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Prof. Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung analysiert die jüngste Entwicklung des Corona-Infektionsgeschehens – und erklärt Lanz, warum die niedrigen Todeszahlen keine Entwarnung sein können. Bild: bild: screenshot zdf

Markus Lanz liefert sich Schlagabtausch mit Virologin beim Thema Corona-Todeszahlen

Alexandra Karg

Während zwischen der Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten am Dienstagabend im Kanzleramt eine historische Debatte zur Corona-Krise erwartet wird, diskutierte auch Markus Lanz mit seinen Gästen in der Sendung am Dienstagabend über neue Corona-Maßnahmen. Es ging um steigende Fallzahlen, das neue Reizwort "Beherbergungsverbot" – und am Rande ging es auch um einen Kokain-Skandal. Das waren die Gäste:

Inländische Reisebeschränkungen, ein Beherbergungsverbot, Diskussionen über verlängerte Schulferien – während die Menschen hierzulande etwas verwirrt auf die chaotischen Beschlüsse der Bundesländer blicken, kann sich ein Großteil der Gesellschaft der USA allein über ihren Präsidenten wundern.

Ehlers: Donald Trumps Corona-Behandlung war "skurril"

In einer Schalte nach Amerika bespricht Markus Lanz zu Beginn der Sendung Donald Trumps Wahlkampf-Comeback mit dem Journalisten Elmar Theveßen. Die Versuche, Wähler für den amtierenden Präsidenten zu gewinnen, bezeichnete der Journalist als eine Art "Buschfeuer um Donald Trump herum". Dessen Team versuche, mit Wahlkampfauftritten vergeblich noch Stimmen zu holen, wo immer mehr Menschen zum Gegenkandidaten Joe Biden abwandern. Der Grund sei die Corona-Politik Trumps.

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Journalist Elmar Theveßen wurde über einen Bildschirm ins Lanz-Studio zugeschaltet. Bild: bild: screenshot zdf

Auch die schnelle Genesung Donald Trumps vom Coronavirus war Thema. Die Behandlung des US-Präsidenten mit einer wilden Mischung verschiedenster Medikamente konnten die Experten in der Studio-Runde kaum ernst nehmen. Virologin Prof. Melanie Brinkmann meinte, halb ironisch, halb besorgt: "Trump hat wirklich alles bekommen, was es derzeit so gibt – ich hatte Sorge, dass es zu Nebenwirkungen kommen kann." Pneumologe Dr. Martin Ehlers kommentierte daraufhin ironisch: "Wir kennen seine Leberwerte nicht." Ehlers nannte Trumps Behandlung "skurril".

Lanz liefert sich Kurvendiskussion mit Virologin: "Es ist zwölf"

"Weg aus Amerika und zurück nach Deutschland" – mit diesen Worten lenkte Markus Lanz die Diskussion zurück ins Studio und die Aufmerksamkeit auf die Corona-Lage hierzulande. Bevor es um das umstrittene Beherbergungsverbot einzelner Bundesländer ging – und damit ums Eingemachte – lieferte Markus Lanz sich noch schnell eine Kurvendiskussion mit Prof. Melanie Brinkmann.

Die Virologin hält den aktuellen Trend der Infektionszahlen für "beunruhigend", jedoch nicht für überraschend. Zur Veranschaulichung zeigt das ZDF die Fallzahlen in einem Kurvendiagramm.

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Markus Lanz veranschaulicht die Entwicklung der Corona-Infektionen am Diagramm. Bild: bild: screenshot zdf

Markus Lanz kann manche Besorgnis im Vergleich zu den Zahlen im Frühjahr nicht verstehen. "Ich hab ein großes Problem mit dieser Grafik. Die Neuinfektionen in Deutschland... Ist es vielleicht nicht so kritisch, wie diese Kurve suggeriert?"

