Deutschland
Keylogger

Bild: t-online.de

Bei der Berliner Polizei wurde ein Spionage-Keylogger gefunden

lars wienand/ t-online.de

"Bleiben Sie wachsam im Netz", endet eine brisante interne Mail eines Spezialisten der Berliner Polizei. Er berichtet darin von einem Späh-Angriff. An einem PC fand sich ein Keylogger, ein Stick, der alle Tastatureingaben aufzeichnete. 

Mit einem Keylogger können Passwörter gestohlen werden oder es kann nachvollzogen werden, wonach ein Nutzer gesucht hat. Bei der Polizei, wo hochsensible Daten abgefragt werden können, ist das besonders brisant.

Welche Daten wurden dadurch verfügbar?

Verfügbar sind Daten von 80 Millionen Fahrzeughaltern, dazu von über drei Millionen Menschen Privatadressen, Ehestand, Ehepartner oder im Haushalt angemeldete dritte Personen. Poliks (Polizeiliches Landessystem zur Information, Kommunikation und Sachbearbeitung) erfasst auch Straftäter und Tatverdächtige, ebenso die Daten von Opfern und Zeugen.

Abfragen darüber müssen viele Polizisten bei der Direktion Einsatz eigentlich nur in Ausnahmefällen stellen. Das könnte ein Grund sein, sich die Zugangsdaten von Kollegen zu besorgen, um unter deren Namen dann Abfragen zu stellen.

Die Pressestelle der Polizei verneint das im konkreten Fall:

"Eine Missbrauchsabsicht hinsichtlich sensibler polizeilicher Datenbestände konnte ausgeschlossen werden.

Sie machte am Donnerstag in einer knappen Antwort auf einen am Sonntag verschickten Fragenkatalog keinerlei weitere Angaben, wie das ausgeschlossen wurde und welche anderen Gründe es gegeben haben könnte, den Keylogger anzubringen. Das ist selbstverständlich dienstlich verboten. 

Der festgestellte Sachverhalt habe nach Prüfung durch die Staatsanwaltschaft Berlin keine strafrechtlich relevanten Umstände ergeben, teilt die Polizei in einer dürren Erklärung mit. 

Der Vorfall wurde nicht bekannt gemacht

"Ungeheuerlich und nicht nachvollziehbar", nennt das Jörn Badendick, Pressesprecher der Personalvertretung der "Unabhängigen in der Polizei e.V.", ein Verein, der sich als Alternative zu der gewerkschaftlichen Personalvertretung versteht. "Bereits das Installieren des Keyloggers ist in einem solchen Fall eine Straftat nach Paragraf 202a." 

Die "Unabhängigen" fordern schonungslose Aufklärung:

"Wenn unter fremdem Account Daten abgefragt werden, können völlig unbeteiligte und unschuldige in den Fokus von Ermittlungen geraten."

t-online.de liegt die Mail aus dem Juni vor, in der die Direktion Einsatz die Informationssicherheitsverantwortlichen der anderen Direktionen bei der Berliner Polizei über den Vorfall informiert hat. Ereignet hatte er sich im März. Außerhalb eines kleinen Kreises war der Fall offenbar nicht bekannt gemacht worden. 

"Es ist ein hochproblematischer Vorgang, da hätte die breite Belegschaft informiert werden müssen", so Unabhängigen-Sprecher Badendick. "Bei der Altersstruktur der Kollegen gibt es einige, die mit der Technik nicht so vertraut sind und überhaupt keinen Verdacht schöpfen würden, wenn sie so etwas sehen." 

In den USA haben Polizisten noch ganz andere Probleme

abspielen

Video: undefined/Watson

Auch die Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Maja Smoltczyk, wurde nach Angaben der Behörde nicht informiert und wird nun "die Polizei im ersten Schritt schriftlich auffordern, unsere Fragen zu dem Vorfall zu beantworten". Nach dem bis Juni geltenden Datenschutzgesetz hätte sie Strafantrag stellen können, wenn "unbefugt personenbezogene Daten, die nicht offenkundig sind" übermittelt oder abgerufen werden. 

Badendick nennt es einen "massiven Vertrauensbruch" der Polizeiführung, den Fall der Personalvertretung nicht mitgeteilt zu haben. Vor kurzem hatte es von den Unabhängigen heftige Kritik an einer Sicherheitslücke gegeben. Es war möglich, sich nach dreimaliger falscher Passworteingabe bei einem fremden Account telefonisch ohne weitere Nachweise ein neues Passwort geben zu lassen. "Da hätte das auch auf den Tisch gemusst, wir haben gefragt, ob da noch etwas ist."

