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Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. "Wir hoffen noch immer, dass wir das Ding durch eine Wunderheilung zum Ende des Jahres gelöst haben", sagte er bei Plasberg. screenshot ard

Lauterbach macht Hoffnung auf Impfstoff zunichte

dirk krampitz

Corona ist für alle ein Lernen in Echtzeit. Erst am Sonntag berichtete die Süddeutsche Zeitung, dass sich die "Hinweise mehren, dass Sars-CoV-2 nicht nur durch Husten und Niesen übertragen werden kann, sondern auch beim Reden". Am Montag, in Frank Plasbergs "Hart aber fair", spricht SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach über die Sprech-Infektionen als seien sie lang tradiertes Allgemeinwissen:

"Wir wissen, dass das Virus auch beim Sprechen übertragen wird."

Karl Lauterbach

Von der Schmierinfektion, etwa am Einkaufswagengriff, spricht derzeit niemand mehr. Haben wir uns alle umsonst die Hände gewaschen, kommt zum Kontakt- ein Sprechverbot? Wäre ein potenzielles Thema in den kommenden Wochen bei Plasberg.

Aber in dieser Woche geht es erstmal um das Thema: "Wie schädlich ist die Dauer-Quarantäne?" Eigentlich soll es um einen breit gestreuten Strauß an Facetten in der gesamten Gesellschaft gehen, aber am Ende geht es dann fast nur um die Nöte der Eltern, die auf der einen Seite im Homeoffice arbeiten sowie nebenbei die Kinder betreuen und beschulen. Diese Gewichtung liegt vor allem an SZ-Digitalredakteurin Barbara Vorsamer, die ziemlich genervt wirkt.

"Sie arbeiten beide von zuhause, beschulen ein Kind und betreuen ein Kindergartenkind – wie geht das?", will Plasberg von ihr wissen. "Es geht nicht. Das ist die kurze Antwort", antwortet die Journalistin und führt dann doch noch aus, wie sie und ihr Mann es zumindest versuchen: Sie seien arbeitstäglich von 6 bis 21 Uhr beschäftigt. Mit Erwerbsarbeit und Kinderversorgung. "Auf Dauer geht es nicht", sagt sie.

Mit ihr in der Runde diskutieren:

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Journalistin Barbara Vorsamer arbeitet zuhause und beschult nebenbei noch ihre Kinder. Bild: screenshot ard

Die Journalistin Vorsamer fühlt sich vom Staat alleingelassen. Die Lösung in der Corona-Krise könne nicht sein "Mama macht das schon." Schließlich sei Home-Schooling bis vor kurzem noch strengstens verboten gewesen. Und dann wurde es von einen Tag auf den anderen gefordert. Deshalb laufe es auch nicht allzu gut mit ihr und ihren Kindern beim Lernen.

"Innerhalb von zehn Sekunden schreien wir uns alle an", sagt sie und lacht immerhin. Ihr Vorschlag: Corona-Elterngeld müsste es geben, auch wenn sie der "Herdprämie" eigentlich nichts abgewinnen kann und "gerne weiterhin berufstätig" sein möchte. Aber besser bezahlte Erziehungsarbeit und weniger Erwerbsarbeit als voll ausgelastet und halb bezahlt.

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Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans hat Angst ums Geld. bild: screenshot ard

Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans, Vater von einem kleinen Zwillingspaar, bekommt beim Stichwort "Corona-Elterngeld" Angst, aber da platzt Ulrich Schneider der Kragen: "Wir müssen nicht so lange Maßnahmen besprechen, bis die Impfung da ist, wir brauchen jetzt Maßnahmen. Das muss doch jetzt diskutiert und auch gemacht werden", tadelt der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes Hans‘ verschleppende Haltung.

Das findet natürlich auch Barbara Vorsamer. Die Kitas eröffnen ja auch nicht, weil die Befürchtung besteht, dass Kinder zwar nicht ernsthaft am Virus erkranken, ihn aber trotzdem sehr gut weitergeben, also sogenannte "Superspreader" sind: "Warum untersucht das niemand, ob Kinder die Superspreader sind?" SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach gibt eine lange Antwort, dass es viele unsinnige Studien gegeben habe, die aber nichts beantwortet.

