AACHEN, GERMANY - APRIL 09:
Medical staff prepares himself with protective clothing and masks on regular station for contact with Covid-19 patients being treated at Aachen University Hospital during the coronavirus crisis on April 9, 2020 in Aachen, Germany. While the number of cases of Covid-19 infection is continuing to rise in Germany, the rate has slowed to a current doubling rate of over 14 days, giving many people hope that restrictions on public and commercial life imposed by authorities as a means to slow the spread of the coronavirus are having a significant effect. (Photo by Sascha Schuermann/Getty Images)

In einem Krankenhaus bereiten sich Pflegekräfte vor, Corona-Patienten zu behandeln. Bild: Getty Images Europe / Sascha Schuermann

Pathologe untersucht Corona-Tote: "Sie haben eine innere Wunde"

Das Robert-Koch-Institut war zunächst in Deutschland sehr vorsichtig, was die Obduktion von Corona-Toten angeht: Die Leichenschau sollte vermieden werden, hieß es.

Mittlerweile hat die Behörde ihre Empfehlung dazu geändert. Zum besseren Verständnis von Covid-19 sollten Autopsien unter "adäquatem Schutz des Personals" durchgeführt werden, teilte das RKI der "Tagesschau" mit.

Einer, der verstorbene Covid-19-Infizierte untersucht, ist Johannes Friemann, Leiter der Pathologie am Klinikum Lüdenscheid. Im Interview mit der "Welt" hat er seine Erkenntnisse aus Obduktionen von Kollegen und von eigenen Untersuchungen erklärt.

Aus den Organen der sezierten Toten lese ein Pathologe "wie in einem Buch". Über die Todesursache bei Corona-Patienten sagt Friemann: "Neben einem meist im Vordergrund stehenden Lungenversagen sehen wir auch Vorerkrankungen, die für sich genommen bereits allein geeignet sind, einen Menschen zu töten."

Vorerkrankungen: Coronavirus verlegt den Tod vor

Bereits seit Anfang der Pandemie ist bekannt, dass ältere Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen ein höheres Risiko haben, an Covid-19 zu sterben. Durch Corona werde ein "aus anderen Gründen bereits drohender Tod vorverlegt", sagt Friemann.

Auch Friemanns Kollege Klaus Püschel, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg, hatte in einem Interview mit der "Frankfurter Zeitung" kürzlich gesagt: "Es gibt nicht 'den' Corona-Toten, wie es die Statistik suggeriert." Stattdessen gebe es "sehr viele Todesursachen" im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Aus diesem Grund sei die Obduktion auch so wichtig, erklärt Friemann in der "Welt" weiter. Seine Erkenntnisse könnten Ärzte bei Therapiemöglichkeiten helfen.

Corona: "Sie haben eine innere Wunde"

Aus Italien und England wisse man, dass "viele Patienten neben einer Entzündung des Rippenfells und des Herzbeutels eine sogenannte Schocklunge, ein akutes Lungenversagen", haben.

Diese Veränderungen seien nicht virusspezifisch, man kenne sie auch von anderen tödlich verlaufenden Erkrankungen. Die Gefäße in der Lunge würden undicht. "Sie haben also eine innere Wunde", beschreibt Friemann das. Dann komme Wasser in die kleinen Lungenbläschen. Wenn dazu virustypische Veränderungen hinzukämen, weise das auf eine Infektion mit dem Coronavirus hin.

Wann die Schocklunge begonnen habe, sei wichtig zu wissen für Ärzte. "Hat sie erst drei Tage oder schon acht Tage lang bestanden?", sagt Friemann. "So weiß der Arzt, dass er mit seiner Therapie, wenn möglich, früher anfangen muss oder der Patient früher auf die Intensivstation muss."

Gerade auch bei jungen Corona-Toten sei es wichtig, eine Obduktion durchzuführen. "Es ist doch auch für die Familie wichtig, den Grund zu wissen." Auch bei jungen Todesopfern gehe er von Vorerkrankungen aus. "Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß. Und das kann man nur durch eine Obduktion klären."

(ll)

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