In Deutschland müssen die Clubs jetzt wegen des Coronavirus schließen.
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Bild: Getty

Coronavirus: Zahlen zeigen, warum jungen Menschen eine wichtige Rolle zukommt

19.03.2020, 13:33

Ab jetzt heißt es: zu Hause bleiben. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, müssen wir soziale Kontakte meiden. Das ist der Appell der Behörden und der Politik an alle Menschen in Deutschland.

Eine Bevölkerungsgruppe sollte bei diesen Appellen besonders im Fokus stehen: die jungen Leute. Denn Zahlen aus Südkorea zeigen, dass sich die 20- bis 29-Jährigen in dem Land am häufigsten angesteckt haben.

Das geht aus einer Analyse des niederländischen Ökonomen Andreas Backhaus hervor, die dieser auf "Medium" veröffentlicht hat. Knapp 30 Prozent der 8100 registrierten Infektionen in Südkorea betreffen die 20- bis 29-Jährigen. Seine Analyse stützt Backhaus dabei auf die Zahlen der südkoreanischen Nachrichtenagentur news1.

Bei der Betrachtung der Balken in dem Tweet fällt auf: In Italien ist die Altersverteilung aller verzeichneten Coronavirus-Fälle ganz anders. Vor allem alte Menschen sind hier offenbar infiziert.

Warum unterscheiden sich die Zahlen so stark?

Man darf annehmen, dass die Verteilung in Südkorea der Realität sehr viel eher entspricht. Kein Land hat seit Ausbruch des Coronavirus in China so streng, so rigoros und vor allem so viel auf das Virus getestet wie Südkorea. Rund 4000 Tests pro Million Einwohner – viermal soviel wie in Italien, 156 Mal so viel wie in den USA, wie der "Tagesspiegel" analysiert.

Viele Experten schätzen, dass die echten Fallzahlen in Italien viel, viel höher sind, als bisher bekannt. Zahlreiche Menschen, die das Virus in sich tragen, aber vielleicht keine Symptome zeigen, wurden in den vergangenen Wochen vermutlich nicht getestet. Diese unerkannten Virus-Träger dürften vor allem junge Menschen sein, bei denen der Krankheitsverlauf von Covid-19 meistens mild verläuft.

Das bringt eine große Gefahr mit sich: Junge Menschen könnten "Super-Spreader", Super-Verbreiter, des Virus sein. Denn diese Gruppe ist besonders aktiv, geht feiern, trifft Freunde.

Havard-Wissenschaftler warnt

Genau davor warnte am Wochenende bereits der Harvard-Wissenschaftler Eric Feigl-Ding auf Twitter. Er hatte sich die Zahlen aus Südkorea ebenfalls angesehen. "Wenn die sozial aktiven 20- bis 29-Jährigen wirklich 30 Prozent der Fälle tragen – dann bedeutet das Ärger!"

Noch gibt es für diese These keinen eindeutigen Beleg. Darauf weist auch der "Tagesspiegel" eindeutig hin.

Aber die Zahlen aus Südkorea sollten eine Mahnung sein, welche Verantwortung allen Menschen in unserer Gesellschaft, gerade auch den Jungen, zukommt, um das Coronavirus zu besiegen.

In Berlin etwa mussten Polizeibeamte über das Wochenende zu Dutzenden Einsätzen ausrücken, weil einige Barbetreiber und Clubs ihre Türen (noch) nicht geschlossen hatten. Die Berliner Behörden suchten zudem am Wochenende nach einem Klubgänger, der sich als Infizierter herausgestellt hatte. 17 Stunden war die Person feiern. Die Kontaktpersonen dieser Personen zu finden, dürfte unmöglich werden.

Das Risiko während dieser Coronavirus-Pandemie tragen die älteren Menschen. Auch in Südkorea verzeichnet diese Altersgruppe mit über fünf Prozent weitaus mehr Todesfälle als die Jüngeren. Insgesamt liegt die Fallsterblichkeit in dem Land bei 0,7 Prozent.

Wer sich das Virus gar nicht erst holt, weil er zu Hause bleibt und die gängigen Hygiene-Maßnahmen beachtet, der kann auch keine älteren Menschen infizieren.

(ll)

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