Wozu der Keylogger missbraucht werden könnte

Für Polizisten mit zweifelhaften Absichten kann es von Interesse sein, sich mit dem Account eines anderen einzuloggen. Wer auf welche Daten zugreift, wird in der Regel protokolliert. So flog eine Polizistin auf, die ihre Nachbarschaft ausspioniert hat. Interne Ermittler stießen auch darauf, wer einen Drogenhändlerring mutmaßlich mit Polizeiinterna versorgt hatte. Ein 39-jähriger Oberkommissar wanderte in Untersuchungshaft. Sie hatten ihre eigenen Zugangsdaten genutzt.

Mit einem Keylogger lassen sich Passwörter anderer Nutzer mitschneiden. Verkauft werden dürfen solche Geräte frei, sie dürfen auch genutzt werden, wenn man sie am eigenen Rechner einsetzt, um Internet-Aktivitäten minderjähriger Kinder zu prüfen oder wenn alle potenziellen Nutzer über den Einsatz informiert sind. Wer dagegen bei anderen mitschneidet, die davon nichts wissen, macht sich strafbar wegen des Ausspähens von Daten. Darauf steht Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.

Dieser Artikel erschien zuerst auf t-online.de.

Mehr aus der Polizeiwelt:

Hier brennen Dutzende Autos – Jugendliche greifen in Schweden Polizei an

Link zum Artikel

In Bangladesch geht die Polizei gegen Studenten vor – und das steckt hinter den Protesten

Link zum Artikel

Schwarzer wird in in Bochum von Polizei kontrolliert – warum das rechtswidrig war

Link zum Artikel

Fahrradfahrerin wird bei Verfolgungsjagd in Berlin von Auto erfasst – und stirbt

Link zum Artikel

"Unser Land geht verloren" – junge Musiker sprechen über den Rechtsruck in Polen

Link zum Artikel

Bundesweit Störungen beim Notruf 112 – "Rufen Sie notfalls die Polizei"

Link zum Artikel

Wirbel um Einsatz an Berliner Grundschule – Polizei gibt Entwarnung

Link zum Artikel

Bayerns Grüne klagen gegen das Polizeiaufgabengesetz 

Link zum Artikel

Dieses Bilder von ausgelaufener Schokolade auf der Autobahn zerreißen uns das Herz

Link zum Artikel

Großrazzia bei der 187 Strassenbande wegen Drogen und Waffen 

Link zum Artikel

Wenn du einfach verkatert einen Burger essen willst und dann das passiert... 

Link zum Artikel

9-Jähriger fährt mit dem Auto seiner Eltern zur Kirmes – und wird erst auf dem Rückweg erwischt

Link zum Artikel

Abiturient kotzt in Polizeiwagen und entschuldigt sich sehr anständig

Link zum Artikel

Dieser Flüchtling organisiert nach dem Polizeieinsatz in Ellwangen eine Demo

Link zum Artikel

#noPAG – Tausende protestieren in Bayern gegen Änderung des Polizeigesetzes

Link zum Artikel

Polizei, Polizei, Polizei! Die CSU benimmt sich wie die schlimmsten Helikopter-Eltern

Link zum Artikel

Fünf beschädigte Polizeiautos – Mann spielt GTA auf deutscher Autobahn

Link zum Artikel

So viel kostet dich Sex in der Öffentlichkeit

Link zum Artikel

Mann ersticht Frau und Tochter in Hamburg

Link zum Artikel

Polizei erschießt Randalierer vor Bäckerei in Fulda

Link zum Artikel

Straßenbahn entgleist vor Grundschule in Mainz – 29 Verletzte

Link zum Artikel

Polizei ist sicher, dass der Amokfahrer von Münster sich umbringen wollte

Link zum Artikel

Polizeischüler sollen Kollegen mit Cola-Flasche vergewaltigt haben 

Link zum Artikel

Polizei kontrolliert Gladbacher Fanzug nach mutmaßlichem Sexualdelikt

Link zum Artikel

Im Tourbus der US-Rapper Migos wurden 420 Gramm Gras gefunden. Genau, Four-Twenty! 

