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Ist Corona wirklich gefährlich? Virologin Melanie Brinkmann kann es nicht mehr hören. bild: screenshot phoenix

"Ich bin es leid": Virologin Brinkmann mit leidenschaftlichem Appell

Auf der Bundespressekonferenz am Dienstag sprachen unter anderem Jens Spahn und der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts, Lars Schaade. Spahn sprach im Zusammenhang mit Corona von einer "Mammutaufgabe" für Regierung und Gesellschaft.

Zu Gast auf der Bundespressekonferenz war auch Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Sie kam erstmal einige Minuten zu spät, weil ihr Zug Verspätung hatte. Dafür legte sie dann umso vehementer los.

"Ich habe kein Skript vorbereitet. Ich dachte, ich rede einfach mal so frei heraus", begann sie ihre Ausführungen.

Das Coronavirus mache allen das Leben schwer. Das Heikle an dem Virus sei, dass es sich so leicht verbreite – und dass viele Menschen, die infiziert sind, es gar nicht merken, weil sie keine oder kaum Symptome zeigten, so Brinkmann. "Es ist viel gefährlicher, als ein Virus, das Menschen richtig krank macht. Denn die bleiben zu Hause und stecken niemanden an und dadurch kann das Virus nicht weiter ausgebreitet werden", sagte sie.

"Wir haben den Sommer damit verschwendet, darüber zu diskutieren: Wie gefährlich ist das eigentlich?"

Es werde immer wieder dazu kommen, dass man das exponentielle Wachstum stoppen müsse, führte Brinkmann weiter aus – und redete sich regelrecht in Rage.

"Ich bin es ehrlich gesagt etwas leid. Wir haben den Sommer damit verschwendet, darüber zu diskutieren: Wie gefährlich ist das eigentlich? Funktionieren eigentlich die PCR-Tests?"

Damit kritisierte sie die Menschen, die immer wieder Zweifel an der Gefährlichkeit des Virus streuen – obwohl Virologen das Gegenteil predigen. "Ich erzähle doch auch dem Automechaniker nicht, wo der Motor am Autor ist, das er reparieren soll", schimpfte Brinkmann schließlich und setzte eine angesäuerte Miene auf.

Brinkmann mit eindringlichem Appell

Wir müssten uns klarmachen, was wir in der Pandemie erreichen wollten, so ihr dringender Appell. "Wir müssen dafür sorgen, dass die medizinische Versorgung für alle Bürgerinnen und Bürger dieses Landes funktioniert." Deswegen gelte es, die Welle zu brechen. Das Ziel der wirtschaftlichen Erholung und der offenen Schulen werde man ebenfalls nur erreichen, wenn man jetzt die Zahlen nach unten drückt.

Man müsse den Lockdown nutzen, um konstruktive Lösungen zu finden", so Brinkmann. Immer wieder wird damit argumentiert, dass aktuell die Zahl der Intensivbetten ja noch nicht knapp sei. Auch das nervt die Virologin sichtlich.

"Ich frage mich manchmal: Über was reden wir hier eigentlich? Wir wollen doch eigentlich diese Intensivbetten gar nicht füllen. Das sind schwerkranke Menschen, die dort versorgt werden. Ich sage ja auch nicht, ich brauche keinen Anschnallgurt mehr, weil unsere Chirurgen es mittlerweile echt gut drauf haben, Menschen zusammenzuflicken. Das ist ja völlig absurd, diese Argumentation."

Deswegen sei Prävention das Beste.

"Wie viel Redezeit habe ich eigentlich?", fragte Brinkmann die Gastgeberin der Bundespressekonferenz schließlich, als sie sich in Rage geredet hatte. Lachen im Saal. Brinkmann schloss mit dem Appell, unsere Kontakte so weit wie möglich zu reduzieren.

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