Deutschland
Klaus-Dieter Zastrow, Hygiene-Facharzt für die Berliner Vivantes-Kliniken, zeigt am 23.02.2013 im Klinikum Vivantes in Berlin Spandau einen multirestisten Keim auf einem Bildschirm. Die Spur der Keime in deutschen Krankenhäusern ist lang, und manchmal endet sie tödlich: Mindestens drei Babys sind seit 2011 im Klinikum Bremen-Mitte auf der Frühchenstation gestorben.(zu dpa-Korr

Hygienearzt Zastrow kritisiert Streeck scharf. Bild: dpa / Stephanie Pilick

"Kompletter Unsinn": Hygienearzt wirft Virologen Unwissenheit vor

Nachdem in allen Bundesländern nach und nach die Corona-Beschränkungen fallen, lässt Deutschland den bisherigen Pandemie-Verlauf allmählich Revue passieren. War der Lockdown wirklich notwendig? Müssen wir weiterhin einen Mund-Nase-Schutz tragen? Und was ist mit den Schulen? Diese Fragen dürften momentan viele Menschen beschäftigen.

Aussagen des Virologen Hendrik Streeck zu diesem Thema stoßen nun bei einigen Kollegen auf Kritik und Unverständnis. Streeck hatte in einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" gesagt, Deutschland sei "zu schnell in den Lockdown gegangen", weil neben der Sorge um die Kapazität der Krankenhäuser "ein gewisser Druck in der Öffentlichkeit" bestanden habe.

Außerdem sehe er den Einsatz von Atemmasken im Alltag wegen der oft falschen Anwendung skeptisch. "Die Leute knüllen die Masken in die Hosentasche, fassen sie ständig an und schnallen sie sich zwei Wochen lang immer wieder vor den Mund, wahrscheinlich ungewaschen", sagte Streeck. Das sei ein "wunderbarer Nährboden für Bakterien und Pilze", so der Direktor des Instituts für Virologie der Universitätsklinik Bonn.

30.03.2020, Nordrhein-Westfalen, Bonn: Professor Hendrik Streeck, Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn, sitzt in einem Labor seines Institutes. Nordrhein-Westfalen lässt anhand einer Studie erforschen, wie die Corona-Krise am besten überwunden werden kann. Foto: Federico Gambarini/dpa | Verwendung weltweit

Sieht sich Kritik ausgesetzt: Der Virologe Hendrik Streeck. Bild: dpa / Federico Gambarini

"Virologen haben von Hygiene keine Ahnung"

Einer, der die Aussagen Streecks heftig kritisiert, ist der Hygienearzt Klaus-Dieter Zastrow. In einem Interview mit der "Welt" sagt er: "Wir wussten zwar wenig über Corona, aber wir kennen die Hygiene, und die kennen wir seit 2000 Jahren." Zastrow kritisiert, in der Corona-Krise seien nicht die Hygieniker gefragt worden, sondern nur die, die davon keine Ahnung haben.

Damit meint er die Virologen und das Robert-Koch-Institut (RKI), die "wochenlang den Sinn und Zweck des Mund-Nase-Schutz infrage gestellt" hätten. Das sei eine üble Nachricht gewesen, denn "umso schwerer hat man es heute, die Maske den Bürgern zu verkaufen", so Zastrow.

"In der gesamten Infektiologie wird bei ansteckungsfähigen Kranken immer ein Mund-Nase-Schutz getragen." Auch im Krankenhaus würde der über mehrere Stunden getragen, so der Mediziner. "Wenn dann erzählt wird, dass die Leute davon krank werden, ist das kompletter Unsinn." Virologen seien auf ihrem Gebiet hervorragende Fachleute, aber hätten von Hygiene "nicht die blasseste Ahnung", so das harte Urteil des Hygienearztes.

"Wenn sie nicht eine gewisse Feuchtigkeit haben und eine Temperatur von mindestens 37 Grad, passiert da überhaupt nichts."

