Deutschland

Polit-Tinder zur Bayernwahl, Folge 3: der bürgerliche Dreier

Am Sonntag ist Matchday! Die CSU wird sich dann einen Partner zum Regieren suchen. Müssen. 

"Je nach Statistik geraten zwischen 30 und 60 Prozent der Männer und Frauen zumindest einmal in ihrem Leben in ein 'Beziehungsdreieck'", sagt der Sexualtherapeut Richard L. Fellner.

Am Sonntag könnte es auch die CSU erwischen. Moment. Ménage-à-trois. Klingt so gar nicht bürgerlich. Sollte aber die CSU am 14. Oktober wie erwartet ihre absolute Mehrheit verlieren, muss sie sich neue Partner suchen. Will sie Koalitionen mit Sozialdemokraten und Grünen umschiffen, kommen eigentlich nur noch die Freien Wähler und die FDP in Frage. Reicht es für CSU und Freie Wähler alleine rechnerisch nicht, dann muss der bürgerliche Dreier her.

Söder hat Glück. watson hilft bei der Partnersuche. Die CSU hat da ja wenig Erfahrung. Seit 1966 regiert sie (mit einer Ausnahme) in Bayern allein. Also haben wir furchtbar zeitgemäß an den Tinderprofilen für die Kennenlernphase nach der Wahl geschraubt.

Die Koalitionssuche in der Tinder-Edition:

 Stern sucht Schnuppe...

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Markus Söder braucht Anschluss. Die Freien Wähler sind für eine Koalition zu haben – und ihr Chef Hubert Aiwanger für einen Ministerposten. Der kündigte schon mal an, der CSU die Arroganz austreiben zu wollen. In Umfragen liegen die Freien Wähler bei zehn bis elf Prozent. Als ursprünglich kommunale Kraft sind sie vor allem auf dem Land stark. Im Freistaat stellen sie viele Landräte und Bürgermeister.

Inhaltliche Schnittmengen mit der CSU gibt es vor allem in Fragen der Migration. In der Asylpolitik formulierte Hubert Aiwanger in der Vergangenheit mindestens ähnlich scharf wie die CSU. In anderen Politikfeldern sind die Freien Wähler allerdings näher bei Grünen und SPD. Beispielsweise bei der Bildungspolitik, bei der Forderung nach Abschaffung der Kita- und Krippengebühren oder auch was die Ablehnung der dritten Startbahn betrifft. 

Gerade personell aber sind die Freien Wähler im Grunde Fleisch vom Fleisch der CSU. Viele Parteimitglieder haben eine CSU-Vergangenheit. Man kennt sich. Man mochte sich irgendwann mal. Man hat sich auseinander gelebt.

Hubert Aiwanger will regieren und spürt bereits "deutliche Signale aus der Basis der CSU, dass wir ihr Wunsch-Koalitionspartner sein werden". Der studierte Agraringenieur betreibt einen kleinen Bauernhof in Rahstorf und ist Hobbyjäger. Und auch nach zehn Jahren in der Landespolitik spricht er so einen ausgeprägten niederbayerischen Dialekt, dass er manchmal Aussagen wiederholen muss, damit sie verstanden werden.

Er will unbedingt!

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Problem: FDP. 

Die mag Aiwanger überhaupt nicht. Das seien "die Grünen mit pinker Krawatte", polterte er. Sollte die FDP aber am Sonntag die Fünf-Prozent-Hürde packen und in den Landtag einziehen, werden CSU und Freie Wähler die FDP brauchen. Unterm Strich wäre den Freien Wählern ein Dreierbündnis mit CSU und Liberalen immer noch lieber als eine schwarz-grüne Regierung ganz ohne Regierungsbeteiligung.

Auch der in Italien geborene Spitzenkandidat der FDP, Martin Hagen, ist für eine Regierungsbeteiligung offen. "Die FDP möchte Verantwortung übernehmen, das geht in der Regierung besser als in der Opposition."

Allerdings: Die Grenzpolizei der CSU in Bayern bezeichnete er als PR-Gag und Placebo. Die obsessive Fokussierung Seehofers und Söders auf die Flüchtlingsfrage und den Streit zwischen CDU und CSU im Sommer bewertete er als "extrem abstoßend". "Mir kommen auch zunehmend Zweifel an der Regierungsfähigkeit dieser Partei."

Muss Söder Hagen zum Regieren tragen?

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Bleibt die Frage: CSU + FW + FDP = ...

Hubert Aiwanger ist mindestens so selbst- und machtbewusst wie Markus Söder und kann es kaum abwarten, auch überregional endlich durchzustarten. "Sollten wir in Bayern in eine Regierung kommen, werden wir auch auf Bundesebene Akzente setzen können", sagte er jüngst. Das wiederum könnte zum Problem werden. Außerdem ist die Lindner-FDP sehr sprunghaft, wenn es darum geht, sich an einer Koalition zu beteiligen. Dann wahrscheinlich als kleinste innerhalb einer Dreierkoalition. Die Frage wird dann sein, ob die CSU nicht eine womöglich stabilere Zweierkonstellation vorziehen wird.

Oder um im Tindermatch zu bleiben: Eine Dreier-Beziehung ist der Psychologin Eva Neumann zufolge extrem instabil: "Auf Dauer fühlt sich einer immer vernachlässigt." Und der Psychologe Hans Jellouschek erzählt in seinem Buch "Im Irrgarten der Liebe: Dreiecksbeziehungen und andere Paarkonflikte" die Geschichte über das Liebesdreieck bestehend aus Zeus, dessen Frau Hera und der Geliebten Semele. Hera findet natürlich heraus, dass Zeus sich mit der jüngeren Semele vergnügt. Und bringt ihn schließlich mit einer List dazu, sich vor seiner Geliebten nicht als Mensch, sondern in seiner ganzen Pracht als Gott zu zeigen. Die Geliebte wird vom Glanz geblendet und stirbt.

Sind die Rollen klar verteilt, kann eine Dreierkombination funktionieren. Versuchen sich allerdings Söder und Aiwanger gegenseitig zu blenden, dann hat Bayern ein Problem.

Beziehungswahrscheinlichkeit: Heiter bis wolkig.

Fazit: Es wird wahrscheinlich an der FDP hängen. Wieder einmal.

(mit dpa)

Und sonst? Ich möchte das Wort Vulvalippen etablieren!

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Video: watson/Gunda Windmüller, Lia Haubner

Eine Galerie ohne Worte:

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