Am Anfang der Pandemie steckten sich bei Tönnies viele Mitarbeiter an. Jetzt kommt heraus: Das war noch nicht alles.
Am Anfang der Pandemie steckten sich bei Tönnies viele Mitarbeiter an. Jetzt kommt heraus: Das war noch nicht alles.Bild: www.imago-images.de / Revierfoto

WDR-Recherche zeigt nächsten Corona-Skandal bei Tönnies – Gesundheitsamt-Mitarbeiter packt aus

20.02.2022, 19:12

Bei Tönnies hat es erneut einen Corona-Skandal gegeben. Mitarbeiter des Lebensmittelunternehmens hätte sich entgegen der offiziellen Regelung bereits nach zwei Tage "freitesten" können. Dies haben Recherchen des WDR-Magazins "Westpol" ergeben. Das Kreisgesundheitsamt Gütersloh habe Tönnies als "Spezialfall" behandelt, wie interne Anweisungen zeigten.

Im Januar traf die Omikron-Welle auch Deutschland mit voller Wucht, Gesundheitsämter verfolgten teilweise keine Infektionsketten mehr nach, da sie nicht mehr hinterherkamen. Die geltende Regelung zu diesem Zeitpunkt war, dass sich Corona-Infizierte frühestens nach sieben Tagen freitesten konnten. Genau zu diesem Zeitpunkt gesteht das Gesundheitsamt ausgerechnet Tönnies eine Sonderregelung zu.

Positiv auf Corona getestete Angestellte durften demnach deutlich früher die Quarantäne verlassen.

Beim Tönnies-Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück gab es 2020 einen Corona-Ausbruch mit über 1000 Infizierten Mitarbeitern.
Beim Tönnies-Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück gab es 2020 einen Corona-Ausbruch mit über 1000 Infizierten Mitarbeitern.Bild: www.imago-images.de / Travel-Stock-Image

Gesundheitsamt-Mitarbeiter packt aus

Ein Mitarbeiter des Kreisgesundheitsamts Gütersloh schilderte die Lage: "Es gab den Fall, dass jemand nach drei oder vier Tagen schon wieder aus der Quarantäne entlassen wurde, obwohl er einen ersten positiven PCR-Test hatte." Der Informant berichtet außerdem, dass nach weniger Tagen als üblich bereits ein Nachtest durchgeführt wurde. "Wenn diese geringere Viruslast, aber immer noch Virus-Positiv anzeigte, konnten wir diese Person wieder entlassen", berichtet der Mitarbeiter.

Der Ablauf soll so ausgesehen haben: Geimpfte und symptomfreie Infizierte bekamen nach 48 einen zweiten PCR-Test beim Amt bestellt. Dieser zweite Test wurde von einem mobilen Team zu Hause beim Mitarbeiter durchgeführt. War der PCR-Test negativ oder positiv mit einer weiterhin niedrigen Viruslast, wurde der Tönnies-Mitarbeiter sofort aus der Quarantäne entlassen. Im frühesten Fall also bereits nach zwei Tagen.

Gesundheitsamt dementiert Vorwürfe

Die Kreisverwaltung Gütersloh wollte sich nicht in einem Interview äußern, dementierte die Vorwürfe jedoch. Der Mitarbeiter des Gesundheitsamts berichtet jedoch, dass es allein für Tönnies diese Art Regelung gegeben habe: "Eine Sonderregel in der Form gibt es für niemanden, außer für Tönnies. Es gab immer Mitarbeiter, die sich nur um die Tönnies-Fälle gekümmert haben. Das gab es bei vergleichbaren Unternehmen im Kreis Gütersloh sonst nirgends."

Praktisch alle Corona-Fälle bei Tönnies hätten beim Gesundheitsamt eine hohe Priorität gehabt. Der Informant sagt zudem: "Wenn diese Kriterien erfüllt waren, durfte ich den [Tönnies-Mitarbeiter] einfach so entlassen und musste das nicht mit der Teamleitung oder einem Arzt absprechen, das war nicht nötig."

Das Fleischunternehmen Tönnies war bereits 2020 durch mangelnde Corona-Schutzmaßnahmen in die Kritik geraten. Von 6.139 getesteten Tönnies-Werksmitarbeitern hatten sich 1.413 im Juni 2020 mit Covid-19 infiziert.

(si)

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
"Am Elternhaus darf es nicht scheitern": Wie die BAföG-Reform das Aufstiegsversprechen für junge Menschen erneuern soll
Christian Dürr ist seit dieser Legislaturperiode der Fraktionsvorsitzende der FDP im Bundestag. Teil dieser Fraktion ist auch Ria Schröder. Sie war früher Vorsitzende der Jungen Liberalen, der Jugendorganisation der FDP. Beide sind im Bundesvorstand der Partei. Über die Bafög-Reform soll am Donnerstag, 23. Juni, im Bundestag abgestimmt werden. Mit Blick auf die steigenden Kosten durch die Inflation hat die Ampelkoalition das Gesetz kurz vor der Abstimmung noch einmal angepasst.

Manche junge Menschen entscheiden sich nach der Schule dafür, nicht zu studieren. Zum Beispiel, weil sie lieber eine berufliche Ausbildung machen, weil sie Tischlerin werden oder einen Pflegeberuf ergreifen wollen. Sie möchten schnell Geld verdienen oder selbst ein Unternehmen gründen.

Zur Story