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Friedrich Merz bei seiner Rede auf dem Mittelstandsforum in Berlin. Bild: picture alliance/Kay Nietfeld/dpa

Merz macht geschmacklosen Witz auf Kosten von AKK – SPD: "Chauvi"

Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz und sein möglicher Konkurrent um den Parteivorsitz, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, haben am Donnerstag gemeinsam an einer Sitzung des CDU-Wirtschaftsrats teilgenommen.

Laschet habe einen Vortrag unter dem Motto "Neue Dynamik in Deutschland und Europa" gehalten, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstagabend aus Parteikreisen. Laschet habe in der nichtöffentlichen Sitzung seine Vorstellungen präsentiert, wie sich die Union nach dem angekündigten Rückzug von Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer neu aufstellen solle.

Merz kam anschließend zu einer Veranstaltung des Berlin "Forums Mittelstand". Dort hielt er einen Vortrag unter dem Titel "Was nun Deutschland? – (Aus-)Wege in eine gute Zukunft!". Bei seinem Eintreffen um kurz nach 18.00 Uhr wurde Merz mit Beifall und Johlen begrüßt. Mitglieder von der Jungen Union hielten Schilder mit Aufschriften wie "Ein Herz für Merz" oder "Kanzler Merz" hoch.

Merz witzelt über Kramp-Karrenbauer

Dann legte Merz auch prompt los – und zwar mit einem geschmacklosen Witz auf Kosten der Noch-CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Die nannte er zwar nicht beim Namen – aber das machte seinen Spruch nur noch fieser.

Keiner hätte ahnen können, dass am 10. Februar so ein Sturm durch Deutschland gehe, sagte Merz zu Beginn seiner Rede. Dieser Sturm werde in die Geschichte Deutschlands eingehen. Zur Erinnerung: Am 10. Februar traf der Sturm "Sabine" auf Deutschland – und am 10. Februar kündigte auch Kramp-Karrenbauer ihren Rückzug als CDU-Vorsitzende an.

Darauf spielte Merz auf fiese Art und Weise an. Es sei "reiner Zufall", dass Sturmtiefs in 2020 Frauennamen haben, witzelte Merz und setzte einen ironischen Gesichtsausdruck auf. "Das lässt keine politischen Assoziationen zu."

Indem er das sagte, erweckte Merz aber genau diese politisch Assoziation: Annegret, das Unwetter-Tief.

Merz verwies darauf, dass die USA einst eingeführt hätten, dass Tiefdruckgebiete in einem Jahr Frauennamen und im nächsten Männernamen tragen. "Die schlechte Nachricht für alle Männer also: Im nächsten Jahr ist es umgekehrt", sagte er.

"Was an diesem Tag in Thüringen passiert ist, ist vollkommen unakzeptabel"

Im Anschluss sagte Merz: "Der 10. Februar ist ein Tag in Deutschland, der die Politik bewegt. Dieser Tag hat einen Vorlauf. Dieser Vorlauf datiert aus den Wochen zuvor." Damit spielte Merz unter anderem auf die Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) zum Ministerpräsidenten Thüringens mit Stimmen der AfD an.

"Was an diesem Tag in Thüringen passiert ist, ist vollkommen unakzeptabel", stellte Merz klar. Sein Kommentar zur AfD: "Es gibt für die Union keine Zusammenarbeit mit diesen Leuten. Gleich, in welcher Konstellation."

Dennoch müsse man sich die Frage stellen, wie es dazu kommen konnte, dass ein Land wie Thüringen in der politischen Mitte keine Mehrheit mehr habe. Merz' Antwort: Orientierungslosigkeit und empfundene Führungslosigkeit hätten die politischen Ränder erstarken lassen.

Die Union müsse daher zum nächsten Bundestagswahlkampf viele politische Sachfragen klären. Damit gehe kein Bruch "mit den letzten 15 Jahren" einher. Im Ergebnis seien das "gute Jahre für Deutschland" gewesen, so Merz, der damit vermeiden möchte, die Ära Merkel niederzureden. Denn Merz weiß: Das kommt nicht gut an. Beim AKK-Witz fehlte ihm wohl dieses Gespür. Das fanden auch prominente Politiker.

Kritik an AKK-Witz

Lars Klingbeil, Generalsekretär der SPD, kommentierte auf Twitter: "Friedrich Merz möchte aus dem 19. Jahrhundert abgeholt werden. Was für ein Chauvi!"

Merz' Parteikollegin Karin Prien, Bildungsministerin in Schleswig-Holstein, schrieb auf Twitter: "Herrenwitz reloaded. Eine geistig-moralische Wende der besonderen Art."

(hau)

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