stuttgart im Theater, Ballett und Schauspiel. Ihr fragt an, wer in welchem Land ausgebildet wurde und welchen Pass besitzt. Als ebenfalls 'Kulturschaffender' dieser Stadt möchte ich euch ohne Anfrage meine DNA offenlegen, die ich vergangenes Jahr machen lies."

Das DNA-Resultat: Vosseler sei zu 36 Prozent Skandinavier, zu 28 Prozent Italiener, zu 13 Prozent Engländer und 0,8 Prozent Nordafrikaner. "Als 'schwedischer Italiener'", schreibt Vosseler weiter, "erkläre ich mich solidarisch mit den vielen Menschen aus so vielen verschiedenen Herkunftsländern, die hier auf den Bühnen des Landes Kultur zum Blühen bringen."

Und er hat auch noch einen Tipp für die AfD. Die könnten doch auch mal eine DNA-Analyse machen. "Die Ergebnisse werden euch sicher nicht begeistern, aber vielleicht die Augen öffnen", schreibt er.

"Dann könnt ihr in Zukunft solch unsinnige und im letzten menschenverachtende Anfragen unterlassen. Dann hättet ihr wirklich einen Beitrag zur Kultur unseres Landes geleistet."

Die Aussagekraft solcher DNA-Tests zur Herkunftsbestimmung sind im Übrigen umstritten. Kritiker sehen darin in erster Linie ein Geschäftsmodell. Fest steht: Genetisch haben Menschen egal welcher Herkunft mehr Gemeinsames als Trennendes. Migration ist Teil einer jeden DNA und Identität lässt sich nicht auf Herkunft reduzieren. So sehr sich die AfD das auch wünschen würde.

(ts)

Auch ohne DNA-Analyse ein Unding: Ohne Schuhe in der Bahn

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