Virologin Melanie Brinkmann zeigte sich verwundert und forderte Markus Lanz zu einer Kurvendiskussion auf: "Na, was sehen Sie denn in dieser Kurve?", fragte Brinkmann. "Markus Söder würde sagen, es ist fünf vor zwölf", wand Lanz sich nach wenigen Worten heraus und spielte stattdessen den Ball zurück: "Was sagen Sie?".

"Ich würde sagen es ist zwölf!", positionierte sich die Expertin vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Brinkmann erklärte, es sei ein guter Zeitpunkt zu handeln, denn diese Kurve werde sich weiter nach oben entwickeln, wenn nicht ganz gezielte Maßnahmen getroffen würden. Sie machte deutlich: "Je höher diese Kurve ist, desto schmerzhafter wird es für unsere Gesellschaft."

Lanz: "Sie haben mich eben gefragt, warum ich ein Problem mit dieser Kurve habe. Ich will es ihnen kurz sagen"

Das Geschehen könne laut Brinkmann schnell außer Kontrolle geraten. Lanz wollte sich damit allerdings nicht zufrieden geben – sondern erneuerte seinen Punkt von eben, dass vielleicht ja alles doch gar nicht so schlimm sei, wie das Kurvendiagramm zeige.

"Sie haben mich eben gefragt, warum ich ein Problem mit dieser Kurve habe. Ich will es ihnen kurz sagen", sagte Lanz und zeigte eine neue Karte.

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Diese Karte zeigt die Zahl an Neuinfektionen (blau, oben) sowie die Todeszahlen (unten, grün.)

"Um Gottes willen": Schlagabtausch zwischen Lanz und Virologin

"Im März hatten wir bis zu 300 Tote am Tag. Im Moment sehen wir quasi gar keinen Ausschlag. Wir haben 15 bis 20 Tote am Tag in Deutschland, immer noch zu viel, aber bei ähnlichen Infektionszahlen", sagte Lanz.

Brinkmann sagte, dass man sehr wohl einen Anstieg bei den Todeszahlen sehe. Das dauere allerdings noch etwas. "Wir sind dem ganzen Geschehen immer hinterher", sagte Brinkmann. Deswegen könne man sich jetzt nicht bequem im Sessel zurücklehnen.

Dann ging es plötzlich heiß her zwischen der Virologin und dem Moderator: "Sie hätten gerne, dass ein deutliches Zeichen da ist: Die Zahlen steigen." Lanz: "Nee nee nee, gar nicht, um Gottes willen." Brinkmann: "Nee, aber sie verstehen nicht, warum das nicht passiert. Ich erkläre es." Lanz: "Nee, ich hab noch ein anderes Thema." Brinkmann: "Soll ich es jetzt erklären?" Lanz: "Bitte, bitte."

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Markus Lanz und Virologin Brinkmann waren beim Thema Todeszahlen nicht einer Meinung. bild: screenshot instagram

Dann also Brinkmanns Erklärung: "Die Bevölkerungsgruppen, die jetzt infiziert sind, sind noch die Jüngeren." Aus anderen Ländern sehe man, dass irgendwann die Älteren dazukommen und das dann die Todeszahlen deutlich steigen.

Dr. Martin Ehlers pflichtete der Virologin in ihrer Einschätzung bei. Der Pneumologe hätte jedoch eine langsamere Entwicklung erwartet: "Ich war ehrlich gesagt überrascht, dass das jetzt so schnell schon losging." Beide sind sich einig: Die geringen Todeszahlen sollten nicht unterschätzt werden. Momentan würden sich eher junge Menschen anstecken, doch das könne schnell auf die ältere Generation übergreifen. "Die Population, die jetzt krank ist, das sind die Gesunden", stellte Ehlers klar.

