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Tino Chrupalla, AfD-Bundessprecher, hält die Wirksamkeit von Masken für wissenschaftlich umstritten. Bild: screenshot zdf

AfD-Chef stellt Maskenpflicht infrage – mit seltsamer Begründung

Die Maskenpflicht in Deutschland als umstritten zu bezeichnen, wäre sehr übertrieben. Laut einer Umfrage haben sich 79 Prozent der Deutschen inzwischen daran gewöhnt, in bestimmten öffentlichen Räumen einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Nur 19 Prozent erklären, sich damit schwer zu tun. Auch wissenschaftlich gesehen ist die Lage klar: Es gilt als Konsens, dass das Maskentragen dabei hilft, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.

Doch das sehen nicht alle so. Tino Chrupalla beispielsweise, Bundessprecher der AfD, glaubt, dass Masken wissenschaftlich umstritten seien. Das jedenfalls erklärt er im Sommerinterview mit dem ZDF.

Dort betont er zwar, eine Gurtpflicht beim Autofahren ergebe Sinn. Den Nutzen von Masken allerdings hält er für strittig. Der Moderator Theo Koll weist ihn darauf hin, dass "Aber alle ernstzunehmenden Institutionen" dieselbe Ansicht über die Maskenpflicht hätten.

Chrupalla verweist auf fragwürdigen Wissenschaftler

Aber das lässt Chrupalla nicht gelten. "Nein, das sagen sie eben nicht, Herr Koll. Da muss ich widersprechen." Der Modetator verweist auf das Robert-Koch-Institut, was der AfD-Sprecher mit einem langgezogenen "Jaaaaaa" quittiert, um dann zu seinem eigenen Argument anzusetzen.

"Es gibt auch sehr wohl andere wissenschaftliche Meinungen, zum Beispiel Professor Bhakdi oder auch Professor..."

Weiter kommt er nicht, was allerdings nicht daran liegt, dass ihm ZDF-Mann Koll ins Wort gefallen wäre. Vielmehr scheint sich Chrupalla auf die Schnelle einfach an keinen weiteren Wissenschaftler zu erinnern, der Masken für unsinnig hält.

Bhakdi findet unter Wissenschaflern wenig Anklang

Das verwundert nicht weiter, denn die Zahl solcher Forscher ist tatsächlich sehr überschaubar. Auch der von Chrupalla ins Feld geführte Sucharit Bhakdi ist keineswegs unumstritten, ganz im Gegenteil. Seit Ende März verbreitet der Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie auf seinem Youtube-Kanal, das Coronavirus sei keine Bedrohung. Die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung bezeichnet er als übertrieben, die Pandemie sei in Wahrheit vergleichbar mit einer Grippe-Welle. Seine Thesen fanden unter Wissenschaftlern wenig Anklang, dafür umso mehr bei libertären Verschwörungs-Mythikern wie Oliver Jannich, die seine Videos gerne verbreiteten. Bhakdi nahm auch an Demonstrationen von Corona-Leugnern teil, zum Beispiel in Passau Anfang Juli.

Moderator Koll weiß das offensichtlich auch. "Also, die ernstzunehmenden großen Institutionen sagen alle dasselbe", wiederholt er im Gespräch mit Chrupalla geduldig. Der AfD-Mann lacht etwas unsicher, beharrt aber auf seinem Standpunkt: "Ein einheitliches Bild gibt es meiner Meinung nach nicht, was die Maskenpflicht angeht."

(om)

"Ich bin es leid": Virologin Brinkmann mit leidenschaftlichem Appell

Auf der Bundespressekonferenz am Dienstag sprachen unter anderem Jens Spahn und der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts, Lars Schaade. Spahn sprach im Zusammenhang mit Corona von einer "Mammutaufgabe" für Regierung und Gesellschaft.

Zu Gast auf der Bundespressekonferenz war auch Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Sie kam erstmal einige Minuten zu spät, weil ihr Zug Verspätung hatte. Dafür legte sie dann umso vehementer los.

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