Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steht nach der Aufzeichnung der traditionellen Weihnachtsansprache im Schloss Bellevue neben einem geschmückten Weihnachtsbaum.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steht nach der Aufzeichnung der traditionellen Weihnachtsansprache im Schloss Bellevue neben einem geschmückten Weihnachtsbaum.
Bild: dpa / Hannibal Hanschke

Steinmeier beschwört das Licht am Ende des Tunnels

24.12.2020, 08:48

Zu Weihnachten hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Leid und Verzicht in der Corona-Krise anerkannt, aber auch Hoffnung gemacht. "Eine schwere Zeit liegt hinter uns. Die Pandemie wirft ihren Schatten auch auf dieses Weihnachtsfest", sagte er in seiner Weihnachtsansprache, die am 25. Dezember ausgestrahlt werden soll. "Aber wir dürfen uns darauf freuen, dass wir das nächste Weihnachten wieder so feiern, wie wir es lieben: im großen Kreis der Familie, mit unseren Freunden, mit Umarmungen und Gesang."

Es gebe Grund zur Zuversicht, betonte der Bundespräsident. Seit dieser Woche seien Impfstoffe zugelassen, ab Sonntag werde geimpft. "Vor uns liegt noch ein längerer, auch beschwerlicher Weg. Aber wir sehen das lang ersehnte Licht am Ende des Tunnels heller werden. Wir werden dem Ausgang aus der Krise jetzt Schritt für Schritt näherkommen."

Steinmeier erinnert an Einsatz des Personals auf Intensivstationen

Das Staatsoberhaupt beschrieb die verheerenden Auswirkungen der Corona-Krise. "Ein winziges Virus hat Besitz ergriffen von unserem Leben und unserem Denken, hat Pläne durchkreuzt und Träume zerstört." Die Menschen hätten auf vieles verzichten müssen, auf das sie sich gefreut hätten. "Die Pandemie hat uns daran erinnert, wie verletzlich wir Menschen sind, wie zerbrechlich das ist, was wir unser 'normales Leben' nennen."

Unbeschwert Weihnachten zu feiern, falle schwer, sagte Steinmeier. "Viele Ältere und Kranke bleiben allein, um sich vor dem Virus zu schützen. Für manche, gerade Jüngere, war diese Stille Nacht viel zu still." Er erinnerte an den Einsatz des Personals auf den Intensivstationen und die Sorgen ihrer Freunde oder Verwandten. "Ich denke an die Menschen, die den Kampf gegen die Krankheit verloren haben. Viele sind einen bitteren, einen einsamen Tod gestorben, und sie alle fehlen." Auch Deutschlands europäische Nachbarländer litten, Familien, Künstler, Gastwirte oder Einzelhändler.

Steinmeier bat aber auch: "Vergessen wir bitte neben den vielen dunklen die hellen Seiten dieses Jahres nicht. Gerade in diesen Tagen erleben wir doch: Das Virus treibt uns nicht auseinander. Im Gegenteil, es lässt uns zusammenrücken." Viele Menschen wüchsen über sich hinaus und bekämpften das Virus. Viele unterstützten "den Laden ums Eck, die Musikschule, den Sportverein" oder engagierten sich ehrenamtlich. "In einer Zeit der Verunsicherung haben wir gelernt, dass wir unserer Demokratie vertrauen können." Diejenigen, die die Gefahr des Virus leugneten, seien zwar oft besonders laut. "Aber die Vernünftigen sind die große Mehrheit."

Bundespräsident mahnt zur Solidarität mit den Jüngeren

Deshalb sei auch dieses Weihnachten ein Fest der Hoffnung, sagte Steinmeier. "Die allermeisten Menschen in unserem Land handeln rücksichtsvoll und solidarisch – nicht, weil der Staat es ihnen befiehlt, sondern aus Vernunft, Mitgefühl und Verantwortung. Ich wünsche mir, dass wir diesen Bürgersinn mitnehmen in das kommende Jahr." Er mahnte zur Solidarität gerade mit den Jüngeren, die beim Berufseinstieg, bei Ausbildung oder Studium von der Pandemie ausgebremst worden seien.

Aus den Erfahrungen der Pandemie ließen sich Mut und Kraft auch für den Umgang mit anderen Bedrohungen wie dem Klimawandel, Hunger oder Armut schöpfen, sagte Steinmeier. "Lassen Sie uns gemeinsam handeln – in unserem Land, in Europa, mit einer neuen Regierung jenseits des Atlantik, auch weltweit."

(mse/dpa)

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