Deutschland
14.05.2020, Berlin: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier äußert sich am Ende seines Besuchs des temporären Corona-Behandlungszentrums auf dem Berliner Messegelände zu Medienvertretern. Hinter ihm steht Projektleiter Albrecht Broemme. In Halle 26 ist innerhalb weniger Wochen ein Corona-Reservekrankenhaus entstanden. Zunächst könnten dort rund 500 Corona-Infizierte und Covid-19-Patienten isoliert und behandelt werden, falls die Berliner Kliniken an ihre Grenzen stoßen sollten. Insgesamt könnten dort bis zu 1000 Reservebetten entstehen. Die Klinik ist derzeit in einen Bereitschaftsmodus, Personal steht auf Abruf bereit. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa Pool/dpa | Verwendung weltweit

Erst mit, dann ohne Mund-Nasen-Schutz: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei einem Besuch einer Corona-Notfallklinik in Berlin. Bild: dpa Pool / Bernd von Jutrczenka

Wirbel um Video: Deshalb zog Steinmeier seinen Mundschutz aus

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier lobte den "manchmal unbequemen und lästigen Mundschutz" – und zieht ihn doch auf einem Video aus, als vermeintlich die Kameras ausgehen. Wie mit der Szene Empörung geschürt wird.

lars wienand / t-online

Eine kurze Szene vom Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in der neuen Corona-Notfallklinik in Berlin wird in sozialen Netzwerken rege geteilt. Steinmeier nimmt dabei den Mundschutz ab, um wenig später einige Minuten lang in ein bereitgestelltes Stehmikrofon zu sprechen und Fragen zu beantworten.

Doch so, wie die Szene verbreitet wird, sät sie Zweifel am Bekenntnis des Bundespräsidenten zum Mundschutz. Steinmeier hatte bei dem Besuch unter Anspielung auf verschwörungsideologische Behauptungen gesagt, "dass unter den Gesichtspunkten des Virusschutzes der vielleicht manchmal unbequeme und lästige Mundschutz empfehlenswerter ist als der Aluhut". Seine Hoffnung sei, dass "wir uns weiterhin an Tatsachen und Fakten orientieren", so Steinmeier.

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Steinmeier nimmt den Mund-Nasen-Schutz ab. Bild: screenshot facebook rt deutsch

Wenig später wurde ein kurzer Ausschnitt aus der Live-Übertragung des Senders RT verbreitet. In der Szene wirkt es, als hätte Steinmeier den Mundschutz nur für Kameraleute und Fotografen getragen und ihn dann umgehend ausgezogen. So wurde die Szene auch verbreitet mit der Behauptung, "es wurde doch heimlich weiter gefilmt". Steinmeier wurde als Heuchler tituliert.

Ab Minute 15 ist zu sehen, wie der Bundespräsident die Maske entfernt

Doch die Kamera lief keineswegs heimlich, und die Veranstaltung war auch nicht vorbei. Das Abnehmen der Maske war so vorgesehen, damit der Bundespräsident bei dem abschließenden Statement besser verständlich ist, sagte eine Sprecherin. Tatsächlich zeigten diverse Medien auch Ausschnitte davon, wie Steinmeier über die Corona-Krise und den Umgang sprach und dabei die Maske nicht mehr trug. Die Szene, die Entstehung und wie es weiterging, ist auch in der kompletten Aufzeichnung zu sehen.

Bei diesen Aufnahmen seien die Abstandsregelungen eingehalten worden, so die Sprecherin. Zuvor bei dem Rundgang und Gesprächen hatte Steinmeier wie alle anderen Anwesenden eine Maske getragen. Nach der Ansprache zog er die Maske allerdings nicht wieder an. Die Veranstaltung sei vorbei gewesen und Steinmeier habe die Halle verlassen, um zum Auto zu gehen, so die Sprecherin.

Dieser Artikel erschien zuerst bei t-online.

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