Am Ende gibt er zu: "Deutschland war wie gemacht für die Studie." Aber diese Chance ist jetzt wohl verschenkt. Ähnlich wie eine andere Möglichkeit. Denn Lauterbach sieht die Lockerung der Beschränkungen kritisch: "Aus meiner Sicht ist das ein Fehler, ich glaube, dass wir ein bisschen zu früh von der Bremse gegangen sind." Sein Eindruck ist mittlerweile, dass viele die Lage zu leicht einschätzen:

"Wir hoffen noch immer, dass wir das Ding durch eine Wunderheilung zum Ende des Jahres gelöst haben – das ist unmöglich."

Karl Lauterbach

Impfstoff nicht in diesem Jahr

Und dann setzt er noch nach: "Ich kenne keinen ernstzunehmenden Virologen, der glaubt, dass es in diesem Jahr noch eine Impfung gibt."

Er rechnet mit einer Normalität nicht vor 2021 – "vielleicht auch erst 2022". Das habe eine Harvard-Studie berechnet, sagt er.

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Ifo Chef Clemens Fuest findet, man dürfe Privatleute und Wirtschaft nicht gegeneinander ausspielen. bild: screenshot ard

Plasberg fragt Ifo-Chef Clemens Fuest, ob es mehr Erleichterung für die Wirtschaft als für Privatleute gebe. "Der Unterschied ist mir nicht klar, das ist alles eins. Ich glaube nicht, dass man das Eine gegen das Andere ausspielen kann." Außerdem sei es für geöffneten Geschäfte ja auch nicht leicht. "Wer will denn einkaufen gehen?" man könne ja nicht mal eine Tasse Kaffee zwischendurch trinken und die kauflustigen Touristen wäre ja sowieso nicht da.

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    Alle Leser-Kommentare
  • stahlbau-grauerwolf 21.04.2020 11:05
    Highlight Highlight ein optimist bin ich wahrlich nicht, dazu habe ich in
    meinem bisherigen Leben zuviel erlebt und entsprechende
    Erfahrungen abgespeichert.
    Den Blick nach vorn habe ich allerdings nie verloren.
    Diese Pandemie wird uns noch lange in Atem halten
    ohne Gegenmittel.
    Somit fürchte ich, leider, Herr Lauterbach hat mal wieder
    recht.
    Der jetzige Zustand ist nur ein Anfang; es kann weitaus
    schlimmer kommen.
    Selbst die Regierung ist da mächtig unsicher.
    Wie gesagt, heute ist politische Psychologie angesagt,
    durchhalten, Regeln befolgen; manchmal muß man eben
    Menschen auch zwingen, zu Wohle aller, mitzumache
  • Helli 21.04.2020 07:54
    Highlight Highlight Es gibt jedes Jahr veränderte Viren, das war schon immer so und wird auch so bleiben. Wir werden damit leben müssen und können. Es sterben auch an diesem Virus nicht mehr Menschen als sonst. Ich meine das nicht zynisch, gehöre selbst zur Risikogruppe. Und habe neben der Arbeit 4 Schulkinder zu beschulen inkl. Catering aus leeren Supermarktregalen.
    Für deren über 80jährige stark gefährdete Großeltern ist das Leben lebenswerter mit dem schon immer vorhandenem Risiko, an einer Grippe zu erkranken und vielleicht sogar zu sterben, als wenn sie ihre Enkel nicht sehen dürfen.
    • stahlbau-grauerwolf 22.04.2020 19:33
      Highlight Highlight mit diesem Corona ist das Risiko erheblich höher
      ohne Gegenmittel
      wir müssen da durch, wie zu Kriegszeiten bis
      1945 in D
      meine Erlebnisse
      Für die bisherige Grippenwelle, so jedes Jahr,gibt es Impfungen, die jeder nutzen konnte/kann
      Ich kenne nicht die Zahlen der Geimpften und
      wer nicht; insofern ist die Anzahl der Verstorbenen hinterfragungswürdig und somit nicht
      vergleichbar mit Corona

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