In Deutschland geht die Angst vor dem Corona-Virus um. Nun wird diskutiert, ob Großveranstaltungen abgesagt werden sollten
In Deutschland geht die Angst vor dem Corona-Virus um. Nun wird diskutiert, ob Großveranstaltungen abgesagt werden solltenBild: imago images / Future Image / Christoph Hardt via www.imago-images.de

Abgesagte Veranstaltungen wegen Corona: Verfällt mein Ticket?

06.03.2020, 20:5902.06.2020, 12:15

Nachdem am Freitagmorgen die Zahl der in Deutschland mit Corona-Infizierten auf über 500 gestiegen ist, wird nun erneut diskutiert, ob Großveranstaltungen ausfallen müssen. Die diesjährige Leipziger Buchmesse und der Autosalon in Genf wurden bereits wegen der Ausbreitung des Coronavirus abgesagt.

Auch Mediziner fordern eine härtere Gangart beim Kampf gegen Corona. Der Virologe Christian Drosten sagte dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland": "Wir müssen jetzt da einschreiten, wo die Multiplikationen und Exponierung von solchen Fällen eben stattfindet. Und da geht es mir um die Fußballstadien."

Aber geht das so einfach? Wer entscheidet darüber, dass eine Veranstaltung wegen Corona abgesagt wird und was passiert, wenn ich bereits Tickets für die Veranstaltung gekauft habe?

Wer entscheidet über eine Absage?

Die rechtliche Grundlage für eine Absage bildet die Entscheidung des Veranstalters und der lokalen Gesundheitsbehörde. Die wiederum ist mit dem Robert-Koch-Institut in Berlin (RKI) in Verbindung.

Das Robert-Koch-Institut ist in Deutschland verantwortlich für die Koordinierung der Gegenmaßnahmen gegen das Corona-Virus und hat eine Kriterienliste zusammengestellt, die erklärt, welche Voraussetzungen förderlich für eine Ausbreitung des Coronavirus auf Großveranstaltungen sind und welche Maßnahmen es dagegen empfiehlt.

Unter anderem warnt das RKI davor, wenn Veranstaltungen in geschlossenen Räumen stattfinden, die schlecht gelüftet werden können. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass genug Platz zwischen den Menschen möglich ist und wenig Körperkontakt stattfindet.

Über Maßnahmen entscheidet Veranstalter und Gesundheitsamt

Außerdem soll darauf geachtet werden, ob Risikopatienten und ältere Menschen anwesend sein werden, sowie Besucher aus betroffenen Regionen kommen. Wichtig sei es, genug Möglichkeiten für die Handhygiene zu schaffen und Besucher ausreichend über Schutzmaßnahmen vor Corona zu informieren. Allerdings sind die Punkte alle Empfehlungen. Verbindlich sind sie nicht.

Das Robert-Koch-Institut erklärt dazu: "Die Zuständigkeit zur Veranlassung von Maßnahmen für Veranstaltungen obliegt den Veranstaltern sowie den lokalen Behörden vor Ort. Grundsätzlich ist möglich, die Veranstaltung durchzuführen, unter Auflagen zu erlauben, das Format anzupassen, aber auch die Verschiebung oder Streichung der Veranstaltung sind möglich."

Was passiert wenn eine Veranstaltung wegen Corona abgesagt wird?

Auf Anfrage von watson teilt der Konzertveranstalter und Ticketverkäufer CTS Eventim mit, dass bei Großveranstaltungen generell versucht wird, die Veranstaltung erst einmal zu verschieben. Das wäre auch bei anderen Gründen der Fall, etwa wenn eine Veranstaltung nicht stattfinden kann, weil einer der Künstler krank wurde.

Die bereits gekauften Tickets behielten dann ihre Gültigkeit und die Besucher werden vorab informiert. Sollte es dann aber auch trotz Bemühungen zu keinem Nachholtermin kommen können, müsse von Fall zu Fall entschieden werden. In den allermeisten Fällen wäre aber eine Rückerstattung der Tickets möglich.

Wie das bei Bundesliga-Spielen funktionieren soll, ist noch unklar. In Italien wurde das Fußballspiel zwischen Juventus Turin und Inter Mailand am vergangenen Sonntag wegen der Ausbreitung des Coronavirus in Italien um eine Woche auf den 8. März verschoben. Das Spiel findet nun vor leeren Rängen und ohne Zuschauer statt.

(lw)

Zehntausende Corona-Neuinfektionen pro Tag: Doch was wird aus dem Silvester-Feuerwerk in Hamburg, Köln, München und anderen Großstädten?

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht – das ist die Eilmeldung, die seit Wochen tagtäglich durch die Medien geht. Auch wenn die Zahl der Corona-Neuinfektionen, die die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut gemeldet haben, an diesem Donnerstag den dritten Tag in Folge gesunken sind, liegt die Inzidenz noch immer bei 439,2. Zum Vergleich: Am 22. Dezember 2020 lag sie bei 197,6, dem damaligen Höchststand. Damals hatten sich Politikerinnen und Politiker dazu entschieden, Silvesterfeuerwerke bundesweit abzusagen – um die Intensivstationen nicht zusätzlich mit Verletzten zu belasten.

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