Deutschland
Christian Drosten, Direktor am Institut fuer Virologie der Charite Berlin, aufgenommen im Rahmen einer Presseunterrichtung des Bundesgesundheitsministeriums zur Ausbreitung des Coronavirus. In der Bundespressekonferenz in Berlin, 09.03.2020. Berlin Deutschland *** Christian Drosten, Director at the Institute of Virology of the Charite Berlin, recorded during a press briefing of the Federal Ministry of Health on the spread of the coronavirus At the Federal Press Conference in Berlin, 09 03 2020 Berlin Germany Copyright: xJaninexSchmitz/photothek.netx

Videos, wie sie der deutsche Arzt Wolfgang Wodarg (im Kasten) verbreitet, sind brandgefährlich. auch Virologe Christian Drosten warnt vor den falschen Informationen. Bild: imago images / photothek/youtube / Janine Schmitz/photothek.net via

Arzt glaubt, Corona sei "Panikmache": Virologe enttarnt Behauptungen

Wolfgang Wodarg hält die Corona-Krise für Panikmache, seine Videos finden rasche Verbreitung. Charité-Virologe Christian Drosten enttarnt die Aussagen des ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten.

Derzeit bringt es ein gewisser Wolfgang Wodarg zu zweifelhaftem Ruhm. Die Videos des Ex-SPD-Bundestagsabgeordneten finden gerade enorme Verbreitung, über Whatsapp, Facebook und auf Youtube. Das Problem daran: Der Lungenarzt glaubt, die Bemühungen Europas um eine Verlangsamung der Ausbreitung des Coronavirus seien "Panikmache".

Er verkündet seinen Glauben hinter runden Brillengläsern in eine Kamera und weil er dabei keinen Aluhut trägt, Politiker war und auch noch Mediziner ist, kann man ihn für eine (vermeintlich) gute Quelle für Infos und Einschätzungen halten. Das macht Wodargs Videos gefährlich.

Die kurzen Filme heißen "Stoppt die Corona-Panik" oder "Krieg gegen die Bürger" und in ihnen behauptet Wodarg, Coronaviren habe es schon immer gegeben. Bisher habe man ihnen einfach keine so große Aufmerksamkeit geschenkt. Jeden Winter stürben Menschen an der Grippe, unter ihnen auch solche, die mit dem Coronavirus infiziert worden seien.

Der Lockdown in Spanien und Italien, die Bemühungen Österreichs, Deutschlands und der Schweiz, die Maßnahmen, die unsere Nachbarn ergriffen haben, diese Vollbremsung eines wirtschaftlichen Hochgeschwindigkeitszuges, bei der keiner das Ergebnis absehen kann – das alles hält Wodarg für "Panikmache" und den Versuch einiger Wissenschaftler, sich mit Coronatests zu bereichern.

Wodarg erreicht mit seinen Videos Hunderttausende

Allein: Was Wodarg in seinen Videos behauptet, ist schlicht und ergreifend falsch. Christian Drosten ist Chef-Virologe an der Berliner Charitè und informiert in seinem "Coronavirus-Update" vom NDR jeden Tag ganz Deutschland. Drostens mitunter größte Aufgabe ist es vor allem, falsche Behauptungen in Bezug auf das Virus zu widerlegen. Er will Panik verhindern, aber gleichzeitig den Ernst der Lage klar machen.

Drosten sagt zu Wodargs Behauptungen:

"Es gibt natürlich Corona-Viren, vier Stück in der menschlichen Bevölkerung. Die sind endemisch, also saisonal. Die kommen vor allem dann vor, wenn auch Grippezeit ist. Die haben mit dem neuen Coronavirus aber nichts zu tun, das kommt als Pandemie zu uns."

