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Palmer warnt bei Lanz vor "schwarzer Pädagogik" – und provoziert heftige Reaktionen

Boris Palmer ist auf vielen Arten anders. Der Tübinger ist wohl der einzige deutsche Bürgermeister, der regelmäßig in Talkshows sitzt und auch außerhalb seiner (gar nicht soo großen) Stadt sehr bekannt ist. Und Boris Palmer ist Grünen-Politiker – zum Leiden mancher Parteikollegen. Denn Palmer polarisiert. Am liebsten mit heiklen Positionen zu heiklen Themen wie Migration. Der grüne Rathauschef aus Tübingen sorgt so regelmäßig für deutschlandweite Diskussionen.

Am Donnerstagabend war der umstrittene Grünen-Politiker im ZDF bei Markus Lanz zu Gast.

Und auch bei Lanz wurde es für Palmer nicht angenehm. Der Verleger Jakob Augstein warf Palmer vor: "Sie treten Türen ein, die ganz weit aufstehen. Ihre Warnung geht komplett ins Nichts. Die Politiker sind viel zu wenig panisch." Palmers Kommentar sei "völlig überflüssig" gewesen.

Der Grünen-Politiker, der regelmäßig selbst mit polarisierenden Äußerungen für Aufsehen sorgt, beklagte eine "Radikalisierung in der Gesellschaft". Palmer erklärte bei Lanz, er habe selber manchmal "Lust, gegen den Strich zu bürsten." Seine Provokationen sieht Palmer fast schon als Kunstform an: "Ich möchte Mechanismen offenlegen."

Palmer verteidigt bei Lanz seine Provokationen: Alles freie Meinungsäußerung

Sein letzter großer Shitstorm liegt nicht allzu lang zurück: Im April veröffentlichte Palmer einen Screenshot der Webseite der Deutschen Bahn, die verschiedene Kunden zeigt. Dazu schrieb Palmer: "Der Shitstorm wird nicht vermeidbar sein. Ich finde es nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien die Deutsche Bahn die Personen auf dieser Eingangsseite ausgewählt hat. Welche Gesellschaft soll das abbilden?"

Tagelang diskutierte Deutschland die Palmer-Äußerung. Lanz wunderte sich: "Wir sind doch eigentlich viel weiter, niemand hätte sich über diese Bahn-Werbung aufgeregt. Aber Sie nehmen sie und sagen: Das ist die Chance zum Provozieren."

Der Grüne wehrte sich: "Der Korridor des Sagbaren wird auf relativ eng begrenzte Meinungsbilder zugespitzt."

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Der Sportmoderator Esume kritisierte den Tübinger Oberbürgermeister zdf-screenshot

In der Runde gab es für Palmer nur Unverständnis. Augstein fasste sich an den Kopf, auch der Sportmoderator Patrick Esume wunderte sich über Palmers Wut: "Ich frag mich immer, was triggert jemanden, da reinzupieken?" Augstein warf Palmer vor: "Sie haben eine Verantwortung und der werden sie nicht gerecht. Sie befördern da rassistische Ideologien."

Und Esume legte nach: "Bei mir kommt der Zweifel auf: Wofür steht der jetzt eigentlich wirklich? Kann an meinem Auto vielleicht doch der Aufkleber 'AKW ne, aber ich hab AfD-Gedanken' sein?" Palmer nannte Esmues AfD-Vorwurf einen moralisierenden Vorwurf.

Palmer erklärte vielmehr: "Die Gesellschaft wird nicht besser, wenn man alten weißen Männern sagt: Du musst jetzt mal zurückstehen." Augstein, selbsterklärter alter weißer Mann, schoss zurück: "Seien Sie nicht so empfindlich."

Boris Palmer spricht von "schwarzer Pädagogik" bei Lanz – "Aaaaalter..."

Der Grünen-Politiker übernimmt in seiner Heimatstadt gerne mal die Rolle des örtlichen Sheriffs: Anfang April wies Palmer auf einem Spielplatz einen Vater mit Migrationshintergrund zu Recht, der seinen weinenden Jungen immer weiter geschaukelt habe. Palmer bei Lanz: "So eine schwarze Pädagogik können wir nicht mehr akzeptieren auf einem Spielplatz."

Mit dem Begriff wird jede Erziehung verstanden, die auf Gewalt, Einschüchterung und Erniedrigung setzt. Im Kontext der "Lanz"-Sendung sorgte Palmers Formulierung für Aufsehen in der Runde.

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Sportmoderator Esume geriet mit Boris Palmer aneinander. zdf-screenshot

Esume – neben Palmer sitzend – sagte nur: "Aaaaalter..." Lanz schritt ein und versuchte zu schlichten: Das Wort "schwarz" sei jetzt anders gemeint gewesen.

Sportmoderator Esume schlug dennoch die Hände über dem Kopf zusammen: "Ist es nicht scheißegal, wo dieser Typ herkam? Wenn der sein Kind schaukelt, bis es schreit, ist er ein gestörter Typ!" Für Esume ist Palmers Verhalten eindeutig: "Es geht hier nicht darum, dem Kind zu helfen. Es geht darum, einen Punkt zu machen."

Augstein legte nach: "Sie schlachten es politisch aus, was dann wieder nur Wasser auf die Mühlen von Rechtsradikalen ist."

Palmer verteidigte sich: Er hätte öffentlich auch über den Vorfall berichtet, wenn der betreffende Vater keinen Migrationshintergrund gehabt habe. Auf die Symbolkraft seiner Äußerungen ging Palmer nie ein – er blieb beim "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen".

Esume versuchte noch einmal, Palmer seine Position zu erklären: "Man muss wissen: Wer ist meine Zuschauerschaft da draußen und wie reagiert sie auf das, was ich sage?" Palmer nickte eifrig, und sagte nichts.

Für Lanz war abschließend klar:

"Soviel Beef hatten wir lange nicht mehr in der Sendung."

(pb)

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Ab jetzt AfD-Osten? So ein Quatsch!

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