Im Anschluss ging es zum nächsten Reizthema der Sendung: das Beherbergungsverbot. Zwar waren sich über den Beschluss einzelner Bundesländer, Menschen aus Risikogebieten im Inland die Übernachtung zu verweigern, alle in der Runde einig – doch alle waren auch gleichermaßen verwundert oder gar verärgert über die neue Regelung. "Ich habe nie verstanden, warum ein Virus, das man sich in Berlin-Mitte einfängt, für einen Hamburger ungefährlicher sein soll als für einen Schleswig-Holsteiner", wirft Moderator Lanz in die Diskussion ein.

Beherbergungsverbot: Die Gäste blicken nicht mehr durch

Unmittelbar betroffen war jedoch besonders einer der Gäste: Hotelier Alexander Borchard. Der Geschäftsführer eines Hotels in Mecklenburg-Vorpommern beschrieb die vergangenen Monate wie einen Boxkampf. "Wir sind jetzt das dritte Mal zu Boden gegangen", erklärte er. Mit Blick auf Weihnachten frage er sich, wann das k.o. komme.

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Hotelier Alexander Borchard ist Geschäftsführer eines Familienhotels in Mecklenburg-Vorpommern. bild: screenshot zdf

Als Hotelier empfindet Borchard das Beherbergungsverbot unverhältnismäßig. Das Hygienekonzept hätte in den vergangenen Monaten nicht nur Corona-Infektionen, sondern auch andere Übertragungen gemindert. Gleichzeitig müssten nun viele Buchungen abgesagt werden. "Da kommen meine Mitarbeiter auch wirklich an psychologische Grenzen", gab der Hotelier zu.

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Pneumologe Dr. Martin Ehlers ist wurde überrascht vom schnellen Verlauf der Pandemie. Bild: bild: screenshot zdf

Virologin: "Ich bin selber völlig verwirrt"

Besonders zu diesem Zeitpunkt und als Leiter eines Familienhotels könne Borchard ein solches Beherbergungsverbot nicht verstehen: "Was mich besonders aufregt an der ganzen Sache: Die Herbstferien sind der klassische Familienurlaub, wo alle einmal durchatmen können." Familien seien eben nicht die Gruppe der Gesellschaft, die das Virus derzeit am stärksten verbreite.

Diese Meinung teilt auch Virologin Prof. Melanie Brinkmann. Sie gab zu: "Ich bin selber völlig verwirrt durch dieses Verbot und verstehe es aus wissenschaftlicher Sicht auch nicht ganz." Zwar sei der Gedanke gut, den Reiseverkehr einschränken zu wollen, jedoch sei das Verbot willkürlich und schere viele Menschen über einen Kamm. Markus Lanz fasste die Verwirrung seiner Gäste noch einmal mit den Worten zusammen: "Es macht das Leben einfach so wahnsinnig mühsam."

Christoph Daum: "Ist das jetzt hier so ne szenische Outing-Sendung?"

Der größte Teil dieser "Markus Lanz"-Sendung war bereits vorbei, als der letzte Gast in der Runde an die Reihe kam: Ex-Fußballtrainer Christoph Daum. In seiner neu erschienen Autobiografie "Immer am Limit" blickt der Erfolgscoach auf seine Karriere, aber auch auf seinen berühmten Kokain-Skandal zurück. Ob er sein Vergehen bereue, fragte Lanz. "Das ist verschüttete Milch, das krieg ich nicht mehr irgendwo rein", antwortete Daum in typischer Daum-Manier.

20 Jahre danach, so erzählte der Ex-Trainer, werde er jedoch noch immer auf seinen Drogenkonsum von damals reduziert. "Wie sehr schmerzt das?", wollte Markus Lanz daraufhin wiederum in typischer Lanz-Manier wissen. Doch Christoph Daum ließ sich nicht zu einer weiteren Enthüllung hinreißen. Cool entgegnete er: "Ist das jetzt hier so ne szenische Outing-Sendung? Ich will mich da gar nicht bedeutsamer machen als ich bin." Viel lieber hätte Christoph Daum über die lustigen Geschichten in seinem Leben gesprochen. Doch dieses Gespräch wurde vom Moderator auf eine spätere Sendung vertagt.

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