Christian Drosten ist Virologe an der Charité.
Christian Drosten ist Virologe an der Charité.
Bild: imago images / Stefan Boness/Ipon

Virologe: "Maximum an Fällen wird wohl von Juni bis August auftreten"

12.03.2020, 14:30

Nicht nur Donald Trump nahm bislang an: Die Ausbreitung des Coronavirus könnte sich abschwächen, wenn es wärmer wird. Auch der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité war dieser Meinung.

Das hat sich mittlerweile aber geändert. Warum Drosten mittlerweile nicht von einer Verlangsamung der Virus-Verbreitung bei wärmeren Temperaturen ausgeht, erklärt er in der Montagsausgabe des NDR-Podcasts "Coronavirus-Update".

Noch ist vieles unbekannt über das neuartige Coronavirus namens SARS-Cov-2. "Es ist ja so, dass wir immer dazulernen bei dieser Erkrankung", erklärt Drosten. Nun sei eine wichtige Studie erschienen, aufgrund derer Drosten nicht mehr von einer langsameren Verbreitung des Virus im Frühling und Sommer ausgeht.

Das sagt die neue Coronavirus-Studie

Dabei handelt es sich um eine Modellierung von Forschern aus den USA. "Die sagt voraus, dass der Temperatureffekt auf dieses Virus relativ klein sein wird", erklärt Drosten.

Die Forscher simulierten mithilfe von Daten aus den Vereinigten Staaten die weitere Übertragung des Coronavirus bis zum Jahr 2025. Bei der Simulation stellten sie keine langsamere Ausbreitung bei steigenden Temperaturen fest. Drosten erklärt dazu:

"Wir müssen damit rechnen, dass ein Maximum von Fällen in der Zeit von Juni bis August auftreten wird."
quelle: "coronavirus-update"

Für den deutschen Virologen hat diese Erkenntnisse vor allem weitreichende Folgen. Bevor diese neue Studie bekannt geworden war, hatte Drosten dazu geraten, für den Sommer "Zeit zu kaufen". Also die Verbreitung so stark wie möglich zu verlangsamen, um Krankenhäuser und Kliniken im Sommer besonders gut für den Winter auszustatten.

Keine Panik bei Coronavirus-Verdacht
Sars-CoV-2 ist eine neue Form des Coronavirus – einem Virus-Typ, der grippeähnliche Infekte auslöst. In den allermeisten Fällen in Deutschland verläuft eine Ansteckung mit dem Coronavirus symptomfrei bis milde: Du könntest leichtes Fieber, Halsweh und Abgeschlagenheit erleben.

Danach klingt die Krankheit meist wieder ab. Wirklich gefährlich kann das Virus nur werden, wenn du zu einer Risikogruppe gehörst: Ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen (wie Krebs oder Lungenkrankheiten) sollten im Falle eines Infektionsverdachts ihren Arzt kontaktieren.

Wenn du Bedenken hast, ruf deinen Arzt bitte an, bevor du in die Praxis gehst. In Menschenmengen können sich Erreger eher verbreiten und so Patienten treffen, für die sie wirklich eine Bedrohung darstellen (die Risikogruppen). Laut Robert Koch-Institut sind Atemschutzmasken nicht erforderlich.

Auch Desinfektionsmittel benötigen nur Menschen mit geschwächtem Immunsystem und solche, die mit vielen anderen in Kontakt kommen (Verkäufer, Pfleger etc.). Achte stattdessen auf gründliches Händewaschen und Niesetikette.

Von sogenannten Hamsterkäufen jeglicher Art, ob Medizin oder Lebensmittel, ist abzuraten. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten in Deutschland ist sichergestellt.

Virologe gibt praktische Tipps

Diese Überlegung ist jetzt aber hinfällig. Nun gehe es darum, welche Bevölkerungsgruppen besonders geschützt werden müssen. Das betrifft alle Menschen mit Vorerkrankungen, etwa an Herz oder Lunge, und ältere Menschen, meist im Rentenalter. Sie haben das höchste Gesundheitsrisiko bei einer Infektion.

Drosten gibt in dem Podcast auch einige praktische Vorschläge, um das Virus von den gefährdeten Gruppen "wegzuhalten":

  • Bei jüngeren, besonders Gefährdeten "brauchen wir zum Beispiel ganz schnell eine Regelung, die es allen Arbeitgebern ermöglicht, solche Personen entweder für eine Zeit freizustellen und dann mit Aufgaben zu betrauen, die unter der Überschrift Homeoffice stehen".
  • Für ältere Menschen gelte etwa: "Jetzt mal bis zum September oder Oktober" die Kinder "nicht mehr bei Oma und Opa zur Betreuung abgeben, sondern stattdessen für Oma und Opa einkaufen, dass die nicht ständig in den Supermarkt müssen".

Drosten warnt: "Das ist ein Dienst, den wir alle leisten müssen. Und das wird für alle schmerzhaft sein und unbequem."

Er plädiert in diesem Zusammenhang auch wieder dafür, Großveranstaltungen abzusagen. Oder auf solche Veranstaltungen als Bürgerin oder Bürger zu verzichten.

Drosten sieht aber auch etwas Positives daran, wenn die Infektionswelle in der jüngeren Bevölkerung "durchläuft. "Wir werden jetzt in der jüngeren Bevölkerung wohl vor dem Sommer und über den Sommer schon durchinfiziert und sind danach weitflächig immun", sagt Drosten. Gemeint ist: Wenn sich die jüngeren Menschen, die weniger gefährdet sind, infizieren und wenn sie dann genesen, sind sie immun gegen das Virus – und verbreiten es auch nicht weiter.

Der Virologe appelliert aber an alle, denn alle können helfen, indem sie sich an die bekannten Hygienevorschriften halten: "Wir wollen diese Sommerwelle von der älteren Bevölkerung weghalten."

(ll)

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