Link zum Artikel

Ein Geldtransporter von Ikea wurde in Köln überfallen — zu einer ungewöhnlichen Uhrzeit

Link zum Artikel

Was passiert, wenn die Polizei ihren Sprit nicht zahlt

Link zum Artikel

1200 Demonstranten haben in Kandel gegen rechte Gruppen demonstriert

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

"Promi Big Brother": Im Finale führt Sat.1 Kandidatin mit skurrilem Sex-Talk vor

Link zum Artikel

Luke Mockridge im "Fernsehgarten": Anwalt erklärt, was dem Comedian jetzt droht

Link zum Artikel

"Promi Big Brother": Almklausi blamiert sich bei Toastbrot-Frage – dann fliegt er

Link zum Artikel

Luke Mockridge im ZDF-"Fernsehgarten": Plötzlich taucht er wieder auf – und äußert sich

Link zum Artikel

Nazi-Familie Ritter mit weiteren Eskapaden – jetzt fährt die Stadt einen harten Kurs

Link zum Artikel

"Bachelorette": Nach dieser Folge ist es klar – ER bekommt die letzte Rose

Link zum Artikel

Millionensumme zeigt, in welchen Sphären Helene Fischer schwebt

Link zum Artikel

Vom Problemschüler zum Jura-Studenten: An Dennis hat früher niemand geglaubt

Link zum Artikel

Erzieherin: "Was viele Kollegen in Kitas tun, ist eigentlich Kindesmisshandlung"

Link zum Artikel

Miese Götze-Meldung lässt Fans wüten: "Mein Herz blutet"

Link zum Artikel

Almklausi kollabiert bei "Promi Big Brother" – Sat.1 wird scharf kritisiert

Link zum Artikel

Jede Menge Regelverstöße bei "Promi Big Brother" – doch der Sender ahndet das nicht

Link zum Artikel

Coutinho verrät seine Lieblingsposition – und bringt die Bayern damit in ein Dilemma

Link zum Artikel

Nach Tod von Ingo Kantorek: RTL 2 schneidet einige Szenen aus "Köln 50667"

Link zum Artikel

Segler-Paar über Gretas Segelreise: "Als würde man sich in eine Rakete setzen"

Link zum Artikel

"Promi Big Brother": Zlatko ist raus – warum er scheiterte und was er über Jürgen sagt

Link zum Artikel

Wie Salihamidzic die Transfers des FC Bayern vergeigte – und die Spieler dies ausnutzten

Link zum Artikel

"Promi BB": Kollege von Bewohnerin stirbt – so wird Janine vom Tod erfahren

Link zum Artikel

Warum der FC Bayern derzeit an sich selbst scheitert – und was das mit Sané zu tun hat

Link zum Artikel

Kuss bei "Promi Big Brother" war peinlich? Von wegen: Hier kommt Stalker Joey Heindle

Link zum Artikel

BVB-Doku auf Amazon zeigt Trauma des Anschlags – so nah waren wir noch nie dran

Link zum Artikel

Heidi Klum postet Grotten-Foto – und muss nach Shitstorm den Beitrag ändern

Link zum Artikel

Perisic richtet Worte an Sané – und erklärt, was er nach dem Bayern-Anruf tat

Link zum Artikel

Warum Whatsapp für das iPhone massiv überarbeitet werden muss

Link zum Artikel

FC Bayern stellt Perisic auf Instagram vor – viele Fans sind wütend

Link zum Artikel

"Promi Big Brother": Beliebter Kandidat sollte keine Sendezeit bekommen

Link zum Artikel

"Steh da wie ein Spacko" – Lena Meyer-Landrut kotzt sich bei ihren Fans aus

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Jugendliche verprügelt Lehrer – kein Einzelfall

In Freiburg (Fribourg in der Schweiz) hat kurz vor Ostern eine Schülerin ihren Lehrer zu Boden geschlagen. Kein Einzelfall, die Gewalt in Klassenzimmern nimmt laut Experten zu – auch in Deutschland. Ein Lehrerverband will die Problematik nun in einer Studie untersuchen.

Die Schülerin stürmt ins Klassenzimmer, packt den Lehrer, wirft ihn zu Boden, und schlägt immer weiter auf ihn ein – bis ihre Klassenkameraden einschreiten.

Das ist kurz vor Ostern in einer Sekundarschule in Freiburg in der Schweiz passiert. Der 50-jährige Lehrer erleidet leichte Verletzungen an der Stirn. Psychisch macht ihm der Angriff stark zu schaffen. Er ist bis heute krank geschrieben, wie die Regionalzeitung "La Liberté" berichtet.

Die Schülerin war bereits vor dem Vorfall der Schule …

Artikel lesen
Link zum Artikel