Drosten weiter:

"Das heißt: Es gibt eine Infektionswelle, wenn wir nichts tun. Und diese Infektionswelle ist das gleichzeitige Auftreten ganz vieler Coronavirus-Infektionen. Selbst wenn diese Infektionen genauso harmlos verliefen, wie die mit den vier altbekannten Coronaviren des Menschen, wäre das bedenklich. Es sind einfach zu viele Fälle auf einmal. Dazu kommt dann aber noch, dass der Verlauf mit diesem neuen Coronavirus eben nicht so harmlos ist wie mit den altbekannten Coronaviren."

An dieser Stelle unsere Bitte: Verbreitet diese Videos nicht weiter, und versucht, diejenigen aufzuklären, die sie euch schicken. Gute Informationen bekommt ihr bei uns, bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (u.a. ARD, ZDF), beim Robert-Koch-Institut und der Johns-Hopkins-Universität. Keine dieser Institutionen hat sich gegen die Bevölkerung verschworen, niemand will euch etwas Schlechtes. Es geht hier schlicht und ergreifend darum, Menschenleben zu retten, so abstrakt das im Moment auch noch aussehen und klingen mag.

Bitte haltet euch an die verordneten Maßnahmen. So ist es möglich, die Ansteckungskurve abzuflachen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Alexandra Violetta 21.03.2020 06:59
    Highlight Highlight Das ist die selbe Schwurbelei, die man von Inpfgegnern immer hört. Ich habe sowas in der Familie und es ist KEINE Freude... Aber was ist, wenn man den Leuten einfach mal erklären könnte, warum eine Grippe, die gefährlich und sehr anstrengend ist (hatte Sep'19 eine) und an der jährlich so viele Leute sterben KEINE solche Aufmerksamkeit erhält?! Dazu sieht und hört man nichts...
    • Thorsten 21.03.2020 17:50
      Highlight Highlight Das wird in so ziemlich allen brauchbaren Medien den ganzen Tag erklärt. Wenn man aber nix sehen und hören will
  • Sven Am 20.03.2020 16:18
    Highlight Highlight Was ich - und viele meiner Freunde und KollegInnen absolut nicht verstehen: Jedes Jahr sterben an gewöhnlicher Influenza ca. 200.000 Menschen - und KEINER verliert auch nur ein Wort darüber. Warum jetzt bei Corona, mit recht geringer Sterblichkeitsrate, all diese weltweiten Maßnahmen? Logisch ist das nicht. Wenn die Medien DAS vielleicht dem Normalbürger logisch erklären könnten, würde das sicher sehr helfen!
    • Alexandra Violetta 21.03.2020 07:00
      Highlight Highlight Die Frage stelle ich mir auch! Ich hatte letztes Jahr das erste Mal ne echte Grippe. Das war KEIN Zuckerschlecken. Eine Grippe ist für Hunderttausende jährlich gefährlich. Aber vielleicht liegt es einfach daran, dass man Grippe kennt und man sich impfen lassen kann? Trügerische Sicherheit halt.
    • Falk82 21.03.2020 10:31
      Highlight Highlight @Alexandra:
      Ja, trügerische Sicherheit. Auch wenn ich gegen Grippe geimpft bin heißt das nicht, dass ich sie nicht bekommen kann. Viren verändern sich ständig und die Impfung funktioniert nur, wenn ich diese Veränderung richtig vorhergesagt habe. Es ist also ein Glücksspiel!
  • Falk82 20.03.2020 12:56
    Highlight Highlight Ich kenne die Aussagen von Dr. Wodarg und ich vermisse in dem Artikel die Auseinandersetzung bzw. wissenschaftliche Widerlegung seiner Thesen. Daran sind schon andere gescheitert. Stattdessen werden plakativ Aussagen eines anderen Virologen wiedergegeben und es folgt das Fazit, sich an Empfehlungen der Bundesregierung bzw. des für sie tätigen RKI zu halten. Opium fürs Volk?
    • Thorsten 21.03.2020 17:59
      Highlight Highlight Ob andere daran gescheitert sind ist Ansichtssache. Glaube Studien dann doch mehr,als einen YouTube Video von einer doch bisschen zwielichtige Person, die in Verschwörungskreisen nicht unbekannt ist

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