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Verschwörungstheorien halten sich in der Gesellschaft. Sogar auf Pressekonferenz in der Welt 2019 2020 fragen Reporter seltsame Verschwörungstheorie-Fragen
Wie sie auf diese Verschwörungstheoretiker Sache kommen ist nicht ersichtlich. Sie denken die Welt hat sich gegen sie verschworen. Regierung und Informationen von Medien glauben sie nicht auf ihrer Suche nach der Wahrheit
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Lothar Wieler ist der Leiter des Robert-Koch-Instituts. Bild: reuters / MICHELE TANTUSSI

Verschwörungstheorien zum Coronavirus: RKI-Chef Wieler antwortet gelassen

Seitdem das Coronavirus die Nachrichtenlage in Deutschland weitgehend beherrscht, gibt das Robert-Koch-Institut jeden Tag einen aktuellen Überblick über die Situation. Am Freitagvormittag war es der Leiter des Instituts, Lothar Wieler, der sich den Fragen der Journalisten stellte.

Er zeichnete ein ernstes Bild der Lage, ohne zu dramatisieren. Ausführlich erklärte er, welche Maßnahmen die Wissenschaft warum für angemessen halte. Es gehe vor allem darum, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen. Zwar zeigten bisher vier von fünf Infizierten keine oder nur schwache Symptome. Beim fünften allerdings verlaufe die Krankheit schwer, das sind 20 Prozent. Und bei fünf Prozent müsse von einem sehr schweren Verlauf ausgegangen werden, das heiße, dass die Patienten beatmet werden müssten.

Bei vielen keine Symptome

Deshalb gehe es darum, die Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser so weit wie möglich zu erhalten. Dafür wiederum sei es notwendig, dass das Virus sich so langsam wie möglich ausbreite, erklärte Wieler. Er führte auf Nachfrage auch aus, bei einem leicht übertragbaren Virus wie Covid-19 – gegen den es zudem noch keinen Impfstoff gibt – sei davon auszugehen, dass sich 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung anstecken würden. Das wären in Deutschland rund 50 Millionen Menschen. Wieler verwies ausdrücklich nochmal darauf, dass die meisten dieser Fälle keine oder milde Symptome zeigen würden.

Reporter stellt seltsame Fragen

Doch ein Reporter hatte ganz offenbar nicht richtig zugehört. Warum man aufgegeben habe, fragte er. Das Ziel müsse es doch sein, das Virus nicht nur einzudämmen, sondern zu bekämpfen. "Warum riskieren Sie, dass Hunderttausende oder Millionen sterben, weil Sie die Eindämmung nicht fortführen?" Er sprach von einer "gelenkten Durchseuchung" und fragte nach den "Auftraggebern".

Verschwörungstheoretisches Geraune also. Wieler blieb cool. "Wir dämmen das Virus ein, wir verfolgen Kontaktketten. Die Gesundheitsämter verfolgen jeden Fall nach und unterbrechen Infektionskette, wenn sie können", erklärte er.

"Wir geben nicht auf. Wir tun alles, was möglich ist."

Zusätzlich zur Eindämmung müsse man die Risikogruppen schützen und die Kapazitäten der Krankenhäuser hochfahren. "Wir können das Virus nicht aufhalten, sondern nur seine Verbreitung verlangsamen", sagte Wieler nachdrücklich.

Damit wollte sich der Reporter jedoch nicht zufriedengeben. Statt einen Gang herunter zu schalten, gab er nochmal Vollgas. Warum das Robert-Koch-Institut denn immer noch auf der Webseite erkläre, dass Atemschutzmasken nur bei bereits Infizierten helfen würden, wollte er nun wissen. "Sie sagen doch, dass viele Infizierte keine Symptome zeigen, aber trotzdem ansteckend sind." Da es sich um eine Tröpfcheninfektion handele, sei es doch empfehlenswert, zur Vorbeugung Mundschutz zu tragen. Andere Länder wie Taiwan praktizierten das auch.

"Was das Robert-Koch-Institut empfiehlt, beruht auf wissenschaftlicher Evidenz", erklärte Wieler gelassen. "Wir empfehlen Dinge, die wissenschaftlich belegt sind. Sie suggerieren, dass alle Menschen, die einen Mundschutz tragen, geschützt sind. Der Schutz ist aber nur in einer bestimmten Situation gegeben. Nämlich dann, wenn sie mit einer infizierten Person in Kontakt sind, die hustet oder niest." Eine Atemschutzmaske suggeriere also einen Schutz, für den es keine Evidenz gebe.

Die Spur führt zu einem Verschwörungstheorien-Blog

Recherchiert man den Namen sowie die Plattform, die der Fragesteller angegeben hatte, stößt man auf ein Blog, der durchweg verschwörungstheoretische Inhalte verbreitet. Die "Durchseuchungsstrategie" von Jens Spahn könne ein "Massensterben" auslösen, behauptet der Mann dort unter anderem. Warum der Gesundheitsminister daran überhaupt ein Interesse haben sollte, erklärt er nicht. Die dunklen Mächte, die da am Werk sein sollen, müssen sich seine Leser stattdessen selbst ausmalen. Laut eigenen Angaben war er früher übrigens bei der "Bild" tätig.

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Ab jetzt AfD-Osten? So ein Quatsch!

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