Bundesgesundheitsminister Jens Spahn CDU und der Ministerpraesident von Bayern, Markus Soeder CSU, besuchen das Impfzentrum im Messezentrum in Nuernberg, 11.12.2020. N

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und der Ministerpräsident von Bayern, Markus Soeder (CSU), besuchten Mitte Dezember das Impfzentrum im Messezentrum in Nürnberg. Bild: www.imago-images.de / Xander Heinl/photothek.de

Söder fordert mehr Tempo bei der Impfstoff-Produktion – Spahn zeigt sich irritiert über vorzeitigen Impfbeginn

In Deutschland und vielen weiteren Ländern der EU starten am Sonntag offiziell die Impfkampagnen gegen das Coronavirus. Um die Menschen möglichst schnell mit einem Vakzin zu versorgen, forderte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mehr Tempo bei der Produktion von Corona-Impfstoffen. Das Deutsche Rote Kreuz lobte die Bereitschaft der Deutschen, in den Impfzentren zu helfen. Europol warnte derweil vor gefälschten Vakzinen.

Die Impfungen mit dem Mittel der Hersteller Biontech und Pfizer beginnen in Alten- und Pflegeeinrichtungen, dafür stehen mobile Impfteams bereit. Wer zuerst geimpft wird, entscheiden die Bundesländer und Behörden vor Ort. Die ersten Impfdosen waren am Samstagmorgen in den Bundesländern eingetroffen. In den kommenden Tagen und Wochen sollen stetig weitere Dosen geliefert werden.

"Es gibt einfach zu wenig Impfstoff"

Söder drängte zur Eile bei der Herstellung des Vakzins. "Leider kann es keine schnelle Entwarnung geben. Denn es gibt einfach zu wenig Impfstoff", sagte Söder der "Bild am Sonntag. "Daher muss das Tempo der Produktion massiv verstärkt werden. Sonst müssen viele Menschen zu lange warten."

An der zur Verfügung stehenden Menge des Impfstoffes hingen alle anderen Maßnahmen, betonte Söder. "Je mehr Impfstoff, desto mehr Freiheit. Je weniger, desto länger dauern die Beschränkungen." 

DRK arbeitete seit Wochen beim Aufbau der Impfzentren mit

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) stellte eine große Bereitschaft zum Einsatz in den Impfzentren fest. In Sachsen etwa seien im Zusammenhang mit den Impfzentren rund 300 neue Mitarbeitende gesucht worden, sagte die DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt der "Rheinischen Post". Allein innerhalb einer Woche hätten sich 2000 Menschen beworben, viele aus dem Bereich Tourismus, aber auch Studierende und Rentner. 

Das DRK habe seit Wochen bei der Planung und dem Aufbau der Impfzentren mitgearbeitet, sagte Hasselfeldt. "Bislang sind die Helferinnen und Helfer des DRK an 270 der geplanten rund 400 Impfzentren beteiligt. Aktuell sind einige Tausend DRK-Kräfte involviert, der Großteil davon ehrenamtlich."

Spahn irritiert von erster Impfung

Bereits am Samstag war in Halberstedt in Sachsen-Anhalt als erste Deutsche eine 101-jährige Frau geimpft worden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigte sich überrascht von dem eigenmächtig vorgezogenen Impfstart im Landkreis Harz.

Ein Sprecher Spahns sagte der "Bild am Sonntag", der Minister wünsche der in einem Pflegeheim geimpften Edith K. "alles Gute" und freue sich mit ihr. "Allerdings hatten wir mit allen Partnerländern der EU und mit den 16 Bundesländern vereinbart, am Samstag an alle auszuliefern und ab Sonntag gemeinsam mit den Impfungen zu beginnen."

Die europäische Polizeibehörde Europol warnte derweil vor gefälschten Impfstoffen und anderen Straftaten im Zusammenhang mit dem Vakzin. "Wir haben den Mitgliedstaaten bereits eine Warnmeldung übermittelt und sie aufgerufen, sehr wachsam zu sein", sagte Europol-Direktorin Catherine De Bolle den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Es bestehe die reale Gefahr, dass kriminelle Gruppen versuchten, den Bedarf an Impfstoffen für ihre Verbrechen auszunutzen, sagte De Bolle. So werde von Kriminellen etwa Impfstoff angeboten, der nach der Bezahlung gar nicht geliefert werde. "Oder die Täter bieten gefälschten Impfstoff an - wenn man Opfer eines solchen Betrugs wird, kann das natürlich ernste gesundheitliche Folgen haben", sagte die Europol-Direktorin. "Wir haben bereits solche Hinweise. Es gibt schon Impfstoff-Angebote zum Beispiel in sozialen Netzwerken."

De Bolle warnte zugleich vor Diebstahlversuchen. Bereits im ersten Lockdown während des Frühjahrs hätten es Banden zum Beispiel auf Schutzmasken-Transporte abgesehen.

(hau/afp)

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