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Hier wird der Tatverdächtige abgeführt. Bild: dpa/tnn

Angriff auf Weizsäcker: Darum steckten die Hände des Tatverdächtigen in einer Tüte

Nach der tödlichen Attacke auf den Berliner Arzt Fritz von Weizsäcker werden vermeintliche Ungereimtheiten verbreitet. Was es mit eingepackten Händen und einer angeblichen Augenzeugin auf sich hat.

Lars Wienand / t-online

Es ist ein Foto, das viele Menschen so noch nicht gesehen hatten: Polizisten führen am Dienstagabend einen Mann ab – und Hände und Unterarme sind unter den Handschellen eingepackt. Der Mann heißt Gregor Sch.. Er wurde wegen der Stiche auf den Arzt Fritz von Weizsäcker und einen Polizisten festgenommen.

Und die Szene ist Teil von Verschwörungstheorien, die jetzt im Netz verbreitet werden. Wirbel gibt es auch um die Schilderungen einer Augenzeugin.

In der Pressestelle der Polizei Berlin löst die Nachfrage zu den eingepackten Händen Verwunderung aus. "Das Vorgehen ist bei Festnahmen sehr gebräuchlich", sagt Sprecher Martin Halweg. "Es ist eine Papiertüte, die über die Unterarme gezogen ist."

Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass alle Anhaftungen auch gesichert werden können und nicht nachträglich anderes Material zu Verunreinigungen führen kann. DNA- und Materialspuren sollen so bewahrt werden. Bei Schüssen sei das wegen der Schmauchspuren fast unerlässlich, aber auch bei Angriffen mit Messern gängige Praxis.

Behauptung: Hautfarbe soll verschleiert werden

Eine Tüte aus Papier werde deshalb genutzt, weil dann die Betroffenen nicht so schnell schwitzten wie bei einer Plastiktüte. In einer trockenen und sicheren Umgebung werde die Tüte dann abgenommen, um die Beweise zu sichern. Das könne auch unter Laborbedingungen im Kriminaltechnischen Institut geschehen.

Accounts mit extrem rechtem Profil hatten das Bild mit der Spekulation verbreitet, so solle möglicherweise eine dunkle Hautfarbe abgedeckt und verheimlicht werden. Damit sollte offenbar von den Accounts der Eindruck erweckt werden, dass der Täter Migrant ist. Der Tatverdächtige ist 57, gebürtiger Berliner und lebte zuletzt in der Nähe von Koblenz. Das Motiv vermutet die Staatsanwaltschaft Berlin in einer "wohl wahnbedingten allgemeinen Abneigung des Beschuldigten gegen die Familie des Getöteten". Er soll in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden.

Zeugin lag auf der Notaufnahme

Eine angebliche Augenzeugin des Vorfalls hat gegenüber t-online.de auch ihre Schilderung relativiert. Die Polizei hatte die Darstellung umgehend als Falschmeldung bezeichnet. Screenshots der Darstellung werden aber weiterhin verbreitet. Sie behauptete darin, sie habe alles live mitbekommen und die Presse verbreite Unwahrheiten. Die Tat habe sich gar nicht in dem Raum des Vortrags ereignet.

t-online.de hat die Frau im Krankenhaus ausfindig gemacht. Sie habe nicht gewusst und nicht gewollt, dass ihr Beitrag so große Kreise ziehe. "Ich habe ihn gelöscht." Ihr Eindruck an dem Abend sei gewesen, dass es sich anders abgespielt hat als berichtet. "Aber ich habe das nicht gesehen, ich lag in der Notaufnahme."

Die ist ebenso im Erdgeschoss wie der Vortragsraum. Plötzlich seien Ärzte aus der Notaufnahme gestürzt, es sei die Rede davon gewesen, dass am Außentor etwas passiert sei. "So habe ich das gehört." Auch von drei Schwerverletzten sei die Rede gewesen. Gesehen habe sie das aber nicht.

Todesfall gab es nicht

Die Frau, eine Berlinerin, sagte t-online.de, Krankenhäuser müssten besser geschützt werden. Sie habe Angst vor Übergriffen durch Migranten. Sie reagierte überrascht auf die Nachricht, dass ein Deutscher festgenommen worden ist. 

Sie hatte in ihrem Beitrag spekuliert, es könne sich um einen Racheakt gehandelt haben, weil auf der Station von Fritz von Weizsäcker ein Patient mit Migrationshintergrund gestorben sei. Auf Nachfrage dazu reagierte sie überrascht. "Ich weiß von keinem Toten. Aber das liest sich bei mir so, ja." Sie habe jedoch keine Falschmeldung verbreiten wollen.

Dieser Artikel erschien zuerst t-online.de.

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