Klaus-Dieter Zastrow welt tv

Zastrow betont, auch von einer zerknüllten Maske in der Hosentasche gehe keine Gefahr aus, denn die Bakterien auf der Maske würden auch in der Hosentasche absterben. "Wenn sie nicht eine gewisse Feuchtigkeit haben und eine Temperatur von mindestens 37 Grad, passiert da überhaupt nichts", so der Hygieniker. Damit widerspricht er dem Virologen Streeck, der vor wiederverwendeten und ungewaschenen Masken gewarnt hatte.

"Hinterher ist man immer schlauer"

Auch die Aussage Streecks, der Lockdown sei nicht nötig gewesen, weil durch das Verbot von Großveranstaltungen die Infektionszahlen bereits gesunken seien, kritisiert Zastrow. Da sei zwar etwas dran, aber "hinterher ist man immer schlauer", so der Mediziner.

Er betont:

"Es gab ja auch politischen Handlungsbedarf, man konnte sich ja nicht zurücklegen und sagen 'wir warten mal ab was passiert'".

Klaus-Dieter Zastrow welt tv

Präsenzunterricht "kein Problem"

Mit Blick auf die bestehende Schulöffnung nach den Sommerferien zeigte sich Zastrow zuversichtlich. Der reguläre Präsenzunterricht sei "überhaupt kein Problem", man müsse nur richtig vorgehen. Lehrer bräuchten einen Mund-Nase-Schutz und Schüler sollten ihn auch tragen, wenn sie sprechen. Wenn das eingehalten werde, "kann definitiv nichts passieren", so Zastrow.

(lau/mit Material von dpa und afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Rolf 15.06.2020 14:22
    Highlight Highlight Falls der Thorsten das hier liest , Entschuldigung natürlich angenommen . Ja , wir sind halt anderer Meinung , ist doch gut , oder ? Vielleicht bist du ja aus der Nähe , dann gehen wir mal einen trinken .
  • Kolos 14.06.2020 14:52
    Highlight Highlight "Die Leute knüllen die Masken in die Hosentasche, fassen sie ständig an und schnallen sie sich zwei Wochen lang immer wieder vor den Mund, wahrscheinlich ungewaschen", sagte Streeck.
    Aber der Hygieniker Zastrow weiss es besser. Die Lehrer, die Kinder sollen Masken tragen. Ich kann die Kinder und die Lehrer nur bedauern.
    Ich selbst hasse diese Dinge. Ich kriege wenig Luft, die ist verbraucht, ich bin froh, dass ich sie nach dem Einkauf weg habe. Und ich verstehe einen schlecht, der mit der Maske spricht. Die Kinder u. auch Erwachsene werden mit dem Tragen der Maske nur anders krank.
  • Rolf 12.06.2020 12:33
    Highlight Highlight Erstens hätte ich dann gerne mal erklärt wieso in den Niederlanden mittlerweile weniger Infektionsverlauf entsteht als bei uns in Deutschland obwohl dort keine Masken getragen werden . Und das Ärzte in Krankenhäuser stundenlang Masken tragen ist schlicht falsch . Mein Schwager ist Chirurg in Düsseldorf und wenn die länger als eine Stunde Masken tragen müssen werden die jede Stunde erneuert , wegen Eigeninfektionsgefahr . Aber die haben wahrscheinlich auch keine Ahnung gehe ich jetzt mal von aus . Nur Herr Zastrow weiß bescheid .
    • Thorsten 13.06.2020 08:20
      Highlight Highlight Reicht doch, wenn du alles weisst..Ständiges rumgelüge über Holland machts nicht besser
    • Rolf 13.06.2020 13:57
      Highlight Highlight Ich lüge nicht über Holland , ich wohne da , nur meine Firma habe ich leider in Deutschland , das werde ich , sobald wie möglich , ändern.
    • Romanopoly 14.06.2020 16:52
      Highlight Highlight @Rolf
      Bist Du echt oder bist Du ein chinesischer Bot?
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