Deutschland
Willy Brandt (1913 - 1992), mayor of West Berlin, during a visit to London, 24th April 1965. (Photo by Terry Fincher/Express/Hulton Archive/Getty Images)

Bild: Getty/Terry Fincher/watson-montage

AfD wirbt im Wahlkampf mit Willy Brandt – so würde er den Rechtspopulisten antworten

Man kann es sich eigentlich nicht ausdenken. Die AfD, eine in Teilen rechtsextreme Partei, nutzt für ihren Wahlkampf in Brandenburg Gesicht und Zitat des einstigen Bundeskanzlers und Sozialdemokraten Willy Brandt.

"Mehr Demokratie wagen" steht auf den Wahlkampfplakaten der AfD im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Und mit Slogans wie "Wir sind das Volk!" oder "Vollende die Wende" fährt die AfD in Ostdeutschland eine Kampagne unter dem Motto "Wende 2.0".

Willy Brandt, der sich ein Leben lang für Demokratie und Freiheit eingesetzt hat, kann sich leider nicht mehr gegen die Vereinnahmung seiner Worte und seines geistigen Erbes zur Wehr setzen. Doch im Grunde hat Willy Brandt die Antworten auf Populismus und überzogenem Nationalismus bereits vor vielen Jahrzehnten gegeben.

Eine Antwort auf die AfD-Vereinahmung in 10 Willy-Brandt-Zitaten:

"Ein guter Deutscher kann kein Nationalist sein. Ein guter Deutscher weiß, dass er sich einer europäischen Bestimmung nicht versagen kann. Durch Europa kehrt Deutschland heim zu sich selbst und den aufbauenden Kräften seiner Geschichte. Unser Europa, aus der Erfahrung von Leiden und Scheitern geboren, ist der bindende Auftrag der Vernunft."

Willy Brandt am 11. Dezember 1971 in Oslo anlässlich der Verleihung des Friedens-Nobelpreises. www.nobelprize.org

"Lasst euch nicht zu Lumpen machen! Zeigt menschliches Verhalten, wo immer es möglich ist, und vor allem, schießt vor allem nicht auf eure eigenen Landsleute!"

Willy Brandt in einem Appell an Funktionäre und Soldaten in der DDR in seiner Rede vor dem Rathaus Schöneberg, 16. August 1961. www.willy-brandt-biografie.de

"Die Disziplin des Dritten Reiches ist Kriechertum und keine Freiheit. Der Antisemitismus und die nationale Hetzpropaganda sind Beschränkung und keine geistige Weite. Der Faschismus ist geistige Sklaverei."

Willy Brandt über die NS-Diktatur in einem Artikel in "Norges Gymnasialblatt", April/Mai 1933. www.willy-brandt-biografie.de

"Vorbehaltloses Erkennen der Verbrechen, die von Deutschen und im Namen Deutschlands an anderen Völkern verübt worden sind, ist die erste Vorbedingung für eine Gesundung des deutschen Volkes."

Willy Brandt in Stockholm, 9. Februar 1945. www.willy-brandt-biografie.de

"Diktatur bleibt Diktatur. Ausbeutung bleibt Ausbeutung. Unser Platz aber ist und bleibt auf der Seite der Freiheit und des sozialen Fortschritts, des Ringens um soziale Sicherheit und Vermenschlichung der menschlichen Gesellschaft."

Willy Brandt am 22. Mai 1955. www.willy-brandt-biografie.de

"Der Tag wird kommen, an dem der Hass, der im Krieg unvermeidlich scheint, überwunden wird. Einmal muss das Europa Wirklichkeit werden, in dem Europäer leben können."

Willy Brandt im August 1943. www.willy-brandt.de

"Die Globalisierung von Gefahren und Herausforderungen – Krieg, Chaos, Selbstzerstörung – erfordert eine Art 'Weltinnenpolitik'."

Willy Brandt in seiner Einleitung zum Nord-Süd-Bericht "Das Überleben sichern", 1980. www.willy-brandt-biografie.de

"Der empörende Gegensatz zwischen den Satten und den Hungernden in der Welt zeigt täglich: Die elementaren Menschenrechte fangen beim Recht auf Leben an."

Willy Brandt in seinem Buch "Menschenrechte – mißhandelt und mißbraucht", 1987. www.willy-brandt-biografie.de

"Wo immer schweres Leid über die Menschen gebracht wird, geht es uns alle an. Vergesst nicht: Wer Unrecht lange geschehen lässt, bahnt dem nächsten den Weg."

Willy Brandt am 15. September 1992. www.willy-brandt.de

"Für mich steht außer Zweifel, dass die Sicherung des Weltfriedens, der Kampf gegen Hunger und unmenschliche Lebensbedingungen, Umweltschutz und Schritte zu dauerhafter Entwicklung die zentralen Aufgaben der kommenden Jahre sind."

Willy Brandt in seiner Rede bei der Konferenz „Nord-Süd: Herausforderungen für die neunziger Jahre“ in Königswinter, 16. Januar 1990. www.willy-brandt-biografie.de

(mbi/ts)

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