Dunkelziffer Coronavirus Fälle - Interactive Maps Covid-19-Fälle vom Robert-Koch-Institut in Berlin, 20.03.2020 | Verwendung weltweit

Auf einer interaktiven Landkarte des Robert-Koch-Instituts lässt sich ablesen, wo das Corona-Virus besonders umgeht – und welche Regionen überhaupt keine Infektionen aufweisen. Bild: Geisler-Fotopress / Dwi Anoraganingrum/Geisler-Fotop

Karte zeigt: Das sind Deutschlands Corona-Hotspots

Deutschland diskutiert weiterhin über Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) stellte am Dienstag unterdessen den neuesten Lagebericht vor. Demnach ist die Reproduktionszahl R auf 1,0 gestiegen. Das bedeutet: Momentan steckt eine infizierte Person im Durchschnitt eine weitere an. Über die tatsächlichen Fallzahlen sage dieser Faktor allerdings nichts aus, erklärte RKI-Leiter Lothar Wieler. "R ist nur eine Messzahl von vielen", so Wieler.

Betrachtet man die Corona-Neuinfektionen der letzten sieben Tage auf der Landkarte, zeigt sich ein ganz anderes Phänomen: Die Infektionsherde unterscheiden sich stark in ihrer regionalen Ausbreitung. Als erste deutsche Stadt hatte sich Rostock in der letzten Woche Corona-frei erklärt.

Tatsächlich gibt es hauptsächlich im Norden des Landes einige Städte und Landkreise, die, wie Rostock, in der letzten Woche keinen bestätigten Corona-Fall melden konnten. In Brandenburg ist das die Stadt Cottbus sowie der Landkreis Prignitz. In Schleswig-Holstein der Kreis Dithmarschen und in Niedersachsen die Landkreise Wittmund, Friesland, Wesermarsch und Nienburg. Außerdem die Städte Suhl (Thüringen) und Pirmasens (Rheinland-Pfalz).

Corona-Hotspots hauptsächlich im Süden

Im Süden Deutschlands ist die Situation dagegen weitaus kritischer. Dort gibt es gleich mehrere rot markierte Landkreise. Am stärksten betroffen sind die bayrischen Städte Straubing, wo in den letzten Tagen 123,4 Infektionen pro 100.000 Einwohner vorkamen und Rosenheim mit 101,1 Neuinfektionen. In der vergangenen Woche waren laut der Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung in Straubinger Seniorenheimen Massentests durchgeführt worden, die neue Corona-Fälle ans Licht brachten.

In Bayern sind außerdem die Landkreise Traunstein und Neustadt a.d. Waldnaab stark betroffen. In Baden-Württemberg der Enzkreis, Reutlingen sowie der Zollernalbkreis. Zudem der Odenwaldkreis im südlichen Hessen.

Auch in der Region Reutlingen ist nach Angaben der Südwest Presse der Virus in mehreren Alten- und Pflegeeinrichtungen ausgebrochen, 9 Menschen seien gestorben.

Kontaktbeschränkungen in Bayern bis 10. Mai verlängert

Angesicht der weiterhin angespannten Lage mahnte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Dienstag bei einer Pressekonferenz zu den aktuellen Entwicklungen mit weitreichenden Lockerungen, "lieber eine Woche länger (zu) warten." Die Kontaktbeschränkungen seien daher bis 10. Mai verlängert worden. "Bayern hat früher und konsequenter begonnen, wir werden auch später aufhören als andere", betonte Söder. Gleichzeitig stellte er die Öffnung der Gastronomie um Pfingsten in Aussicht.

Forderungen nach regionalen Lösungen werden laut

Mit Blick auf die regionalen Unterschiede sprachen sich andere Politiker für regionale Bekämpfung des Virus aus. FDP-Chef Christian Lindner sagte am Sonntag in der ARD-Talkshow "Anne Will":

"Mich überzeugt nicht, dass in Leverkusen (...) die Hotels geschlossen werden müssen, weil es einen Corona-Ausbruch in Passau gibt. Wir müssen stärker regional vorgehen."

Christian Linder quelle: "anne will"

Kanzleramtschef Helge Braun erklärte, „es muss auch berücksichtigt werden, dass die Epidemie sich in Deutschland nicht gleichmäßig ausbreitet, sondern die Lage regional unterschiedlich sein kann“, zitierte die Deutsche Presse Agentur den Chefstrategen der Bundeskanzlerin.

Virologe Christian Drosten warnte hingegen vor leichtfertigen Lockerungen. Man müsse in den nächsten Wochen mit Infektions-Anstieg auf "nicht mehr erträgliches" Maß rechnen, sagte er im ORF. Auch in Regionen, die momentan kaum vom Coronavirus betroffen sind, könnten dann wieder gehäufte Infektionen auftreten.

(lau)

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